Startbahn27 Podcast – Innovation aus Mainfranken
Wir sprechen mit Innovationsbegeisterten und Visionären aus Schweinfurt und Mainfranken. Persönliche Geschichten über Erfolge, Rückschläge und neue Chancen – echte Einblicke in die Welt der Startups und Innovationen.
Startbahn27 Podcast – Innovation aus Mainfranken
Folge #105 | S4 Mut zum Gründen – Alles, nur nicht eindimensional – über Unternehmertum, Familie, Ehrenamt und Sinn
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Christina Bräutigam ist Unternehmerin, Co-Geschäftsführerin, Gesellschafterin, Mutter und ehrenamtlich als Co-Landesvorstandsvorsitzende im Verband der Unternehmerinnen aktiv. Sie spricht darüber, wie sie diese verschiedenen Rollen in ihrem ganz persönlichen „Christina-Ökosystem“ verbindet – und warum Vielseitigkeit kein Chaos bedeuten muss, sondern zu einem stimmigen Ganzen werden kann.
Darum geht es in der Folge:
- wie Christina ihr persönliches Ökosystem aus Unternehmertum, Familie, Ehrenamt und Führung aufgebaut hat
- warum Struktur, Verbindlichkeit und klare Prioritäten dabei helfen, viele Rollen erfolgreich zu vereinen
- wie Entscheidungen aus Bauchgefühl, Wertekompass und realistischer Kapazitätsplanung entstehen
- warum Delegation, Selbstreflexion und Fokus entscheidend sind, um langfristig leistungsfähig und erfüllt zu bleiben
Bildrechte:
Krisztian Müller
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Begrüßung & Vorstellung Christina Bräutigam
Nico HildmannHallo und herzlich willkommen an Bord des Startbahn 27 Podcasts. Diese Staffel wird präsentiert von der VR Bank Main-Rhön, Partner für Gründer, Unternehmer und Zukunftsgestalter in unserer Region. Mein Name is Nico Hildmann und heute bei mir zu Gast auf der Startbahn ist Christina Bräutigam. Christina ist Unternehmerin, Co-Geschäftsführerin und Gesellschafterin, und dazu auch noch Mama und engagiert sich ehrenamtlich als Co-Landesvorstandsvorsitzende im Verband der Unternehmerinnen. Und diesen ganzen Rollenmix vereint sie in ihrem eigenen persönlichen Christina-Ökosystem. Und darüber möchte ich auch mit ihr sprechen. Wie baut man eigentlich so sein eigenes Ökosystem auf? Viel wichtiger noch, wie managt man das Ganze? Heißt, wie schafft man es eigentlich so viele Rollen zu tragen, gleichzeitig auch Verantwortung dann zu übernehmen, aber immer noch bei sich zu bleiben. Also im Endeffekt, wie entsteht aus so viel Vielseitigkeit ein großes stimmiges Ganzes. Da freue ich mich sehr drüber, mit ihr zu sprechen und sage: Herzlich willkommen, Christina. Schön, dass du da bist.
Christina BräutigamHallo, ich freue mich sehr. Danke dir für die Einladung, Nico.
Welche Rolle steht im Zentrum?
Nico HildmannEcht klasse, also Riesenfreude, dich wie immer zu sehen, natürlich auch. Und um das auch vorab zu sagen, du warst ja schon mal tatsächlich zu Gast, wie manch anderer Gast der Staffel 4. In Staffel 1 heißt aber auch, wir hatten leider noch einetes Vergnügen miteinander. Dementsprechend freue ich mich sehr, dass ich mit dir jetzt zusammen eine Podcast-Folge aufnehmen kann. Zu einem Thema, ich sag mal auch so, vielleicht das erweiterte Mut zum Gründen. Wir haben es mal ja so gesagt, der Mut zur Vielseitigkeit, weil das ist ja auch was, was Unternehmer und Unternehmerinnen eben auch ausmachen. Und da bist du für mich das absolute Role Model. Deswegen echt schön, dass du hier bist. Und ja, ich würde direkt auch starten damit. Ich habe ja die Rollen gerade, sag ich mal, aufgezählt, die du so inne hast. Wenn man dich jetzt mal so fragt, welche dieser Rollen außer Mama sein natürlich, steht denn für dich im Zentrum? Also sprich, wer ist Christina in erster Linie?
Christina BräutigamDas ist eigentlich eine richtig schwierige Frage zum einen, glaube ich. Weil letztendlich stehe ich für mich als Mensch im Zentrum, weil diese ganzen Rollen, die bedingen sich, da kommen Rollen dazu, es gehen Rollen weg. Und ich glaube, dass ich gerade in diesem gesamten Mix in meiner Mitte bin. Und natürlich, du hast schon recht, also im Zentrum steht natürlich das Mama sein, auch wenn man das so ein bisschen ausblenden kann, aber letztendlich muss man doch sagen, alles drumherum baut sich ja dann fügig zusammen. Weil Mama sein, genauso wie Tochter sein oder Kind sein, ist unkündbar und nicht verhandelbar. Und die ganzen anderen Rollen, die können natürlich immer mal switchen, die können sich wandeln, von denen kann man sich trennen, man kann neue dazunehmen, aufnehmen. Und deswegen ist das doch schon auch eine der zentralen Rollen, die das Berufliche bei mir, das Unternehmertum und alle meine Projekte, mein Ehrenamt, alle Rollen, für die ich mich begeistern und engagieren kann, doch auch immer im Zentrum hat, dass ich das Ganze vereinbaren kann, weil anders funktioniert es eigentlich nicht.
Struktur statt Chaos: Wie Christina ihren Alltag organisiert
Nico HildmannAbsolut, ne? Die, wie du schon sagst, diese Rollen, die wir ja gerade so genannt haben, die sind ja nicht alle auf einmal gekommen, die es baut sich ja peu à peu auf. Da vielleicht nochmal nachgefragt, gibt es für dich sowas, also so einen typischen Arbeitsalltag, also dass du sagst, am Montag dahin, am Dienstag dahin, Mittwoch ist immer der Termin oder ist es immer dadurch ganz random, sozusagen eine Woche?
Christina BräutigamNein, es gibt eine ganz, ganz große Struktur.
Nico HildmannOkay, ja.
Christina BräutigamAlso ich liebe Organisation. Ich glaube auch, dass ich ein Organisationstalent habe. Und ich denke, dass das auch eine Eigenschaft ist, die hilfreich ist. Das heißt nicht, dass es ein K.O.-Kriterium sein muss, so viele Rollen wahrzunehmen, aber alle Rollen, die ich habe, die einen in eins. Und das ist eigentlich, dass ich wahnsinnig gerne Strukturen bau, dass ich empathisch führe, dass ich wahnsinnig gerne Gestaltungsspielräume suche, Netzwerke verbinde und Menschen begeistere. Und letztendlich sind alle diese Rollen, gerade im beruflichen Kontext und auch im ehrenamtlichen Kontext, der rote Faden mit diesen Kriterien, die ich da auch abliefere, die ich einbringen kann als Mehrwert. Und meine Struktur ist eigentlich so gestaltet, dass ich vor allen Dingen klare Tage brauche, um verbindlich zu sein für die Menschen, mit denen ich arbeite und für die ich arbeite. Es ist wahnsinnig schwer, wenn man sagt, okay, ich schaue mal, wie ich es wieder reinbringen kann nächste Woche, ich melde mich. Das ist unverbindlich. Verbindlichkeit ist ein ganz, ganz wichtiges Thema. Das gibt nicht nur Halt, sondern so weiß man auch, okay, da ist eine Performance in einem Projekt, da ist bei einem Kunden eine gewisse Struktur hintendran, dass die Menschen eine Anlaufstelle haben. Ich arbeite ja viel im Personalbereich. Das heißt, die Leute müssen ja auch verbindlich wissen, wann kann ich sie denn eigentlich erreichen, wann ist sie denn da. Und alles andere wirkt, glaube ich, auch ein bisschen freestyllich und als wird man das Thema vielleicht manchmal gar nicht so ernst nehmen. Für mich ist es ganz, ganz wichtig, dass ich ganz klar sage, wo ich wann bin. Für mich selber. Das sortiert unwahrscheinlich meinen Kopf. Da kann ich viel klarer arbeiten. Und natürlich auch für meine Familie drumherum, dass ich mein ganzes Konstrukt baue, dass ich verbindlich sage, wann ich zu Hause bin, wann ich nicht zu Hause bin und wie es läuft, wenn ich nicht da bin. Und natürlich eben auch für die Kunden letztendlich. Und deswegen ganz klare Tage, ganz klare Regeln und alles ist veränderbar, alles ist wandelbar. So ein Termin heute. Einfach kommunizieren und dann ganz klar ein bisschen umswitchen. Man braucht auch eine große Flexibilität und vor allen Dingen auch ein bisschen Ideenmanagement, wie man was umswitchen kann und neu gestalten kann, weil für uns ist die Woche ja immer gleich lang. Für jeden Einzelnen und das klingt jetzt so, als hätte ich wahnsinnig viel mehr Zeit als andere. Das ist nicht so. Ich glaube einfach, dass ich sehr straight fokussiert bin, was sich vielleicht manchmal so nach außen bei Vielseitigkeit ein bisschen ausschließt, aber es ist gar kein Chaos. Es ist für mich der absolute rote Faden, dass ich all diese Rollen für mich innerhalb einer Woche, eines Monats, eines Jahres, eines Lebens vereinbare. Und das ist so das Gesamtkonstrukt Christina.
Bauchentscheidungen, Wertekompass und wann sie Nein sagt
Nico HildmannJa, also weißt du, genau das, was du wirklich jetzt sagst, das spiegelst du für mich aus meiner Sicht, aus externer Sicht auch wieder. Du bist immer, das ist alles integriert. Das hat, wie du schon sagst, das ist kein Chaos. Das ist eine bewusste Entscheidung, das ist ein bewusstes Konstrukt, wo, glaube ich, aber andere das schon als Belastung sehen würden. Natürlich, du hast viele Rollen, die machen dir auch Spaß, sonst würdest du dir auch nicht machen. Ich glaube, als Unternehmer kommt man ja dann in so einen, oftmals auch in so einen Weg oder auf den Weg, dass man sagt, ey, ja, das ist eine coole Option, oder ja, da wäre ich auch gern dabei, klar helfe ich dir. Also ja, ja, ja sagen, wo man dann sagt, oh, vielleicht war das zu früh ja gesagt, ich konnte es gar nicht irgendwie vereinbaren. Da vielleicht auch die Frage, wenn du sagst, du bist so strukturiert, wie wählst du denn Projekte aus? Kannst du überhaupt Bauchentscheidungen treffen oder wäre das fatal in deiner Planung?
Christina BräutigamIch treffe sehr, sehr viele Bauchentscheidungen sogar. Weil alles, was ich mache, passt in meinen Wertekompass. Alles, was ich mache, passt zu dem, wofür ich stehe. Und ich spüre das sehr genau, wenn ich was höre, dass da schon so eine innere Flamme zusätzlich entfacht und ich muss dabei sein. Und da gibt es, glaube ich, schon auch Abstufungen an Flammen und an Intensität und dementsprechend entscheide ich. Ich habe aber meinen Kalender einfach auch klar im Kopf. Also wenn man so strukturiert ist, hat man den eigentlich. Ich kann den sofort aufrufen und weiß genau, okay, da sind Lücken da oder sind eben keine Lücken da. Und dann kann ich doch eine gute kombinierte Entscheidung aus Bauch und Kopf und Kalender treffen.
Nico HildmannUnd wann sagst du aber wirklich mal Nein? Also gibt es für dich im Kopf Punkte, weil du sagst, Wertekompass, okay, der Punkt ist nicht erfüllt, dann muss ich jetzt Nein sagen.
Christina BräutigamJa, ein ganz klares Thema ist Regionalität. Also ich werde nicht für verschiedene Projekte wochenlang irgendwo in Berlin tätig sein, aktuell. Später vielleicht, aber das passt einfach momentan nicht. Also ich muss ja auch mein komplettes Setup betrachten. Und da bin ich auch wieder zu der zentralen Rolle Mutter, viel vor Ort und Anlaufstelle, Ansprechpartnerin und eau auch zu Hause diejenige, die tagtäglich eigentlich da ist und einen Anker darstellt. Und deswegen ist Regionalität ein Thema. Was aber nicht heißt, dass ich nicht auch mal Reise oder Beruf komme.
Nico HildmannUnd natürlich das Online, ist ja auch möglich, irgendwie einfach da mal digital präsent zu sein, oder?
Christina BräutigamDas stimmt, ja. Wobei bei mir ist Regionalität schon wichtig, weil ich mit Menschen arbeite. Also ich bin ja jemand, die wahnsinnig viel verändert oder neu gestaltet, die viel im Bereich Kommunikation personal aktiv ist. Und das ist für mich ganz, ganz klar, dass da ganz viel auch in Präsenz stattfindet. Du hast es vorhin gesagt, das ist was ganz anderes, dass wir beide jetzt hier sitzen und nicht nur Teams verlinkt sind. Und genau so ist es bei meiner Arbeit eben auch. Und Hyogenalität ist sehr, sehr wichtig. Was auch wichtig ist, dass ich schon klar sage, wenn es jetzt, keine Ahnung, ein Projekt ist, was jetzt 80 Stunden in der Woche einnimmt, habe ich momentan keine Kapazität für. Also da muss man dann schon auch ehrlich sein, weil wenn ich was mache, dann mache ich es auch wirklich richtig, hoch engagiert und mit Leistung. Ich liebe Leistung. Ich liebe wirklich auch Geschwindigkeit, Ergebnisse, dass Teams ganz agil und innovativ sind. Und wenn ich natürlich das Gefühl habe, ich bin dann die Bremse, ist es sehr, sehr unfair, eigentlich so ein Projekt vielleicht zuzusagen oder vielleicht auch ein Mentoring oder irgendeine andere Form von Begleitung.
Erwartungen, Erreichbarkeit und Umgang mit Verantwortung
Nico HildmannAber weißt du es vorab, weil, weißt du, ich habe mir genau das Gleiche gedacht, wenn du so viele Stellen hast, wo du involviert bist, in welchem Umfang auch immer. Du hast ja einerseits deine eigene Erwartungshaltung, an dich persönlich, Qualitätsanspruch, irgendwo vielleicht auch Geschwindigkeit an Reaktion oder sowas. Aber Ergo sind ja auch viele, die eine Erwartungshaltung dann auch an dich haben. Wenn du in diesen Projekten bist, kannst du mal antworten oder hast du das jetzt schon gemacht, ne? Das ist ja gleichzeitig doch auch Druck, der entsteht, weil du kannst doch vorhab nicht sagen, kriege ich nicht hin oder nicht.
Christina BräutigamIch glaube auch einfach, dass ich es hinbekomme. Also ganz einfach, ja. Ich glaube, was wichtig ist, dass ich, dass ich für alle Dinge, die ich begleite, ein paar Fokusmomente am Tag habe. Also nicht, dass ich jetzt sage für den Verband der Unternehmerin, das ist ein Ehrenamt, das steht in zweiter Reihe und deshalb schaue ich dann nur dreimal in der Woche vielleicht in meine Mates. Das geht nicht. Also, Ehrenamt ist für mich eine ganz, ganz wichtige Sache. Wir gestalten dort wahnsinnig viel im Verband. Wir haben durch unsere Teenie Puello ein wahnsinniges Sprachrohr auch an die richtigen, wichtigen Stellen, die Veränderungen in unserem Land bringen können, gerade auch im wirtschaftlichen Bereich. Und das ist ein Hebel, da macht man mit. Und man kann natürlich auch mal ab und zu kommunizieren. Ich habe in den nächsten Phasen oder Projektphasen nicht so viel Zeit für ein Thema, aber das ist eben genau der Punkt. Ich habe es klar vorher benannt, kommuniziert, transparent gemacht. Und ansonsten ist es schon selbstverständlich, dass ich für alle Themen einen Moment am Tag habe, wo ich mich damit beschäftige. Weil sonst kann ich gar nicht so organisiert sein und strukturiert sein, wenn ich gar nicht immer up to date bin, was da eigentlich gerade alles auf meiner Agenda in den verschiedenen Rollen liegt. Und dann jongliere ich einfach ein bisschen. Aber ich mache mir vielleicht auch manchmal nicht zu viel Kopf, weil die meisten Dinge mich einfach von Grund auf sehr beflügeln, mir wahnsinnig viel schenken und geben. Ich müsste ja auch nicht alle Rollen wahrnehmen, so ehrlich muss man auch mal sein, aber ich mache sie einfach wahnsinnig gerne. Und das bringt mir auch eine gewisse Geschwindigkeit. Also ich arbeite wirklich gerne, sehr dynamisch und schnell, aber das beflügelt mich auch, Dinge wirklich sehr, sehr zackig zu erledigen und sehr on point. Also ganz fokussiert, nicht viel drumherum. Und das Wichtigste ist immer, dass man, egal mit wem man zusammenarbeitet, egal welche Rolle man einnimmt, man lässt niemand anderen stundenlang, tagelang, wochenlang warten und blockiert ihn, dadurch weiterzumachen. Das ist für mich immer auch im Bereich Führung, wenn ich Teams führe, ganz, ganz wichtig. Also natürlich habe ich andere Arbeitszeiten. Ich nehme mir immer eine Pause, auch um meine Kinder, wenn es geht, an der Tür zu begrüßen, ein Essen zu zaubern und nochmal kurz zusammen auf die Hausaufgaben zu schauen. Das hole ich dann zeitlich auch alles wieder auf. Aber nichtsdestotrotz ist klar, jeder weiß, er kann anrufen, wenn es dringend ist. Und dann würde ich jetzt auch einfach dran gehen, weil es würde niemand und es hat bisher auch noch niemand ausgenutzt.
Nico HildmannJa, also heißt, du hast für dich persönlich, da kommt auch nicht das Gefühl mal auf, ich bin der Bottleneck oder sowas, weil du einfach gut strukturiert bist und weißt, du hast eine gewisse Geschwindigkeit, du kommunizierst sowieso, das kann fast gar nicht passieren in deiner Struktur, oder?
Christina BräutigamEigentlich nicht, weil in dem Moment hat es ja einen Grund, dass Dinge sich umpriorisieren. Ich entscheide mich ja ganz bewusst und es ist wirklich ein wichtiger Punkt. Mein Tag ist nicht länger als der von anderen. Das heißt, er funktioniert nur, indem ich ganz klar für mich sehr, sehr schnell abstecken kann. Was hat heute Priorität, was hat sich an den Rahmenbedingungen vielleicht geändert oder an den Kundenbedürfnissen in Projekten, was für unvorhergesehene Personalgespräche kommen rein. Das ist auch ganz, ganz wichtig. Also das sind Dinge, die sind normalerweise in meinem Tag nicht eingetaktet, weil ich habe jetzt nicht einen Puffer von drei Stunden für Personalgespräche. Natürlich kommen die aber trotzdem. Und es würde niemand eigentlich diese Zeit erfragen oder suchen, wenn es nicht wichtig wäre. Weil ich denke mir dann schon immer, natürlich ja, die meisten Haar dann erstmal und überlegen, okay, wie formuliere ich das jetzt, wie trage ich jetzt mein Thema heran. Positiv wie negativ kommen dann natürlich Themen auf den Tisch. Und wenn ich mir dann, und das ist ganz wichtig, nicht immer nur auf mich zu schauen, überlege, was hat der sich jetzt vielleicht für einen Stress gemacht? Oder dreimal überlegt und dann nochmal Mut gefasst. Und dann ist es selbstverständlich, dass die anderen Dinge bei mir an dem Tag in der Prio vielleicht ein bisschen nach unten gehen.
IntroJa.
Christina BräutigamUnd ich glaube, das muss man einfach schnell entscheiden. Aber es kommt mit der Zeit. Ich glaube, ich bin da auch besser geworden. Ich war da, glaube ich, auch schon mal schlechter.
Ist Haltung und der Wertekompass trainierbar?
Nico HildmannWollte ich gerade nämlich fragen, weil du, also es kam mir gerade aus deiner Antwort so raus. Hast du dir das aneignen können? Also ist sowas, ich nenne es jetzt mal trainierbar oder muss diese innere Haltung der Wertekompass, finde ich ein sehr schönes Wort, der muss der schon sozusagen erforscht sein. Oder hast du es dir aneignen können?
Christina BräutigamIch habe mir das angeeignet. Also ich? Also erstmal durch Ausprobieren, Machen, Tun, Erfahrung aus Lernkurven und vor allen Dingen auch muss man sich immer reflektieren. Man muss ehrlich zu sich sein und man darf sich viel mehr Fehler eingestehen, als viele das vielleicht auch von ihrer Prägung, ihrer Erziehung oder von den Werten, die sie tradiert mitbekommen haben, sich aktuell vielleicht noch erlauben. Das ist gar nicht schlimm. Ich glaube auch da, Kommunikation ist immer ein Schlüssel, kann man einfach sagen, das habe ich übersehen, es tut mir leid, es war ein Fehler. Ich denke nochmal drüber nach. Und ich glaube auch, ich bin da über gewisse Dinge gestolpert oder habe vielleicht auch mal manche Prioritäten falsch gesetzt oder mich falsch entschieden. Aber das ist jetzt eigentlich, wenn ich überlege, ich bin doch schon sehr lange im Berufsleben, schon fast 20 Jahre, nach meinem Studium und davor auch schon immer in Nebenjobs und allem. Ich glaube, das ist schon auch so ein bisschen Erfahrung, die mit der Zeit kommt. Und die einen haben da vielleicht in die Wiegen größeres Talent als die anderen, aber ich glaube, was man auf keinen Fall sagen kann, ist, dass es nicht erlernbar ist. Und umso mehr man eigentlich auch für sich bei sich selbst ist, bei seinem Energiemanagement vor allen Dingen auch ein ganz, ganz großes Thema, umso besser bekommt man das auch hin.
Planung, Vorschau und persönliches Energiemanagement
Nico HildmannJa, also ich finde auch mit der Zeit, man wächst ja auch mit seinen Aufgaben und weiß dann selber, sich einzuschätzen, glaube ich, bei verschiedenen Anfragen oder wenn Themen kommen, das dann mit dem Erfahrungswert einzuschätzen, Ja oder Nein zu sagen oder vielleicht einen anderen Lösungsweg vorzuschlagen, sodass man sagt, ey, es hängt vielleicht gar nicht an mich, aber ich will finden eine Lösung, das so zu machen. Vielleicht ein Thema, was du vorhin noch gerade so gesagt hast, du nimmst dir Zeit am Tag für eine Struktur oder mal eine Reflexion. Vielleicht jetzt mal für die, die zuhören, wo sagen, ja, ich würde auch gerne sehr vielseitig sein oder vieles machen. Hast du da den Tipp, wann es für dich beispielsweise gut reinpasst? Ist es frühest, bevor der Tag startet oder ganz am Ende dann nochmal zu reflektieren? Hast du da einen Tipp, wo man sagt, wann ist vielleicht so eine gute Christina-Zeit, was vielleicht jemand anderes für sich auch mitnehmen kann?
Christina BräutigamAlso ich mache das in unterschiedlichen Kategorien. Also grundsätzlich schaue ich mir meinen Folgemonat an, ich schaue mir meine Folgewoche an und ich schaue mir am Abend vorher den nächsten Tag an. Es lässt mich viel ruhiger und entspannter schlafen. Ich komme morgens, falls ich vielleicht auch mal zehn Minuten länger liegen bleibe, nicht in Stress, weil ich genau diese Lücke verpasst habe, dieses Zeitfenster und eigentlich schon die Kinder wecken muss und dann wir dann denken, okay, jetzt wird es schon trubelig. Das ist eigentlich ein bisschen mein Plan. Und ansonsten glaube ich, dass es in jedem Alltag super dynamisch ist. Wir sind in so einer schnelllebigen Welt und das kann in unterschiedlichster Weise durch Nachrichten und Katastrophen, die plötzlich einpreschen im Verlauf des Tages, durch Themen, die im Job auf einmal aufkommen, die Schule, die anruft, jetzt sofort muss ihr Kind abgeholt werden. Alles andere wird ein bisschen durchgewirbelt und deswegen muss man das schon im Hinterkopf behalten. Aber dieses Präsente, das mache ich immer in einer gewissen Vorschau. Weil das bedarf natürlich auch einer Planung. Also mein Tag endet ja auch nicht um 17.30 Uhr. Also das muss man auch sagen. Also mein Tag fängt klassischerweise um 5.30 Uhr an. Okay. Das ist jetzt nicht immer angenehm, aber man gewöhnt sich dran. Und von daher merke ich trotzdem, wenn ich nicht erst um 6 Uhr aufstehe, bin ich entspannter, auch wenn ich eine halbe Stunde weniger geschlafen habe. Also das muss man für sich entscheiden. Jeder tickt ja so ein bisschen anders.
Nico HildmannIch finde auch fürs Gefühl früh vor allem, ne? Klar, bei uns ist es auch die Kleine, die dann bestimmt, wann wir aufstehen, wenn man so will. Aber ich finde auch, wenn der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier, wenn du diese Uhrzeit in dir drin hast, dann wachst du da auch irgendwann automatisch auf. Ist es aber so, dass deine Tage sehr lang werden oder ist es bei dir, wo du sagst, 22 Uhr, sage ich jetzt einfach mal, der Laptop ist zugeklappt, jetzt muss ich mich auch hinlegen, sonst ist mein Energiemanagement zu wenig.
Christina BräutigamDas entscheide ich von Tag zu Tag.
Nico HildmannOkay. Je nachdem, was der Folgetag bringt, wahrscheinlich, ne?
Christina BräutigamOder was der laufende Tag mit sich gebracht hat. Es ist unterschiedlich, genau. Also ich kann, glaube ich, von 20 Uhr bis 1 Uhr nachts so eine Range bestätigen, wann ich unter der Woche ins Bett gehe. Okay, ja, okay.
Nie wirklich fertig: Umgang mit Gedankenkreisen und Abschalten
Nico HildmannAber auch da Flexibilität, ne? Da vielleicht noch ergänzend die Frage, ne? Bei den ganzen Themen, schaffst du es im Kopf, dieses Gefühl zu haben, ja, jetzt bin ich fertig? Weil ich bin ganz ehrlich zu dir, bei mir merke ich es jetzt auch schon mal mit den neuen Aufgaben, die dazukommen, einfach auch privat, Themen und so weiter. Jetzt ist vielleicht mal ein Thema fertig gedacht. Ich habe aber schon wieder fast den nächsten Gedanken, wo man sagt, warte, eigentlich könnte ich die ganze Zeit irgendwas denken und machen. Hast du das Gefühl, mal auch fertig zu sein oder geht das gar nicht so wirklich?
Christina BräutigamIch bin ungern fertig, weil wenn ich mit Dingen fertig bin, dann sind sie eigentlich beendet. Also sind es Projekte oder Zusammenarbeiten, wie auch immer. Ich glaube, also selbst wenn man ganz klassisch seinen Haushalt anschaut, wenn man einmal fertig ist, kann man schon wieder von vorne anfangen. Ich glaube, grundsätzlich sind die meisten Dinge nie fertig. Und alles, was ich beruflich gerade mache oder was ich auch begleite, hat eigentlich nie per se diese Definition, dass es ein starres Enddatum hat. Also es ist wirklich ein ganz, ganz befristetes Interimsmanagement. Die meisten Dinge wachsen und egal, was ich vielleicht schon an Aufträgen angenommen habe, die mal so angedacht waren, dass wir da so ein Projekt starten. Es hat sich bisher immer so ergeben, dass es von einem Projekt zum nächsten kam, von einem Team zum nächsten in Doppelvarianten. Da wächst man einfach rein und ich glaube, das ist auch eine Typsache. Ich glaube, da bist du so, da bin ich so. Und ich mische mich auch gerne ein, muss man auch sagen, wenn ich Dinge sehe. Ich liebe das aber auch, wenn sich Leute bei mir einmischen. Das muss man auch sagen. Also ich kann mich immer optimieren und verbessern. Von daher finde ich das super schön, wenn auch mal jemand sagt, hast du das schon mal so und so gedacht. Aber ich bin ja grundsätzlich auch eine Unternehmensberaterin. Das heißt, ich habe immer einen sehr unternehmerischen, globalen Blick auf die Dinge und mache nicht nur Einzelthemen ganz befristet, beschränkt und nur in so einem kleinen Kosmos. Ich mag das und ich brauche das auch. Deswegen, ich liebe eigentlich die Themen, die nicht beendet sind und fertig sind.
Nico HildmannNur, weißt du, ich glaube, das Schwierige ist ja für ganz viele Leute, deswegen gibt es ja auch sowas da noch wie Burnout oder andere psychische Erkrankungen, zu sagen, ich werde aber gedanklich nicht fertig. Vielleicht der Tag ist ja rum, okay. Aber ich kann nicht abschalten. Das beschäftigt mich noch. Hast du da für dich einen Weg oder ein Ritual gefunden, wie zum Beispiel, jetzt gucke ich mir nochmal den Vortag an, ich habe ein gutes Gefühl, jetzt gehe ich ins Bett, weil abgeschlossen und es beschäftigt nicht die Nacht durch oder sowas, weil wie du schon sagst, ein Thema ist ja eigentlich nie fertig, aber es muss ja mal gedanklich abgeschaltet werden können und ich glaube, das schaffen halt viele nicht aufgrund der Fülle, die sie vielleicht auch vor sich haben. Merkst du das manchmal vielleicht sogar selbst bei dir oder schaffst du es gut abzuschalten?
Christina BräutigamNein. Also ich würde mich jetzt da nicht als Paradebeispiel nennen. Bei mir ist es so, wenn die Themen mich noch zu sehr beschäftigen und ich sie nicht vor dem Schlafen gehen gut abgeschlossen habe, dann liege ich ab 2 Uhr wach. Ja, das ist einfach so. Und dann muss ich, ich muss alles sortieren. Ich weiß, wie mein Kopf funktioniert. Also ich bin auch jemand, der zu Hause oder grundsätzlich wahnsinnig gern aufräumt, aus. Ich bin die super Ansprechpartnerin, wenn jemand was bei Überkleinern zeigen kann. Und das sage ich auch immer, das ist super stressig für mein Umfeld, keine Frage, man muss mich auch ertragen. Aber die Sache ist doch, mein Kopf ist dann super sortiert und klar. Ich liebe das wirklich. Und das macht mir eigentlich auch wieder das Aufarbeiten von verschiedenen Themen und das Öffnen gedanklich für neue Themen, was ich sehr, sehr empfehlen kann, das ist aber nicht jedermanns Sache. Und ich glaube, jeder findet da auch so das, was für einen das Richtige ist. Ich liebe es, ganz alleine im Wald zu joggen. Ganz viele fragen mich auch immer, ob wir mal zusammen joggen könnten wollen. Das mache ich auch ab und zu und das ist auch wahnsinnig schön. Ich merke aber, ich müsste dann eigentlich doch nochmal eine Stunde alleine los, weil diese Ruhe, diese Luft, einfach mit sich auch zu sein, glaube ich, auch ist ganz, ganz wichtig.
Die herausfordernde Phase nach der Elternzeit
Nico HildmannIch könnte da auch nicht mit einem reden, so, das ist ja nochmal doppelt so anstrengend, aber ich finde auch mal für sich zu sein. Ich glaube, das ist auch so eine gute Fähigkeit. Man kann alleine sein. Das ist nicht schlimm, so in dem drin, aber dann kann man sich auch mal sortieren im Endeffekt. Also, das finde ich auch ganz gut, dass du so nochmal sagst: es muss nicht immer alles, also klar, mit sich selber ausgemacht werden, aber es ist auch ein Vorteil, mal einfach nur für sich zu sein in diesem ganzen Prozess, glaube ich, um das eben dann auch zu strukturieren. Da habe ich mich nur mal gerade gefragt, Klasse, wir haben es ja vorhin schon gesagt, du hast es ja diese Rollen aufgebaut über die Zeit. Das waren mit Sicherheit ja noch nicht alle Rollen, die ich genannt habe. Allein wir sind, du hast mich zu einem P-Seminar ja mitgenommen ins Gymnasium, das wir in einer Regelmäßigkeit machen. Das sind ja noch so, in Anführungszeichen, Kleinigkeiten, die immer noch auch dazukommen, wichtige Themen ist ganz klar. Gab es auch mal eine Phase, wo du gemerkt hast, boah, da brauche ich jetzt Struktur, es ist 5 vor 12, sonst verliere ich mich und drifte vielleicht ab in negativere Gedanken oder irgendwie sowas, sodass du eben für dich diese Struktur erarbeitet hast. Gab's das?
Christina BräutigamJa. Auf jeden Fall. Ich glaube auch bei jedem, wo das einfach so perfekt durchläuft, ist schon fast ein bisschen unmenschlich.
Nico HildmannJa, wahrscheinlich.
Christina BräutigamBei mir war das so, dass ich in der Elternzeit des ersten Kindes mein zweites Kind bekommen habe. Das heißt, ich war vielleicht auch ein bisschen länger in Elternzeit. Die meisten gehen ja ein Jahr so durchschnittlich und steigen dann wieder ein. Ist natürlich dann bei mir ein bisschen länger gewesen und ich wollte wahnsinnig gern wieder zurück ins Berufsleben und habe mir in dem Sinn auch eigentlich gedacht, ich habe ein super Skillset, weil ich bin ja organisiert und ich bekomme das alles hin. Aber jetzt weißt du auch, wie das mit Kindern ist. Da ist auch nicht so viel planbar. Und am Anfang war das schon eine harte Zeit. Weil, wie du es sagst, ja, zum einen stehen die Kinder da ja auch nicht so super gern wahnsinnig spät auf, wie meine, das jetzt mittlerweile schon machen. Sondern du bist eigentlich ja wieder wie so ein Jobanfänger von deinem Leistungspensum her. Ich war wahnsinnig müde in der Zeit. Also ich hatte wirklich das Gefühl, habe ich wirklich vor den Kindern schon so viel gearbeitet und ich hatte einen tollen Job und einen sehr intensiven Job und auch eine richtig lange Woche. Aber es kam mir ein bisschen vor, als würde ich gerade neu durchstarten. Ich war unwahrscheinlich müde. Und ich habe auch gemerkt, so gut ich organisiert war, nach außen sah das super aus. Du hast es vorhin so schön gesagt. Also Vorbild oder Role Model, das haben auch damals ganz viele zu mir gesagt, wow, und du steckst gleich in eine Führungsposition ein, das managst du alles so nebenbei. Und das sieht vielleicht nach außen auch alles immer so toll und perfekt aus. Aber in meinem Kopf war das ein ganz, ganz leiser Stress, der sich langsam aufgebaut hat und irgendwann so ein ganz dichter Nebel, weil ich einfach gemerkt habe, das funktioniert ja theoretisch alles, aber praktisch sitze ich jetzt hier am Sandkasten und bin mit meinem Kopf mit dem Projekt. Oder auf der Arbeit bin ich schon bei, was kann ich denn heute Mittag vielleicht kochen? Also all diese Dinge und es hat sich viel zu viel vermischt. Und dann habe ich gemerkt, okay, ich bin ja jemand, der Fokus braucht und der einen sortierten, klaren Kopf benötigt. Ich performe viel, viel besser, wenn ich mir ein bisschen antrainiere, klare Schnitte zu machen bei meinen Rollen. Also da auch mal loslassen zu können. Wenn jetzt der Punkt da ist, die Kids sind im Kindergarten, jetzt zur damaligen Zeit, wo es eigentlich für mich viel, viel schwieriger war, das alles unterhin Hot zu bekommen, dann wirklich auch zu sagen, okay, jetzt durchgeatmet und los, voller Fokus jetzt auf die nächsten Meetings, weil umso klarer ich dabei bin, umso zufriedener bin ich erstmal auch mit mir selber, weil der eigene Anspruch ist wirklich das, was einen wahrscheinlich am meisten stresst. Auch drumherum, Rollen, Rollen, Erwartungen, die da sind, die sind schon teilweise auch anstrengend, weil es noch ganz, ganz starre Rollenerwartungen und Bilder sind, aber die eigene Erwartung zu performen, die ist doch eigentlich bei jedem von uns von innen heraus am höchsten. Und da musste ich wirklich, wirklich, also ganz klar Kanten setzen, wo bin ich, wann präsent und da dann auch mal sich selber an zu trainieren, weil das ist ja doch eigentlich nur eine Kopfsache. Ich kann jetzt diese Dinge auch mal liegen lassen, ich kann die loslassen, weil ich habe dann später den Slot, um mich darum zu kümmern oder wieder morgen. Und da kommt halt wieder die Ungeduld durch. Deswegen bin ich da schon wirklich besser geworden, aber damals war ich noch viel ungeduldiger. Ich hätte immer am liebsten alles schon vorgestern gehabt, was aber, glaube ich, viele, viele im Berufsleben unterschreiben können, dass sie so ticken.
Das „Christina-Ökosystem“: Wie sich ihre Rollen entwickelt haben
Nico HildmannJa, also da war jetzt sehr, sehr viel drin. Und ich finde genau das, was du auch da beschrieben hast, da kommt mir im Kopf, wir hatten letztes, letzte Woche hatten wir einen Online-Tour-Termin zusammen für eine Thematik, ne? Und da, ich finde es halt immer beeindruckend, wie du das machst. Du bist in jedem Termin, wo ich dich halt so wahrnehme, zu 100% da einfach, auch gedanklich, wo ich selber für mich teilweise merke, wie du dieses Sandkasten-Beispiel gerade gemacht hast. Da spielst zwar dein Kind, aber du bist schon beim Essen kochen oder vielleicht irgendwo noch beruflich. Das fällt mir persönlich aktuell noch echt schwer, weil ich so viele Gedanken halt habe, aber wie du schon sagst, sehr geil. Es ist ja eine Kopfsache, es ist trainierbar, es ist einfach diese Momentaufnahme, du musst realisieren, wo du dich befindest und dann eben abwägen, finde ich. Ich persönlich merke es auch, wenn ich zum Beispiel vor Ort mit meiner Tochter bin und es wäre gerade ein Arbeitsthema da, dann versuche ich das ihr aber nicht zu sagen, dass ich jetzt vielleicht gleich nochmal kurz was machen muss. Dann fällt es mir leichter, dieses Arbeitsthema einfach hinten anzuschieben, weil es in dem Moment ja nicht das Wichtige ist. Wenn ich aber zum Beispiel mit ihr kurz telefoniere, Video oder sowas, ich muss aber jetzt nochmal los, dann fällt es mir nicht so schwer, irgendwie, jetzt hört sich blöd an, aber sie abzuwürgen und sagen, ich rufe später an oder ich komme ja gleich heim. Dass dieses einfach auch in einer Situation sein ist, glaube ich, sehr hilfreich, sodass man sich diesen Gedankengang antrainieren kann, Fokus auf das Wichtige und wo du gerade bist. Das muss ich selber tatsächlich noch für mich trainieren, aber das habe ich mit dir schon immer verbunden, wenn wir in den Term waren. Deswegen finde ich das auch so klasse, dass wir über dieses Thema sprechen, dass das kein Chaos ist, so eine Vielseitigkeit, sondern man trotzdem unternehmerisch denken kann und diesen Mut dazu entwickeln kann, sowas voranzutreiben. Also finde ich auch sehr schön, dass du so ehrlich sagst, dass es auch die Phasen gab, wo es halt nicht lief. Da auch, vielleicht um auch jetzt auf das Thema zu kommen, das Ökosystem, das Christina-Ökosystem, ne, das ist ja dann ein Zusammenspiel aus ganz vielem, gehe ich von aus. Für mich ist ein Ökosystem ein großes Miteinander, das gut funktioniert. Wie hast du denn, ich finde einfach die Formulierung, die du mir nachgenannt, Christina Ökosystem, was macht es denn aus, dein Ökosystem? Wie hat sich das denn angefangen aufzubauen?
Christina BräutigamAlso manche Rollen, die habe ich mir von Herzen eben gewünscht, wie Mama sein, genauso aber auch wie meine beruflichen Rollen, gerade nach meinem Studium, die habe ich mir total gewünscht. Ich war Supply Chain Managerin und ich hatte fünf verschiedene Teams, also vom strategischen Einkauf, Customer Service, Behältermanagement, Warneingang, Warnausgang, hatte ich alles und da fängt es ja schon an, dass man baut. Und letztendlich ist es wirklich eine ganz, ganz große Entwicklungsreise, bis sich das Ökosystem nach und nach erweitert. Das kann man so ein bisschen wie mit dem Hausbau vergleichen. Man hat erstmal nur den Aushub und die Bodenplatte und dann geht's los. Und selbst wenn das Haus steht, man gestaltet ja ganz oft um und macht. Räumt auf, jüdische Tass, finde ich auch eine gute Metapher. Ja, oder holt man ein paar neue Möbel, ein neues Bild oder alles, was man hat, stellt man einfach um. Also große Spezialität von mir. Genau, aber das hat sich mit der Zeit aufgebaut. Und diese ganzen Skills, die ich da gelernt habe, sind vor allen Dingen auch wichtig für das, was ich mir aufgebaut habe. Weil man muss das jetzt schon mal sehen. Dieses Muttersein hat mich Verantwortung viel emotionaler fühlen und denken und entscheiden lassen. Vorher war ich dir totale Strategin. Das glaubt man vielleicht gar nicht. War auch keine Schweinfutterzeit, von daher so viele kennen mich da in der Zeit auch gar nicht. Ich war ja lange in Heidelberg und war beim Automobilzulieferer und lange Zeit die einzige Frau im ganzen Managementboard. Und ich war super strategisch, analytisch, voll auf KPIs, Zahlen, Daten, Fakten, Abweichungen, Abstellmaßnahmen. Es war total mein Ding. Ich war trotzdem eine empathische Führungskraft, aber das war für mich, gerade auch für alle unternehmerischen Themen, auch um Mentorin zu sein, um Gesellschafterin zu sein, eine super wichtige Schule. Ich glaube, dass ich mich manchmal vielleicht selber wundern würde, dass ich mich so verändert habe jetzt in der ganzen Zeit, aber das ist ein ganz wichtiger Part, der in mir noch vorhanden ist und den ich auch nicht missen möchte. Und dann kam einfach eine Rolle zu anderen hinzu. Und wie du gesagt hast, ja, es gibt auch noch mehr Rollen und noch mehr Ehrenamt, was man einfach so im Hintergrund macht. Aber es geht ja auch wirklich gar nicht darum, dass das immer jeder weiß. Das ist für mich übrigens auch ganz, ganz wichtig. Es muss nicht immer jeder alle Rollen, die ich mache, kennen und wissen. Für mich ist es wichtig, dass ich dort eine Wirkung bringe, was bewegen kann, was entfalten kann und vor allen Dingen auch für mich was lerne, was mitnehme, Neues aneigne und das wieder in meine anderen Rollen auch einbringen kann. Weil letztendlich bildet sich so mein ganzes Ökosystem.
Nico HildmannWie wichtig ist da deine zugrunde liegenden Werte? Agierst du danach oder ist Zeit der Treiber oder freie Kapazität oder dein Netzwerk, also wie wächst dein Ökosystem anhand was? Anhand welcher Basis?
Christina BräutigamFür mich stehen die Werte ganz vorne. Weil die Zeit ist eine Ressource, die ist begrenzt und je nachdem, wie viel Zeit man hat, setzt man dann seine Prioritäten. Deswegen ganz vorne dran stehen die Werte und ich glaube, dass ich auch nur dann richtig stark performen kann und funktionieren kann. Ich muss schon für meine Themen brennen. Und für die meisten brenne ich direkt und für die, wo ich einfach nur sage, okay, ich lerne jetzt mal was ganz Neues, ich traue mich da mal ran, brenne ich sehr, sehr schnell. Also ich muss wirklich da auch absolut dabei sein. Und ich glaube, das ist auch der Punkt, warum du das Gefühl hast, dass ich dann in diesen Terminen oder wo wir zusammen unterwegs sind, was jetzt auch mittlerweile schon in ganz vielen Punkten ist. Sehr schön, auf jeden Fall. Morgen auch beim Flight. Genau. Aber das macht es einfach wahnsinnig aus, dass ich in dem Moment so klar sein kann. Weil mir sprudeln so viele Gedanken dann dazu in den Kopf. Und ich bin auch einfach eine Generalistin. Also ich glaube, wenn man die Fachexpertin für IT oder whatever sucht, dann bin ich genau ich das eben nicht. Und das muss man auch wissen und kommunizieren können. Ich glaube, ich sprudel wirklich dann ganz klar für ganz, ganz viele Themen. Und deswegen auch das ganze Thema Unternehmertum, auch wenn ich nicht die klassische Gründerin bin. Auch wenn ich nicht gesagt habe, ich habe jetzt den Mut zu gründen und ich baue jetzt eine Firma auf und ich habe jetzt heute vielleicht 50 Leute oder 500. Ich bin eine andere Art von Unternehmerin, das stimmt. Und in dem sind ja auch eine Solopreneurin mit den Themen, die ich zumindest in der Opting bespiele. Und trotz alledem ist es doch so, dass es für mich grundsätzlich ein rundes Konzept ist, dass es auch verschiedene Formate von Unternehmertum gibt. Weil auch das bewegt uns eigentlich gegenseitig voneinander zu lernen. Wenn wir jetzt alle nur das Produktionsunternehmen haben oder alle nur die IT-Bude, dann wären wir uns auch alle wieder viel zu gleich. Und ich glaube, diese Vielfalt macht auch das wiederum aus.
Delegieren, Führung und Verantwortung im Team
Nico HildmannGanz genau. Und das ist ja auch mein Ziel der Staffel, zu sagen, es gibt mehrere Wege ins Unternehmertum, fachlich vielleicht auch oder Bereich oder auch einfach vom Sein. Oder deswegen, jeder hat die Möglichkeit oder das Potenzial, meines Erachtens Ideen voranzubringen, unternehmerisch zu handeln oder zu denken wenigstens. Und deswegen sehr, sehr schön, dich da auch hier zu haben. Du hast schon gerade aber noch gesagt, oder wir sprechen natürlich klar über dich als Person. Jetzt ist es aber auch so mal die Frage, kannst du Aufgaben auch in deinem Ökosystem gut delegieren in dem Sinne? Also es kann ja gut mal möglich sein, dass du sagst, oh, Kind ist krank oder da ist irgendwas passiert, wo du sagst, hm, das muss ich jetzt für mich erstmal ummodeln, aber ich schicke Kollege XY oder da bist du auch gut aufgehoben. Gibt's das und wenn ja, wie wichtig ist dieses Zusammenspiel mit anderen in diesem Ökosystem?
Christina BräutigamDas gibt es und das muss es auch geben, weil sonst müsste ich alleinstehend seiner Schwierigkeit.
Nico HildmannJa, sonst kriegst du es nicht hin, absolut nicht.
Christina BräutigamIch mache einfach nur mein Ding und meinen Stiefel, aber gutes Beispiel, wir haben ja morgen auch eine Nachmittagsveranstaltung, zumindest du hast eine Veranstaltung, wo ich zu Gast sein darf. Und das funktioniert natürlich auch nur, indem ich das drumherum wieder irgendwie organisiert habe. Also sei es jetzt die Meetings, die ich habe oder eben auch, dass jemand für die Kids da ist. Und das funktioniert dann auch nur so. Und es verändern sich halt die grundsätzlichen Bedingungen dazu. Also ich brauche jetzt niemanden mehr, der jetzt zur Kita läuft, Kinder abholt, wie auch immer. Die kommen ganz allein und lässt sich mit dem Bus. Die wissen, was Hausaufgaben sind und was man die zu machen hat und im Idealfall sich noch am nächsten Tag für die Schule vorbereitet. Die können sich auch selber was zu essen kochen, das kriegen die alles hin. Trotzdem sollen die ja nicht stundenlang allein sein. Das heißt, da ist es oftmals, jetzt gerade auch, weil du das Beispiel gebracht hast, dass eure Tochter noch kleiner ist, es macht es einfach leichter, das alles unter einen Hut zu bringen. Also es entwickelt sich wirklich, es ist jetzt wirklich eine Thematik, die auch keinen Stressfaktor mehr irgendwie erzeugt. Was aber ganz wichtig ist zum Thema Delegieren, ist gerade meine Funktion, wenn ich Teams leite. Also ich bin Personalleitung ja bei Deutsch Dienstrat und wie funktioniere ich da? Ich möchte delegieren, weil delegieren heißt, dass ich Verantwortung abgebe. Und es heißt nicht, dass ich nicht mehr führe. Und ich glaube, es ist ein ganz, ganz großes Missverständnis, dass man denkt, wenn man delegiert und Verantwortung abgibt, dass der andere dann auch, wenn es schief läuft, schuld ist oder wenn es gut läuft, erst da ist, ganz und gar nicht. Wir sind immer ein Team und meine Aufgabe ist es ja, ganz exakt zu formulieren, wo stehen meine Kolleginnen und Kollegen, wo können die sich hinentwickeln, wie kommen wir da hin? Und wenn die dann soweit sind, ist es ja sogar meine Aufgabe, dass ich Themen abgebe, delegiere und sie weiter wachsen lasse. Sich mit ihren neuen Skills, die sie sich quasi angereichert haben oder die sie erlernt haben, dass sie sich auch ausprobieren können. Und das Thema Führung, das muss man einfach nochmal separat sehen. Führung, das ist auch nochmal wahnsinnig strategisch. Das sind ganz klare Ansagen. Ich bin auch jemand, die dann, und das ist, glaube ich, auch eine ganz, ganz wichtige Aufgabe von jemand, der delegiert, im richtigen Moment die Themen immer im Blick hat, dass ich zum richtigen Zeitpunkt auch wieder einschreite.
IntroJa.
Christina BräutigamUnd nochmal vielleicht ein bisschen umlenke. Und das ist wirklich, was für mich persönlich wichtig ist, das kann man aber in völlig unterschiedlichen Themen oder in unterschiedlichen Haltungen machen, dass ich das partnerschaftlich mache. Und ich glaube, dann ist es ein guter Mix aus Führen, aus Delegieren und Menschen wachsen lassen, Menschen begleiten, aber auch für sich selber. Und das ist ja auch wichtig. Ich möchte ja eigentlich nicht nur existieren, um irgendwie zu gucken, wie fühlen sich jetzt heute alle wohl. Ich habe ja super Lust, auch selber Dinge und Projekte zu machen, selber Ergebnisse zu erzielen. Und ich glaube, das ist auch in meinem ganzen Kosmos ein Thema, was man immer ein bisschen in der Waage halten muss.
Nico HildmannAlso ich glaube auch, dass es erstmal auch schwierig ist, auch das muss man lernen, dann Dinge oder auch ein bisschen die Kontrolle abzugeben. Weil, wie gesagt, man hat sein eigenes Qualitätsempfinden für Erledigen von Aufgaben oder was weiß ich, in Gesprächen, wo man es erstmal sagt, ja, okay, aber das muss sich ja auch entwickeln. Meine Kollegen, mein Team, die dürfen sich ja selber entfalten können. Und da muss man vielleicht auch erst mal ein bisschen zurückstecken, aber dann entwickelt es sich auf ein Level, wo du sagst, ich habe vollstes Vertrauen, date mich mal vielleicht kurz ab, dass ich auf dem neuesten Stand bin. Und man delegiert dann in dem Sinne auch mit einem super guten Gewissen, wo man sagt, da kommt eine ganz tolle Leistung bei raus und das beruhigt er dann wahrscheinlich auch einfach ungemein. Auch in den nächsten Dingen. Was ich mir aber tatsächlich irgendwie vorstellen könnte, oder ist es so, sagt dir dein Umfeld manchmal, Christina, wie viel denn noch?
Christina BräutigamNein.
Nico HildmannOkay, ist gut.
Christina BräutigamVielleicht trauen sie es sich nicht. Ich weiß es nicht.
Nico HildmannAlso weißt du so, dieser Salobersatz, was machst du denn noch alles oder sowas? Das könnte ich mir gut vorstellen, ob das jetzt Mama oder irgendwie so, weil die Eltern, keine Ahnung, irgendwie sagen so, ah ja, ja, also der Tag hat frei nur 24 Stunden.
Christina BräutigamJa, es gibt schon so Nebenkommentare manchmal ein bisschen langsamer, aber dann denke ich mir, gut, dann mache ich ja was anderes in der Zeit. Also ich bin auch grundsätzlich nicht der Typ, der wahnsinnig viel und gerne rumliegt und rumsitzt. Und ich glaube, das ist wirklich einfach eine Typsache und da ist überhaupt keine Wertung hinten dran.
Ist dieses vielseitige Leben wirklich stimmig?
Nico HildmannAber habe ich jetzt auch ganz viele kennengelernt, die gesagt haben, ich kann mich nicht einfach so auf die Couch setzen und Netflix oder irgendwas gucken. Das ist nicht im Naturell drin. Man muss irgendwie ein bisschen was machen oder sich auch anders irgendwo beschäftigen. Aber da hat ja jeder seinen eigenen Weg, wie man dann auch wirklich zur Ruhe kommt oder was einem gut tut. Jetzt mal vielleicht insgesamt gegen Ende der Podcast-Folge noch zusammenfassend mal gefragt, weil ich gesagt habe, wie bringt man diese Vielseitigkeit zu einem stimmigen Ganzen? Würdest du sagen, ja, mein Leben, so wie es ist, ist stimmig? Oder würdest du vielleicht sagen, ja, ich weiß, teilweise ist es schon ein bisschen voll. Also wie würdest du es gerade aktuell für dich selber sehen?
Christina BräutigamBeides.
Nico HildmannBeides.
Christina BräutigamIch glaube, mein Kalender ist richtig voll. Der ist schon sehr, sehr voll.
Nico HildmannAber es überfordert dich ja nicht.
Christina BräutigamJa, vielleicht doch in manchen Momenten schon. Also auch wenn ich mal schlecht geschlafen habe. Oder denke ich, ich könnte jetzt auch mal kurz mit dem Kopf auf die Tischplatte. Das gibt es definitiv auch. Ich will es jetzt auch gar nicht zu leicht abstempeln. Also ich habe keine Superkräfte oder super Magie, um das alles zu handeln. Ich mag mein Leben einfach. Und wenn ich es nicht mag, dann verändere ich es. Und natürlich wird es auch von außen mal verändert. Und man muss sich dann einfach ein bisschen neu orientieren und neu wieder aufstellen. Und das sind schon auch Phasen dabei, die schwächer sind. Aber ich glaube letztendlich, ich sitze abends eigentlich da und weiß, ich hatte einen total erfüllten Tag, weil mir geht es gut, meinem Kopf geht es gut. Also jetzt mal abgesehen natürlich von Gesundheitseremie. Das ist ja immer selbstverständlich. Aber wenn ich sage, okay, ich habe ein total erfülltes Herz, dann geht es mir schon gut, weil ich eben wahnsinnig viele Dinge über meine Werte definiere, die ich mache und dadurch dann irgendwie auch Kräfte freisetze für verschiedene Projekte und Themen und vielleicht auch manchmal für so eine Extra Meile irgendwie, dass ich sage, ich nehme da jetzt auch noch ein Mentorship an und mache das noch an der Stelle. Aber irgendwie bekomme ich auch wahnsinnig tolles Feedback von den Menschen. Das ist natürlich eine Sache, klar, man freut sich darüber, jeder freut sich darüber, aber es gibt mir auch immer so ein bisschen den Kompass oder diese Ausrichtung, okay, ich bin auch noch auf dem richtigen Weg. Oder auch wenn mal jemand sagt, er hat gar nicht das Gefühl, dass ich auf dem richtigen Weg bin, dann habe ich wenigstens schon mal die richtigen Themen, über die ich mich mal wieder reflektieren kann. Also so ganz allein funktioniert es sowieso nicht, aber vom Kalender her ist es einfach wahnsinnig voll. Es ist aber doch stimmig, weil sonst würde ich ja auch irgendwie mir was überlegen müssen, dass ich was ändern sollte. So wie man das eigentlich in jeder Lebensphase macht. Wenn man das Gefühl hat, man ist irgendwo falsch abgebogen in einem Tunnel, wo man eigentlich nicht nach vorne laufen möchte, aber hinten ist auch kein Licht mehr. Ich glaube, das ist bei allen Themen, die das Leben so mit sich bringt. Und auch da ist es so ein Punkt. Ich habe das auch früher ganz oft verwendet, diesen Begriff Work-Life-Balance. Ich kann ihn schon selber nicht mehr hören. Muss man auch sagen, ja, das sind ja auch so Trends und Themen. Und an- und für sich das Thema ist gar nicht das, was mich nervt, sondern dieses Work und Life. Weil wenn ich mich anschaue, ich glaube, ich bin das Paradebeispiel dafür, dass Work und Life immer ineinander einhergeht. Und da sind halt diese ganzen Rollen, ja. Mama, Mensch, Tochter, Frau, Freundin, also wie auch immer. Und bei mir ist es doch ein Gefüge. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es bei manchen anders ist. Die, die halt von Grund auf getaktere Arbeitszeiten haben, die würde ich aber gar nicht hinbekommen, ehrlich gesagt. Also ich bin trotzdem morgens um acht im Büro. Also ich trudel auch nicht erst irgendwie um elf ein und war noch kurz irgendwo schwimmen oder beim Laufen oder wie auch immer. Könnte ich aber machen. Aber das ist die Zeit, die mir hinten wieder fehlt für andere Dinge.
Was man aus Christinas Ansatz für den eigenen Alltag mitnehmen kann
Nico HildmannGenau. Also ich nehme hier echt super viel mit von Struktur, aber auch Offenheit natürlich, dass man sich einfach auch selber irgendwie persönlich erweitert. Wenn es reinpasst, super, das muss zum Wertekompass passen. Das habe ich für mich jetzt gerade auch nochmal. Für mich absolut mein zugrunde liegender Wert ist, ich liebe es für andere selbst einen Mehrwert zu sein oder zu bieten. Und wenn ich selber merke, die Aufgabe, die schafft es vielleicht gerade gar nicht, dann mache ich die vielleicht auch gar nicht. Oder diese Rolle, die ich da einnehmen kann. Aber das ist so mein Wert, was immer so zugrunde liegt. Und auch so ein Ding, es muss man finden. Es ist trainierbar. Es wächst mit den Erfahrungen. Also ganz, ganz, ganz tolle Insights, auch mal zu sehen, wie du dich einfach managst, wie wichtig ein Zusammenspiel von vielen Akteuren ist. Aber dann trotzdem eben diesen Mut zur Vielseitigkeit zu haben, dass es nicht überfordert oder belasten, sondern einfach wirklich zu einem großen, stimmigen Ganzen wird. Also richtig cool. Vielen, vielen Dank, Christina, dass du da warst. Ich hoffe, es hat dir Spaß gemacht.
Christina BräutigamAbsolut. Ich habe mich schon vorher sehr drauf gefreut, wirklich. Nochmal ganz, ganz lieben Dank für die Einladung. Und auch danke an dich. Also du machst hier so viel für unsere Region. Das dürfen wir jetzt auch mal hier als kleinen Werbespot mit reinbringen, dass du uns auch alle immer so mitnimmst. Das ist nämlich auch eine Sache, ja. Also du schaust auch wirklich, dass wir ein ganz, ganz toller Kosmos hier sind in unserer Main-fränkischen Region. Von daher vielen, vielen Dank.
Nico HildmannDas ist sehr, sehr lieb von dir. Also freut mich auch, macht mir auch wahnsinnig viel Spaß. An der Stelle wie immer natürlich auch lieben Dank an unseren Staffelpartner, die VR-Bank Main-Rhön, die auch so eine Staffel wie diese auch ermöglicht und wirklich auch unterstützt. Freuen wir uns sehr. Und du, Christina, letztes Wort, gerne an dich. Wenn du noch irgendwas loswerden willst, ein Tipp, ein Wunsch für die Region, ein Event-Hinweis, was auch immer, darfst du gerne jetzt noch das letzte Wort haben.
Christina BräutigamVielleicht ist es auch jetzt die Steilvorlage für morgen.
Nico HildmannKannst du gerne machen. Tatsächlich, wenn wir jetzt darüber nachdenken, ist das ja dann schon vergangen tatsächlich, wenn die Podcast-Folge rausgeht. Aber klar, Flight ist jetzt losgegangen. Darauf wolltest du wahrscheinlich ja schon mal hinaus.
Christina BräutigamAber ich glaube, wenn die Folge ausgestrahlt wird, dann sind wir mittendrin. Von daher freuen wir uns auch wieder als Company-Builders, das mit begleiten zu dürfen. Also auch Investorensprechstunde oder Sponsor oder wie auch immer. Aber das ist natürlich auch was, das hat ja auch was mit Unternehmertum zu tun, passt ja genau super hier auch in das Thema. Und vor allen Dingen, wenn man da auch mal die Menschen betrachtet, es sind ja Leute, die komplett was Neues machen und neugründen, also so dieser richtige sichtbare Mut, aber es sind ja auch wahnsinnig spannende Leute mit dabei, die wiedergründen oder die das, was sie haben, umbauen. Und ich persönlich muss immer sagen, das ist für mich auch nochmal eine ganz, ganz tolle Disziplin, die viele vergessen, weil das ist der Reifemut. Und deswegen, ich freue mich jetzt schon wahnsinnig auf alle, die da mitmachen, dass ich dabei sein kann. Ich freue mich auch schon auf das Finale, auch wenn es noch ein bisschen hin ist. Aber genau da sieht man ja wieder, dass es was bringt, wenn man sich im Netzwerk zusammentut, dass man Erfahrungen teilt, dass man eben auch ehrlich ist und auch mal von Lernkurven berichtet oder eben auch mal Tipps weitergibt, was man alles schon ausprobiert hat. Natürlich muss jeder für sich die Erfahrung machen, aber es ist doch immer ganz gut, wenn man eigentlich schon mal ganz, ganz viel von anderen hört und dann für sich doch auch schon mal so im inneren Gefühl genau weiß, okay, das sind Dinge, da könnte ich mir vorstellen, das könnte ich auch gut in mein Leben integrieren. Das probiere ich jetzt einfach mal aus. Begbegleiter.
Nico HildmannGanz genau so ist es und schön, dich da auch wirklich dabei zu haben. Es sind viele tolle Menschen dabei, coole Ideen, da können wir uns auf was freuen. Vielen, vielen Dank fürs Mitfliegen, Christina. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg weiterhin. Wir sehen uns ja regelmäßig. Das freut mich, dass es so weitergeht. Und schön, dass du da warst.
Christina BräutigamDankeschön.