Startbahn27 Podcast – Innovation aus Mainfranken
Wir sprechen mit Innovationsbegeisterten und Visionären aus Schweinfurt und Mainfranken. Persönliche Geschichten über Erfolge, Rückschläge und neue Chancen – echte Einblicke in die Welt der Startups und Innovationen.
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Folge #102 | S4 Mut zum Gründen – Neustart mit Gründerzuschuss: Möglichkeiten und Grenzen
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Richard Paul gibt spannende Einblicke hinter die Kulissen der Agentur für Arbeit und erklärt, wie der Gründerzuschuss wirklich funktioniert. Er ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt und kennt die Organisation seit Jahrzehnten von innen – also ein echter Insider.
Um was es in der Folge geht:
- wie der Gründerzuschuss grundsätzlich funktioniert und wofür er gedacht ist
- welche Voraussetzungen wirklich zählen, damit man grundsätzlich förderfähig ist
- welche typischen Stolperfallen am häufigsten zur Ablehnung führen
- wie Entscheidungen in der Praxis zustande kommen – und welche Mythen sich hartnäckig halten
Du interessierst dich für Startups, Unternehmertum und Innovation? Im Startbahn27 Podcast interviewt Nico Hildmann inspirierende Gründer, Unternehmer und Visionäre aus Mainfranken – mit Fokus auf Schweinfurt und der Region.
Ob Startup-Erfolg, persönliche Rückschläge oder frische Ideen – wir erzählen echte Geschichten aus der Gründerszene und liefern dir wertvolle Learnings und Insights für deinen eigenen Weg.
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Liebe Startups, herzlich willkommen. Wir freuen uns, dass ihr bei uns eingecheckt habt. Unser Team bereitet euch nun auf den perfekten Start vor.
Nico Hildmann:Hallo und herzlich willkommen an Bord des Startbahn 27 Podcasts. Diese Staffel wird präsentiert von der VR-Bank Main-Rhön, Partner für Gründer, Unternehmer und Zukunftsgestalter in unserer Region. Mein Name ist Nico Hildmann und heute bei mir zu Gast auf der Startbahn ist Richard Paul. Richard ist jetzt seit gut einem Jahr der Vorsitzende Geschäftsführer der Agentur für Arbeit hier in Schweinfurt, kennt die Organisation aber schon seit vielen, vielen Jahren von innen. Ja, ein echter Insider sozusagen. Ich freue mich auf jeden Fall wahnsinnig, dass er heute hier ist, um mal mit ihm über ein Thema zu sprechen, was für uns im Gründerzentrum uns jetzt mehr und mehr begegnet einfach. Das ist der Gründerzuschuss. Das ist ein finanzielles Hilfsmittel für Menschen, die aus der Arbeitslosigkeit gründen möchten. Und da möchte ich mal mit dem Richard gemeinsam drauf schauen, wie der denn eigentlich so gedacht ist, wie Entscheidungen getroffen werden. Ich habe auch ein paar Aussagen und Wahrnehmungen aus Beratungsgesprächen dabei, um mir da gerne einfach mal in Richard seine Meinung zu hören. Und insgesamt können wir auch nochmal drauf schauen, Arbeitslosigkeit, Gründerzuschuss hier in unserer Region. Also ihr merkt schon viele Themen. Ich freue mich auf jeden Fall sehr drauf und sage, herzlich willkommen, Richard, schön, dass du da bist.
Richard Paul:Ja, Nico, herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich auch.
Nico Hildmann:Ja, also cool, dich hier zu haben. Und ich habe es ja schon im Vorfeld gesagt, es ist für mich super interessant, einfach mal diese Thematik Gründerzuschuss nicht nur aus Gründerperspektive zu sehen, sondern mal wirklich von der offiziellen Seite aus. Das finde ich, glaube ich, mal ganz spannend, auch deine Meinungen dazu zu hören. Super, bevor wir da aber tiefer einsteigen, möchte ich natürlich auch erst nochmal auf dich als Person schauen. Und ich habe es ja vorhin schon gesagt, du bist seit vielen Jahren schon in der Agentur für Arbeit tätig. Magst du uns aber mal erzählen, wie du dazu gekommen bist und wie auch dein erstes Jahr so in der neuen Rolle hier in Schweinfurt zu verlaufen ist?
Richard Paul:Ja, also ich bin in der Summe jetzt im 47. Arbeitsjahr. Insofern wirklich schon eine ordentliche Zeit lang. Und ich habe auch mal als A zu B angefangen letztendlich und dann über einen zweiten Bildungsweg nochmal studiert, war in sehr vielen Regionen tätig, komme ursprünglich aus dem Saarland, war aber auch im Aufbau Ost in Sachsen tätig, als die Mauern fielen letztendlich. Ich war in Bayern in verschiedenen Regionen tätig, sehr lange in Würzburg und freue mich jetzt, nachdem ich vorher achteinhalb Jahre in Donau wird, in gleicher Funktion wie hier war, jetzt wieder heimatnah unterwegs zu sein und abends im eigenen Bett zu legen. Das ist natürlich auch Goldwert.
Nico Hildmann:Ja, richtig, richtig, ja Wahnsinn. Also es ist ja wirklich schon eine Zeit. Wie war aber jetzt so dein Start? Wie ist das erste Jahr so verlaufen?
Richard Paul:Ja, es war sehr interessant, mit sehr vielen interessanten Begegnungen, intern wie extern. Es ist natürlich eine sehr bewegte Zeit jetzt im Moment am Arbeitsmarkt auf in Schweinfurt. Und es war natürlich aber auch sehr arbeitsreich und zeitintensiv, muss ich sagen. Obwohl man die Organisation und auch genau die gleiche Tätigkeit schon sehr, sehr lange kennt, ist es an einem anderen Ort, mit einem anderen Team, mit anderen Partnern trotzdem irgendwie immer noch mal ein bisschen anders. Absolut.
Nico Hildmann:Da muss man erstmal reinkommen. Es ist einfach trotzdem alles neu. Und ich glaube auch die Aufgaben, die so dazukommen, Themen, die jetzt einfach so einfach auf den Tisch kommen. Also ich glaube, es wird absolut nicht langweilig in der Rolle.
Richard Paul:Nein, das schätze ich sehr, dass es diese Vielseitigkeit hat. Ich hatte sicherlich den Vorteil, dass ich 2007 bis 2012 hier in Schweinfurt schon mal Mitglied der Geschäftsführung war und aus der Zeit noch einige Partner im externen Bereich einfach nach wie vor noch vorhanden waren. Also wenn ich an die Landrede, wenn ich an IHK-Vertreter denke, zum Beispiel oder HWK-Vertreter, da sind zum Teil zumindest immer noch die gleichen Ansprechpartner unterwegs gewesen und in der Mitarbeiterschaft auch noch so an der einen oder anderen Stelle. Aber es war interessant, jetzt einfach nochmal sowohl die Person wiederzutreffen, als auch die neuen Kollegen kennenzulernen und neue Netzwerke zu kriegen.
Nico Hildmann:Ja, also gar kein so krasser Kaltstart, wenn man so will, aber ja, einfach was Neues, eine neue Situation. Und wie gesagt, ich glaube, mit einfach mit vielen neuen Aufgaben auch verbunden. Da habe ich mich auch dann gefragt, in deiner Rolle, wie nah bist du denn an sich an dem Thema Gründerzuschuss dran? Hat es in deinem Alltag eine Bewandtnis oder ist es einfach ein Thema von ganz vielen?
Richard Paul:Ja, es ist für mich absolut ein Thema von ganz vielen und ich würde sagen, grundsätzlich bin ich von meiner Funktion her auch relativ weit weg. Okay. Ich hatte allerdings im Bekannten- und Verwandtschaftskreis in der jüngeren Vergangenheit durchaus Fälle, wo das Thema Gründung eine Rolle gespielt hat. Und insofern, auch wenn man da die groben Züge kennt, schaut man es sich dann nochmal genauer an. Insofern, auch in Vorbereitung jetzt vom heutigen Podcast, muss ich sagen, ich glaube, ich bin ganz gut im Thema.
Nico Hildmann:Ja, sehr schön, sehr schön. Weil genau das, was du gerade schon angesprochen hast, hätte ich nämlich, oder interessiert mich auch, wie stehst denn du persönlich selbst zu diesem Thema Selbstständigkeit aus Arbeitslosigkeit? Hast du da ja im Bekanntenkreis Beispiele, wo du sagst, ja, ich weiß, wie der Prozess von der anderen Seite aus ist?
Richard Paul:Absolut. Wie gesagt, ich habe den teilweise begleitet an. Und insofern muss ich vorneweg schon mal sagen, ich finde es wirklich hervorragend und bewundere jeden und jede, die den Mut hat und den Mum letztendlich zu sagen, ich packe das an. Ich mache es in Zukunft selbst und ständig. Weil das ist ja so die klassische Abkürzung der Trennung der Selbstständigkeit. Und ich erlebe es am eigenen Bereich, quasi in unmittelbarer Nähe im Familienkreis und im Bekanntenkreis, wie zeitintensiv dann letztendlich auch selbst und ständig und wie eigenverantwortlich das letztendlich bedeutet, für sich und für andere Mitarbeiter teilweise dann einfach aktiv zu sein und insofern nochmal eine andere Anforderung, wie sie es in der typischen Arbeitnehmerrolle darstellt.
Nico Hildmann:Ja, ich bin völlig bei dir. Ich finde es insgesamt natürlich ganz klar im Allgemeinen Mut, das überhaupt anzugehen, vielleicht nochmal i-Tüpfelchen mehr, wenn man es sagt, aus der Arbeitslosigkeit, je nachdem, warum man da gelandet ist, sage ich jetzt mal in der Situation, ist es ja doch nochmal, ich weiß nicht, vielleicht muss man nochmal einen Schritt mehr gehen, vielleicht emotional, wo man sagt, okay, ich bin jetzt gerade gar nicht mehr in einem, hab einen Sicherheitsanker, aber vielleicht ist das genau auch gerade Antrieb zu sagen, ich probiere es jetzt. Wir kriegen das in der Beratungspraxis schon so mit, kommen wir gleich natürlich auch nochmal im Detail drauf. Aber ja, schön, dass du auch so, ich sag mal, diesen persönlichen Bezug hast und es nachempfinden kannst. Ich habe mich mal ganz grundsätzlich gefragt, auch in Vorbereitung darauf, ne? Das primäre Ziel oder Auftrag der Agentur für Arbeit ist es doch, die Leute wieder in eine Beschäftigung zu bringen, oder?
Richard Paul:Genau. Also die Selbstständigkeit ist eigentlich der Ausnahmefall, sage ich jetzt mal. Und der klassische Fall ist letztendlich am Arbeitsmarkt Angebot, Nachfrage in Ausgleich zu bringen, möglichst natürlich dafür einen reibungslosen Übergang zu sorgen, aber letztendlich in ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln oder dabei zu unterstützen, etc. Heutzuta natürlich auch die Plattform dazu bieten, auch digital letztendlich, dass einfach teilweise der Ausgleichsprozess auch von alleine laufen kann. Aber die Selbstständigkeit ist jetzt nicht der Grundauftrag der Bundesagentur, auch nicht die Wirtschaftsförderung, sondern das machen andere wie IHK, HWK oder Landkreise etc. Sondern unser typischer Ansatz geht darin, ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Insofern ist die Selbstständigkeit ein Ausnahmetagbestand und er ist, weil einfach Beitragsgelder verwendet werden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen ja jeweils die Hälfte des Arbeitslosenbeitrages. Letztendlich, dass wenn dieser Versicherungsfall eintritt, es dann, sage ich jetzt mal, Arbeitslosengeld bezogen und Beratungsleistungen und Unterstützungsleistung laufen kann. Und da gibt es halt auch eine Norm, die regelt das Thema und wir fördern auch im Ausnahmefall die Selbstständigkeit.
Nico Hildmann:Okay, also aber besteht da ein Zielkonflikt?
Richard Paul:Zum Teil ist es so, dass bis vor einigen Jahren, bis es das Bürgergeld eingeführt wurde, also mit der Änderung des Bürgergeldgesetzes wurde zugleich unser Hausgesetz, das Sozialgesetzbuch 3, auch geändert und der sogenannte Vermittlungsvorrang ist entfallen.
Nico Hildmann:Genau, das war ja ein ganz großes Ding immer.
Richard Paul:Das ist aber jetzt mal für alle, die einen Gründungszuschuss wollen, ist das schon mal eine große Hürde, sage ich jetzt mal in Anführungszeichen. Weil unserem Kernauftrag, wie du schon angesprochen hast, nämlich in normale Arbeitsverhältnisse zu vermitteln, steht insofern das so ein bisschen ja entgegen mit dem Thema Selbstständigkeit. Und der Vermittlungsvorrang hat halt geregelt, wenn Arbeitsplätze am allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, dass dann letztendlich die Förderung der Gründung ausgeschlossen ist. Das heißt, nehmen wir mal klassisches Fall, wir haben ja viele Bereiche im Bereich Bildung, Erziehung, Pflege, Gesundheit, wo ein Riesenpersonalbedarf besteht, wo aber auch viel Gründertum stattfindet. Und das waren Dinge, die dann sehr schwierig irgendwie darzulegen waren, warum da ein Vermittlungsvorrang greift. Seit drei Jahren etwa haben wir die Situation, dass es diesen Vermittlungsvorrang nicht mehr gibt. Deshalb ist es im Moment, sag ich jetzt mal, etwas leichter, vielleicht der Wasser in den Wein. Die aktuelle Überlegung des Bürgergeldgesetzes nochmal zu verändern, bringt auch nochmal das Thema, wir wollen nochmal einen Vermittlungsvorrang einführen auf den Tisch. Das heißt, für die Zukunft wird es wahrscheinlich da nochmal an der Stelle mit Gründungsförderung ein Stück weit schwieriger werden.
Nico Hildmann:Ja, also das ist ja wahnsinnig interessant, was ihr dann einfach auch in Anführungszeichen abfedern müsst. Ich meine, wenn du einen persönlichen Bezug dazu hast und sagst, ey, toll, dass jetzt eigentlich dieser Vermittlungsvorrang weg ist. Jetzt kann ich es euch vielleicht ermöglichen, euren Traum. Irgendwo. Jetzt ist aber dann vielleicht wieder eine Restriktion in Zukunft, wenn man sagt, ey, es tut mir echt leid. Da ist man auch in so einem Zwiespalt wahrscheinlich gefühlsmäßig, oder?
Richard Paul:Ja, absolut. Also ich denke, wie gesagt, unsere fördern im Jahr ungefähr, sag ich jetzt mal, 100 Gründungen mit Abkürzungsdurchschuss. Das ist in Schweinfurt so, das ist in Würzburg, eine Nachbarregion, die vergleichbar groß ist, ähnlich. Wir planen dann eine bestimmte Summe ein, aber das scheidet nicht irgendwie an einem Geldansatz, sage ich jetzt mal, weil wir da mit den Geldern flexibel in der Arbeitsmarktförderung disponieren und auch unterjährlich nochmal umplanen können. Aber es braucht natürlich die gesetzlichen Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Und wenn eine gesetzliche Voraussetzung ist, dass nicht vorrangig Arbeitstätigkeiten auch am normalen Arbeitnehmermarkt letztendlich gesucht werden, dann sind wir da natürlich, dann wären wir raus. Und so gibt es jetzt aktuell auch, wie immer in jedem Gesetz, irgendwelche Förderbedingungen letztendlich, wann eine Förderung möglich ist und wann sie nicht möglich ist. Und es gibt noch ein Stück weit auch sicherlich auch einen gewissen Ermessungsspiel auch.
Nico Hildmann:Also da gehen wir doch dann einfach jetzt mal direkt rein. Weil vielleicht sind ja ein paar Zuhörer und Zuhörerinnen dabei, die davon noch nie was gehört haben. Wie gesagt, manchmal hier in den Beratungsgesprächen, die wissen, ach, was ist das überhaupt? Also magst du uns einfach mal so erzählen, was ist so der Grundgedanke hinter dem Gründerzuschuss und für wen ist es geeignet und für wen vielleicht auch nett?
Richard Paul:Ja, also der Grundgedanke ist eigentlich so eine Art Starthilfe zu geben. Also ich denke, jeder, der gegründet hat oder der sich mit dem Thema beschäftigt, weiß, wenn man sich selbstständig macht, verließt nicht sofort die Einnahmequelle. Sondern es ist eine Anlaufzeit, die es braucht. Insofern könnte man sagen, es ist eine Subvention, eine Starthilfe, die einfach die erste Zeit der Selbstständigkeit unterstützen soll. Da wird letztendlich ganz konkret, wenn die Voraussetzung erfüllt sind, dann letztendlich ein Zuschuss gezahlt im Form des Gründungszuschuss, der der Höhe des Arbeitslosengeldes entsprechen würde. Und das für eine Dauer von einem halben Jahr. Und nach diesem halben Jahr kennen wir die sogenannte Fördervoraussetzung 2. Das heißt, wenn dann einigermaßen Tragfähigkeit ersichtlich ist, kann nochmal die zweite Phase beantragt werden, dann wird nochmal zusätzlich zu dem Gründungszuschuss auch nochmal weitere neun Monate nochmal letztendlich ein Zuschuss zur Krankenversicherung gezahlt. Den gibt es am Anfang vom Prinzip her auch, aber die zweite Förderphase wäre dann nur dieser Krankenversicherungszuschuss. 300 Euro. Immerhin so unter dem Motto, wenn jemand arbeitslos wäre, müssten wir ja auch in die Krankenkasse für den was einzahlen, dann können wir es ihm auch geben, dann hat alles ein bisschen leichter. Also das ist der Grundgedanke, der sich dahinter verbirgt.
Nico Hildmann:Und jeder, der, sag ich mal, aus der Arbeitslosigkeit ein Gründungsvorhaben plant, dürfte der den Prozess in Angriff nehmen oder sind zum Beispiel ach einfach altersbedingt Ü60, kannst du gleich schon sagen, Leute, da seid ihr leider raus, weil schon zu fortgeschritten im Alter oder irgendwelche Branchen, die absolut ausgeschlossen sind, die da förderfähig wären.
Richard Paul:Nee, also im Moment, wie gesagt, gibt es keinen Vermittlungsvorrang. Das heißt, wir haben die klassischen Voraussetzungen, es muss Arbeitslosigkeit vorliegen, es muss mindestens noch 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld vorliegen. Es darf jemand die Altersgrenze nicht überschritten haben, aber die Altersgrenze wäre die Rentenaltersgrenze, nicht das 60.
Intro:Lebensjahr.
Richard Paul:Und wir brauchen natürlich irgendwo eine gute Geschäftsidee, wo nachgewiesen ist, dass da, ich sage jetzt mal, eine längerfristige Tragfähigkeit da ist, dass ein Konzept da ist und es muss jemand auch die Eignung mitbringen. Und die muss er auch nachweisen. Und ich sage jetzt mal, indem er eine qualifizierte Ausbildung als Minimum hat, im Gegenteil ein Meister oder sich auch nochmal mit wirtschaftlichen Themen letztendlich auseinandergesetzt hat. Weil ich sage jetzt mal, es reicht ja nicht nur ein guter Handwerker vielleicht zu sein, sondern er muss ja auch irgendwie gucken, dass er Geld reinkommt, letztendlich das Business betreibt, seine Buchführung anständig macht und letztendlich dann auch längerfristig liquide bleibt.
Nico Hildmann:Also die Punkte, die du gerade so aufgezählt hast, das sind einfach mal die Rahmenbedingungen, wo man sagt, das muss vorliegen, damit es grundsätzlich auf jeden Fall förderfähig ist. Richtig? Genau.
Richard Paul:Und da haben wir jetzt auch die Situation, dass es natürlich da auch Bedingungen gibt, die, ich sage jetzt mal einfach in der Stufe 2 bei näherer Betrachtung nochmal eine Rolle spielen. Wenn jemand beispielsweise das Arbeitsverhältnis löst, um sich selbstständig zu machen, also ich sage jetzt mal bewusst die Arbeitslosigkeit herbeiführt, in einer kurzen Phase, um anschließend im zweiten Step dann zu sagen, ich habe ja von vornherein einen Plan, ich will mich selbstständig machen. Dann wird es halt insofern schwierig, als dass der Versicherungsfall, die Arbeitslosigkeit, ja irgendwie bewusst herbeigeführt wurde. Und dann tritt eine sogenannte Sparzeit an. Das heißt, das wird über mehrere Wochen kein Arbeitslosengeld bezahlt und in dem Moment liegt auch kein aktiver Arbeitslosengeldbezug vor, was aber eine Voraussetzung ist für die Gründung. Also insofern, wenn wir es frühzeitig wissen, dann wäre halt immer die Frage, ist es nur eine alternative Überlegung, neben der Jobsuche sich vielleicht auch selbstständig zu machen? Und mit dem Gedanken hat man sich auch schon mal auseinandergesetzt. Dann würde ich sagen, da ist ein gewisser Spielraum vorhanden, während hingegen, wenn von vornherein ausschließlich die Selbstständigkeit das Thema ist und deshalb das Arbeitsverhältnis gelöst wird, dann ist jemand bei uns im Regelfall in der Förderung raus. Ähnlich wäre es auch, wenn sogenannte Eigenleistungsfähigkeit vorhanden ist. Also letztendlich, wir verwenden ja öffentliche Mittel, die Beitragsmittel. Das heißt, es muss irgendwo nach der Bundeshaushaltsordnung Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit irgendwo die Dinge notwendig sein und wirtschaftlich und sparsam unsere Beitragsgelder verwandt werden. Und wenn jetzt jemand, nehmen wir mal ein Beispiel, wird freigesetzt von einer Großindustrie und erhält 200.000 Euro Abfindung und sagt, jetzt will ich mich selbstständig machen, wie sieht es im Gründungszuschuss aus, dann würde man wahrscheinlich sagen, du hast doch eigentlich Eigenmittel in entsprechendem Umfang vorhanden. Da besteht jetzt nicht die Notwendigkeit, dass die versicherten Gemeinschaft den Gründungszuschuss zahlt.
Nico Hildmann:Also das wäre, ich habe ja mal ein paar Aussagen mitgebracht. Und eine davon tatsächlich würde genau in die Richtung gehen, dass, wenn ich Leute, genau das Beispiel, Großindustrie ist ja leider nun mal so, Stellmann abgebaut, waren jetzt schon einige hier, die dann sagen, ich könnte mir vorstellen durch mein Skillset, ich kann mich selbstständig machen, ob das jetzt Berater ist oder was auch immer. Und tatsächlich haben manche, die aber auch noch gar nichts vom Gründerzuschuss wussten, gesagt, da bin ich doch wahrscheinlich eh raus, weil ich finanziell so gut aufgestellt bin. Und habe ich mich tatsächlich gefragt, spielt es eine Rolle, wenn Person A finanziell gut aufgestellt ist und B nicht so, gebe ich es lieber B, wenn der Rahmen sonst insgesamt passt. Also das ist tatsächlich auch so ein Kriterium, wo ihr seht.
Richard Paul:Ja, es ist ein Kriterium und zwar ein hartes Kriterium, nämlich es ist eine Voraussetzung, sage ich jetzt mal, ich sage jetzt mal, im Rahmen des pflichtgemäßen Ermessens nach Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit und Notwendigkeit zu prüfen. Und das ist die Frage wirklich, und es ist eine Frage auch, die in diesem Beantragungsbogen drin ist, sind Eigenmittel entsprechend vorhanden. Und es ist ja auch die Finanzierung offen zu legen, es muss ja irgendwie nachvollziehbar sein, was hat denn da jemand vor, was hat der für einen Geschäftsplan etc. Da muss er ja eh eine Kostenkalkulation da irgendwie auch eine Finanzplanung vorlegen. Und dann wäre natürlich schon die Frage, wenn ich sage, okay, ich kann da alles aus Eigenmitteln bestreiten, warum soll man dann jetzt über einen Gründungszuschuss fördern?
Nico Hildmann:Also ich glaube, es hängt auch schon damit zusammen, was geplant ist, ob die finanziellen Ressourcen überhaupt reichen dafür. Also ich glaube, das muss man in der Feldmäßigkeit sehen. Und du hast schon oft das Wort jetzt auch schon genannt und tatsächlich mittlerweile verbinde ich dieses Wort auch mit dem Gründerzuschuss und das ist das Wort Ermessenssache, tatsächlich auch eine O-Tona-Aussage, die von seitens der Berater habe ich sie schon gehört, aber auch von die, die bei mir in der Beratung waren, haben gesagt, ich nehme es mal zur Hand, damit ich sie am Ende ist es eine Ermessenssache der Berater, ob es das gibt oder nicht. Das war mal eine O-Ton-Aussage. Da wäre so die Frage, wie subjektiv ist denn das?
Richard Paul:Ja, also ich sage mir mal, eine Entscheidung ist im Regelfall immer ein Stück weit subjektiv auch, aber es gibt natürlich ja auch ganz harte gesetzliche Kriterien. Es muss jemand arbeitslos sein, es muss jemand den aktiven Arbeitslosengeldanspruch von 150 Kalendertagen haben, darf die Altersgrenze sich überschrieben, die habe ich für ihn schon mal genannt. Dann ist halt auch die Frage: letztendlich ist er entsprechend geeignet? Hat er das nachgewiesen? Hat er einen Geschäftsplan, wo irgendwie ein schlüssiges Konzept vorgelegt wird? Das sind, sag ich jetzt mal, harte Kriterien, die da sind. Darf die Altersgrenze mit einer Renteneintritt nicht überschritten? Das sind alles harte Kriterien. Jetzt ist natürlich schon die Frage, inwiefalt kann jemand nachweisen, dass er geeignet ist? Im Regelfall läuft das ja über eine externe Stellungnahme. Tragfähigkeit. In der Tragfähigkeitsbescheinigung vom Steuerberater oder von Kammern, von euch, etc. Also da gibt es ja Papiere, die, ich sage jetzt mal, eine gewisse Objektivierung irgendwo bringen. Und trotzdem, sage ich jetzt mal, muss das Gesamtbild, das entsteht, letztendlich dann sagen, muss der Berater guten Gewissen sagen können, also okay, das passt alles und da habe ich jetzt keinen Zweifel, dass das irgendwie auch laufen wird.
Nico Hildmann:Aber genau, das meine ich. Das wäre jetzt nicht, guck mal, wenn man sagen würde, pass mal auf Tragfähigkeit, ist bescheinigt, du hast auch die Skills und so weiter. Der Berater findet die Idee aber blöd. Was, was, das ist ja keine Grundlage, oder? Der muss sich ja an so einen Rahmen halten und so sagen. Ja, natürlich. Hey, im Grunde passt alles auch, wenn ich die Idee blöd finde, ich muss es dir jetzt gewähren in dem Sinne.
Richard Paul:Ja, also ich sage jetzt mal, da wollen wir von der Grundausrichtung her eher auch als Möglichmacher letztendlich agieren, sage ich ganz ehrlich. Das kann ich sowohl für uns als auch für die Nachbaragenturen oder die ganze Bundesrepublik letztendlich sagen, es ist ein Instrument, was wir jedes Jahr so ungefähr 100 Mal anwenden. Also es ist nicht so, dass wir da alles versuchen abzubiegen irgendwie, weil es macht ja auch durchaus Sinn. Im Regelfall entstehen ja selbst nach kürzester Zeit oder zumindest mal nach wenigen Jahren der Geschäftstätigkeit dann ein gewisses Wachstum und weitere Arbeitsplätze. Und das wäre die Hoffnung, die damit verbunden ist. Und ich glaube, das ist der Gedanke, warum der Gesetzgeber das Instrument Gründungszuges überhaupt bei uns, sag ich jetzt mal so, verortet hat, mal weg vom Normalgeschäft. Und die Erfahrung zeigt ja, in schlechteren Zeiten wird tendenziell eher gegründet. Warum? Weil die Leute nach Alternativen und sagen, okay, wäre das auch eine Variante.
Nico Hildmann:Ne, finde ich super. Also genau das, was du gerade gesagt hast, glaube ich nämlich auch, dass es ist, dass man sagt, hey, da kurbeln wir hoffentlich Unternehmertum an, es werden Arbeitsplätze geschaffen, die dann wieder gefüllt werden, hoffentlich, mit so einem Anschub. Genau. Weil du es so gesagt hast, so ungefähr eine Zahl von 100. Wie muss ich mir das insgesamt vorstellen? Ist das ein Topf, der, ich sag mal, jährlich aufgefüllt wird oder sagst du, irgendwann ist er halt vorbei? Also der 101, da hat halt Pech, jetzt mal einfach mal so Salopp rausgesagt, weißt du, was ich meine?
Richard Paul:Ja, ist klar, ich weiß, was du meinst. Also wenn wir uns betrachten, hier so, ist ja zum Jahreswechsel auch Jahresende und dann gucken wir immer so, wie ist denn das Jahr gelaufen? Insofern habe ich so die Ausgaben, die an Geldmittel wir so bewegen, durchaus im Kopf. Also wir haben jetzt im letzten Jahr hier von Seiten der Arbeitsagentur Schweinfurt, es betrifft die Stadt, den Landkreis Schweinfurt, den Landkreis Hassfurt, den Landkreisbereich und den Landkreis Bad Kissing. Also die Großregion Schweinfurt, sag ich jetzt mal. Da haben wir in der Summe etwa 270 Millionen Euro ausgegeben. Und die größten Ausgabebrocken sind die sogenannten passiven Leistungen, das heißt die Sicherung des Lebensunterhaltes durch Lohnzahlungen, durch Lohnersatzleistungen. Letztendlich, das ist ganz klassisch, das Arbeitslosengeld, das ist das Bürgergeld, das dem Lebensunterhaltssicherung dient. Wir haben etwa 111 oder 117 Millionen an Arbeitslosengeld ausgezahlt im letzten Jahr. Wir haben etwa 50 Millionen an Bürgergeld ausgezahlt und wir haben auch einen relativ großen Brocken von etwa 27 Millionen für aktive Fördermaßnahmen zur Arbeitsmarktpolitikförderung. Und bei dieser aktiven Arbeitsmarktförderung sind verschiedene Qualifizierungsmaßnahmen, Aktivierungsmaßnahmen und auch der Gründungszuschuss drin. Und wir stellen immer im Sommer und Herbst des Vorjahres immer eine Haushaltsplanung auf für das Folgejahr. Das bewegt sich natürlich aus gewissen Erfahrungswerten heraus, manchmal auch noch eine bestimmte Akzentuierung. Wir haben zum Beispiel etwas mehr Gelder eingeplant für Weiterqualifizierung, weil wir jetzt einfach sehen, wir haben unheimlich viele Helfer, die gering qualifiziert sind. Der Markt braucht Fachkräfte. Also wir wollen stärker qualifizieren, haben da anderthalb, zwei Millionen mehr eingeplant, haben die auch bekommen und wir kriegen dann die Mittel quasi zugeteilt zu Beginn des Haushaltsjahres, nachdem der Haushalt der Bundesagentur insgesamt aufgestellt wurde, wird halt runtergebrochen auf die Arbeitsämter. Wir können aber innerhalb dieser 27 Millionen auch hin und her schichten. Also ich sage jetzt mal, wir können ja sogar, das kommt durchaus in der Praxis auch vor, wenn wir jetzt die Agentur in Bamber-Coburg oder in Würzburg spürt, Mensch, also wir bräuchten eigentlich noch eine halbe Million und Schweinfurt hat eine halbe Million über, bevor die bei uns sauer wird, sage ich jetzt mal. Redet man da miteinander auch über unsere Regionaldirektion, dann wird es dann umverteilt. Dann gibt der eine ein bisschen Geld zurück und der andere geriegt nochmal was. Also insofern scheidet es da nicht am Geld. Also wie gesagt, 100, 120 Gründungen in etwa ist so eine Erfahrungsdaumengröße, die wir über das Jahr haben. Und wenn es jetzt 140 wären, wird es auch nicht schaden.
Nico Hildmann:Okay, das wollte ich genau fragen, wenn es dann doch nochmal mal irgendwie, warum auch immer, exorbitant mehr wird. Also es ist einfach ein dämbarer Topf letzten Endes, sozusagen. Wo aber die Vorhaben, die werden immer individuell und einzeln betrachtet, oder? Die werden nicht ins Verhältnis gesetzt.
Richard Paul:Nein, jeder Fall wird spezifisch betrachtet. Ich sage jetzt mal, eine Voraussetzung ist sicherlich auch gerade bei einer Kannleistung, wie du schon im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel. Es hat aber jetzt seit, also ich erinnere mich an 2007, damals Finanzkrise, wo es mal gerade auch beim Gründungszuschuss enger war. Es aber rechtlich sehr fragwürdig ist, ob wegen fehlender Haushaltsmittel eine Förderung abgelehnt werden kann. Und ich weiß, dass man damals Fälle geschoben hat, in Anführungszeichen, seitdem, und das ist lange her, ist mir keine Situation, bewusst wir gesagt hätten, da stehen jetzt die Finanzmittel nicht zur Verfügung und deshalb kommen wir irgendwie in die Brito hier. Ansonsten kann man sagen, am Anfang des Haushaltsjahres stellt sich die Frage eh nicht. Zum Ende zu könnte man dann vielleicht immer nochmal sagen, ja, einen Antrag, der im November eingeht, dann geht ja Bescheid erst Mitte Dezember raus, ab, dann kann er aufs neue Haushaltsjahr gebucht werden. Also auch da wird man nach einer Lösung suchen und nicht aus Finanzmitteln letztendlich ablehnen.
Nico Hildmann:Super, also aber insgesamt, wenn man mal so die Zahl so, ich finde es auch klasse, dass du die dabei hast, so um die 100, so eine Dreistelligkeit. Das ist ja schon mal was, wo man sagt, ey, cool, dass es wahrscheinlich 100 Menschen bei ihrem Vorhaben schon geholfen haben. Das ist ja echt klasse, dann einfach zu sehen. Also da einfach der Appell auch an die, die zuhören, für die das was wäre, ne? Probier das. Also ich verstehe diesen Gedanken natürlich auch, wenn man sagt, ey, ich bin zwar eigentlich finanziell gut aufgestellt, es ist nun mal aber ein Fördermittel, ich probiere das jetzt einfach mal. Ist es ja erstmal völlig legitim. Klar muss man dann den Fall betrachten, wenn ein Berater zum Schluss kommt, du, du könntest es dir auch aus eigener Kraft leisten. Sorry. Ich glaube, tatsächlich hatte ich auch schon mal einen Fall, wo das der Fall war, der Grund der Ablehnung, und der angehende Gründer hat aber gesagt, ich finde es völlig verständlich. Andere braucht es mehr als ich. Aber ich habe es halt probiert.
Richard Paul:Ja, gut, ich meine, ich denke, gerade wenn man sich selbstständig macht, jeder Euro, sag ich jetzt mal, am Anfang tut auch weh an Ausgaben. Ich glaube, jeder, der sich selbstständig gemacht hat, weiß das. Und wie gesagt, man hat diese Verzögerungssituation, bis der Einnahmefluss letztendlich kommt. Insofern ist so eine Starthilfe natürlich super, ist keine Frage. Aber ich würde auch einen Unterschied drin sehen, nehmen wir den Fall mit 150.000 oder 200.000 Abfindungen, ob jemand jetzt eine Beratungsgesellschaft ausmacht, wo ich sage, da hat er relativ wenig Investitionsbedarf, oder ob einer eine Schreinerei aufmacht oder eine Kfz-Werkstatt und muss einen teuren Maschinenpark letztendlich in der Ausstattung haben, dann werden wahrscheinlich diese 100, 500.0200.000 ja bei weitem nicht langen. Und dann wird sich vielleicht auch die Frage stellen, trotz dieses Geld, das zur Verfügung steht, in dem Gesamtvorhaben durchaus ja ein Finanzierungsbedarf da ist, der nicht alleine gedeckt werden kann, wo so ein Gründungszuschuss durchaus auch berechtigt wird.
Nico Hildmann:Genau, genau. Also finde ich schon mal sehr, sehr spannend, das alles so zu hören. Ich habe noch, ich gucke gerade mal auf meinen Zettel, zwei O-Ton-Aussagen dabei, die ich dir nochmal einfach so nennen würde und vielleicht einfach nur deine Meinung oder was so dein erstes Gefühl dann ist, wenn du das hörst. Und zwar tatsächlich, ich glaube vier, fünf Mal tatsächlich jetzt gehört schon, die Aussage, in Schweinfurt ist es schwerer, den Gründerzuschuss zu bekommen, als in anderen Regionen, wie zum Beispiel Würzburg wurde mal genannt. Da habe ich mich dann natürlich gefragt, gibt es da wirklich regionale Unterschiede?
Richard Paul:Nein, gibt es nicht. Also ich denke mal, das kann die unterschiedlichsten Voraussetzungen haben, wie so eine Aussage entsteht. Zum einen weiß ich von den Würzburger Kollegen, die man das konkrete Beispiel, dass die in etwa die gleiche Größenordnung im Jahr fördern wie bei uns. Die werden genauso Förder zusagen als auch Absagen haben. Ich denke, es gibt bestimmte objektive Kriterien, die einfach erfüllt sein müssen. Und das wollen die Leute vielleicht manchmal nicht wahrhaben. Und ich weiß ja nicht, ob immer so die volle Vollständigkeit oder dass so wahrheitsgemäß auch wiedergegeben ist, wie genau der Sachverhalt war. Weil zwei Sachverhalte, die ziemlich ähnlich sind, sind manchmal nicht unbedingt gleich. Der eine ist vielleicht so, dass es sein Arbeitsverhältnis löst, um sich zu gründen von vornherein. Und ich sage jetzt mal, führt die Arbeitslosigkeit herbei und ist dann gar nicht in der Situation, überhaupt einen Gründungszuschuss zu kommen. Der andere war vielleicht zwei Monate arbeitslos, hatte vorher schon mal die Idee, naja, es wäre vielleicht auch was, aber jetzt beschäftige ich mich näher mit dem Thema und packe es wirklich an, ist die Situation schon wieder ein bisschen anders. Und ich glaube, ja, so diese Negativerlebnisse kennen wir ja alle, auch im Alltag. Die werden halt oft nochmal mehr weitererzählt als die positiven. Absolut. Und die Frage ist, ob das Negativthema, ob da alle Tatbestände, die da eine Rolle gespielt haben bei der Entscheidung, auch so offengelegt werden. Also hat man die alle ausgesprochen oder erzählt mir nur ein Teil der Story. Warum es gehen würde, aber warum es nicht gehen würde, wird vielleicht nicht erzählt.
Nico Hildmann:Deswegen finde ich auch cool, dass du jetzt einfach mal da bist. Wie gesagt, ich höre es ja immer nur aus Gründerperspektive und da ist ja schon eine kleine Emotionalität mit dabei. Ja, absolut. Aber da mache ich mir immer ganz wichtig, die andere Seite auch mal zu hören, zu sagen, ey, das sind die Rahmen oder das sind es vielleicht die Situationen, die da zugrunde gelegen hat. Deswegen wurde vielleicht irgendwie eine Entscheidung getroffen oder erscheint es schwerer. Ich habe persönlich so vielleicht gedacht, dein Zuständigkeitsbereich ist ja recht groß mit Kissing und so weiter. Keine Ahnung, ob das in Würzburg gefühlt kleiner ist oder sowas. Und man sagt, man konkurriert mit mehr. Ja, nein.
Richard Paul:Die Agenturbezirke sind relativ gleich groß, wir haben fast genauso viele Mitarbeiter. Das sind fünf oder zehn rauf und runter und der Kundenkreis ist auch relativ gleich. Also das dürfte absolut keine Rolle spielen. Und ich dachte mal, es wird auch da vom Haus her keine andere Geschäftspolitik betrieben. Ich habe es ja gesagt, wir sehen es als eine Möglichkeit, eine wesentliche Vorausweise halt die Arbeitslosigkeit zu beenden. Auch das könnte ein Thema sein. Das heißt, er will gründen und will so eine Teilselbstständigkeit betreiben, dann würde man auch sagen beim Gründungszuschuss, nee. Also nur, wenn die Arbeitslosigkeit beendet wird. Nur dann zahlen wir einen Gründungszuschuss als Beispiel.
Nico Hildmann:Das ist vielleicht auch nochmal ein guter Hinweis, es wird gefördert, dass man voll in die Selbstständigkeit. Voll in die Selbstständigkeit.
Richard Paul:Also es darf kein Parallelarbeitslosigkeit sein. Die Arbeitslosigkeit muss durch die Selbstständigkeit beendet werden.
Nico Hildmann:Okay, super Hinweis. Vielleicht auch da nochmal ganz kurz gefragt, weil du es auch so gesagt hast, dass schon der Grundgedanke oder das Vorhaben da ist, ich möchte mich eh selbstständig machen. Jetzt hatten wir es häufiger tatsächlich. Manche sind schon nebenbei selbstständig und haben dann gesagt, ja, jetzt steht leider eine Arbeitslosigkeit bevor. Jetzt würde ich es vielleicht fokussieren, aber es stand schon eine selbstständige Tätigkeit, bestand schon. Ist das okay für den Gründerzuschuss oder schwieriger?
Richard Paul:Ja, ich denke schwieriger. Man müsste sich die genaue Situation angucken. Im Regelfall wird es wahrscheinlich eher ein Ausschlusstratbestand darstellen, wie die Selbstständigkeit schon besteht im Vorfeld, auch wenn sie auf Grundstück besteht. Wenn es um das gleiche Thema geht.
Nico Hildmann:Ja, okay, verstehe. Okay, ja, gut. Auch gut zu wissen. Die Information. Ja, und jetzt habe ich noch eine Aussage tatsächlich, zwei-, dreimal gehört, wahrscheinlich einfach aus der Emotion oder so. Ich bin mal gespannt, was so dein erstes Gefühl danach ist. Und zwar die Aussage, ich habe das Gefühl, mein Berater mochte mich nicht, deshalb wurde ich abgelehnt. Wenn du das hörst, was ist so dein Gedanke dazu?
Richard Paul:Ja, also ich sage jetzt mal, ein Gefühl wird jemand haben, ja. Darf er auch haben, keine Frage. Ich glaube, das weiß ja jeder selber nur, was er empfindet. Ein anderer kann das ja gar nicht wahrnehmen. Ich denke, das müsste dann einfach besprochen werden, ja. Also ich denke, das ist ja völlig legitim, wenn ich den Eindruck habe, du würdest nicht anständig mit mir umgehen, dann würde ich ja vielleicht auch sagen, ey, pass mal auf. Bei mir, ich empfinde das gerade so und so. Also insofern wäre der Tipp, das anzusprechen, wenn das Gefühl da wäre. Wenn man den Eindruck hat, man würde da irgendwo nicht sachgerecht behandelt, wäre auch eine Möglichkeit, einfach mit dem Vorgesetzten, dem Teamleiter, das Gespräch zu suchen. Oder bei uns im Rahmen von einem Kundenreaktionsmanagement auch eine Beschwerde zu schreiben oder eine Eingabe zu schreiben. Oder wenn es jetzt schriftlich abgelehnt wird, auch einen Widerspruch einzulegen. Oder bis hin zur Klage. Also bestimmte Rechtsmittel sind da auch möglich. Aber ich würde natürlich empfehlen, erstmal nicht mit Kanuren auf Spatzen zu schießen, sondern erst mal ins Gespräch zu suchen. Warum, wieso, weshalb geht es nicht? Und ja, vielleicht findet sich ja dann doch irgendwie noch eine Lösung. Vielleicht sind es aber Tatbestände, die eine Rolle spielen, die ja vielleicht nicht so ganz beim Namen genannt wurden.
Nico Hildmann:Ich glaube, also was ich so ein bisschen gespiegelt bekomme, ist dann, wenn diese Situation ein, wie gesagt, war wenig, ne? Aber es kam, deswegen habe ich es einfach mal mitgenommen. Dass man, wenn man in Anführungszeichen sich beschwert oder das anspricht, dass man gleich sagt, ja, dann bin ich dann sofort unten durch, weil ich demjenigen ja vielleicht auf dem Schlips dreht.
Richard Paul:Also letztendlich geht es ja darum, wir wollen den Leuten ja weiterhelfen gerne. Egal ob jetzt in der Arbeit oder jetzt in dem Fall in der Selbstständigkeit. Und wie gesagt, unsere Vermittler differenzieren da, denke ich, auch nicht, weil es den Vermittlungsvorrang nicht mehr gibt, spielt es jetzt keine Rolle aktuell. Wie gesagt, in Zukunft wird es wahrscheinlich wieder anders sein. Dann wird es, glaube ich, nochmal umso schwieriger, vielleicht auch sinnvolle, gute Vorhaben, die jetzt ein Berater gerne fördern würde, wo immer aber selber die Hände dann gebunden sind, wenn es so einen Vermittlungsvorrang wiedergeben wird, dann sind so Berufe wie Physiotherapeut, Altenpflege oder irgendwie vielleicht dann auch raus. Das könnte passieren. Aber tendenziell glaube ich, dass jetzt die Kollegen eher darauf abgestellt sind zu sagen, wenn wir was möglich machen können, dann wollen wir es auch möglich machen.
Nico Hildmann:Da aber auch gefragt, wenn sich jetzt jemand in dieser Situation befindet und eben so fühlt. Du hast ja schon gesagt, er hat so realistische Möglichkeiten, er könnte über den Team leider gehen oder einfach nochmal nachfragen und so. Gäbe es auch die Möglichkeit eines Beraterwechsels beispielsweise?
Richard Paul:Ja, das machen im Einzelfall auch. Wir versuchen es zu vermeiden, weil es auch kein so ein bisschen Wunschkonzert sein soll. Aber wir haben auch schon Fälle gehabt, wo man einfach mal dann einen anderen Berater haben drauf gucken lassen oder einen Wechsel wirklich vorgenommen haben, auch im Beratungsgespräch. Ich glaube, dass es sehr selten vorkommt, also aus der Praxis heraus und insbesondere wenn es um Förderentscheidungen geht, dass es nicht wirklich der Hauptgrund ist, sondern es ist wahrscheinlich an anderer Stelle irgendwo haken.
Nico Hildmann:Bin ich bei dir absolut. Du hast auch schon gesagt, wenn es jetzt abgelehnt wird, wenn der Fall so ist, ist es dann ein komplettes, also ist dann, ist es dann vorbei oder habe ich dann nochmal die Chance, vielleicht nachzubessern oder bin ich als Person raus oder könnte mit einem anderen Vorhaben das nochmal angehen?
Richard Paul:Nee, also ich sage jetzt mal, letztendlich ist es ja ein Verwaltungsakt, der gesetzt wird, so ein Förderbescheid, ja, oder halt auch ein Ablehnungsbescheid, wenn es jetzt wirklich zum Bescheid schon kommt, dann ist wie immer letztendlich mit einem einmonatigen Widerspruchsfrist die Chance, da einfach nochmal den Sachverhalt kurz darzulegen, zu sagen, ich bin mir eine Entscheidung nicht einverstanden, das zu entsprechend zu begründen. Dann wird unsere Rechtsabteilung die Fälle nochmal aufrollen, nochmal gucken, vielleicht geht da doch was, wurde da ein Fehler gemacht, wurden nochmal vielleicht auch Unterlagen nachgereicht, die da nicht vorlagen, etc. Also das wäre dann nochmal genauso möglich. Ansonsten muss ich sagen, wenn jemand, selbst wenn er abgelehnt wird bei uns, wenn jemand so überzeugt ist, dass es eine gute Geschäftsidee ist, dann wäre halt die Frage, schafft das auch alleine? Ja, genau. Also, wie gesagt, das soll nicht der Anspruch sein, dass wir sagen, es soll doch jeder erstmal alleine probieren, sondern dort, wo wir fördern können, wollen wir auch gerne fördern, aber letztendlich ist es immer auch eine persönliche Entscheidung, ob jetzt jemand sich selbstständig macht oder nicht.
Nico Hildmann:Ich finde auch, wenn es dann abgelehnt wird, ist ja aber gut, ach mal deine Antwort darauf jetzt gehört zu haben, aber da ist ja ein bisschen Zeit reingeflossen insgesamt in den Prozess. Das heißt, es ist dann schon eine klare Entscheidung getroffen, wo man dann auch absehen kann in dem Prozess, wird es was oder nicht. Der Berater wird es ja einem sagen. Aber das kann man ja probieren. Aber du bist schon darauf eingegangen, auf einen Punkt, der mir wahnsinnig wichtig ist, an der Stelle auch mal zu nennen. Und zwar, wenn es abgelehnt wird, habe ich schon häufig den Trugschluss gehört von Leuten, dass die sich dann fühlen, dass sie nicht zum Gründersein geeignet sind. Und das ist ja per se erstmal falsch. Aber mir ist echt aufgefallen, dass einige ihr komplettes Vorhaben der Selbstständigkeit nur daran knöpfen, ob sie diesen Gründerzuschuss bekommen oder nicht. Also erstens hat der Gründerzuschuss eine brutale Macht irgendwo, Einflussnahme. Gleichzeitig bin ich aber in der Gefühlslage als Berater auch so, ja, also wenn das das Zünglein an der Waage ist, ob du deinen hoffentlich Traum der Selbstständigkeit angehst, sollst du vielleicht nochmal überlegen, ob das wirklich das Richtige ist. Nichtsdestotrotz, mir ist es ganz wichtig zu sagen, es heißt nicht, wenn es abgelehnt wird, dass man nicht zum Gründersein geeignet ist.
Richard Paul:Absolut. Also wenn man mal das realistisch betrachtet, ist es natürlich toll, in der Anfangszeit sechs Monate lang eine Fortzahlung auf deutsch gesagtes Arbeitslosengeldes zu haben als Gründungszuschuss, plus die 300 Euro als Krankenversicherungszuschuss. Das ist sicherlich eine super Begleitmusik für die ersten sechs Monate. Und darüber hinaus für weitere neun Monate vielleicht auch nochmal diese 300. Dann muss ich sie irgendwie eingespielt haben. Aber jetzt mal ganz ehrlich, über welche Größenordnung reden wir da? Wir reden, sagen wir mal, wenn jemand um die 2000 Euro oder ein bisschen mehr netto verdient, reden wir vielleicht über 1500 Euro Arbeitslosengeld. Und demzufolge über 1500 Euro Gründungszuschuss mal sechs Monate sind letztendlich 9000 Euro plus die Krankenversicherung 6x300, also nochmal 2000, sagen wir mal 11.000 Euro rund. Wir reden über 11.000 Euro im ersten halben Jahr und anschließend nochmal über 2700 Euro für weitere neun Monate als Krankenversicherungszuschuss. Ich denke, das ist toll, das zu kriegen. Aber wenn die Geschäftsidee gut ist, sollte das nicht kriegst, ohne das Ganze.
Nico Hildmann:Wie gesagt, bin ich völlig bei dir. Es hat mich nur schockiert, dass, also ich glaube, ich habe auch, ich hätte ad hoc zwei Beispiele im Kopf, die diese Aussage getroffen haben. Ich sagte, Moment, das ist falsch. Also wirklich einfach mal falsch so zu denken. Du bist trotzdem eine Persönlichkeit, wenn du das Lust hast, das zu machen. Das heißt es nicht. Das heißt vielleicht nur, dass gerade dieses Vorhaben aus Gründen nicht gepasst hat dafür. Aber schön, dass du es auch nochmal so vorgerechnet hast, weil das macht es Greifbare. Es ist schön, das zu bekommen. Absolut, es ist viel Geld, aber es sollte nicht kriegsentscheidend sein für das Vorhaben selbst.
Richard Paul:Ich hätte ein Beispiel mit, ich sage mal, es sollte von einer Gründungsidee oder auch einer Kommunikation zum Berater nicht zu früh und nicht zu spät sein. Also was meine ich damit? Also nochmal ganz wirklich offen, sehr früh wird bedeuten, ich habe von vornherein den Plan, ich beende meine Arbeit, mache kurz arbeitslos und nehme einen Gründungszuschuss mit. Das wäre sehr frühe Kommunikation. Während hingegen, wenn die Arbeitslosigkeit eingetreten ist und dann so parallel neben der Jobsuche auch die Selbstständigkeit ein Thema ist, dann wäre vielleicht der richtige Zeitpunkt. Zu spät wäre, man braucht mindestens 150 Tage Restanspruch auf Arbeitslosengeld. Also wenn es einem auf die letzten drei Monate des Arbeitslosengeldanzugs einfällt, dann reicht es einfach nicht, weil die gesetzliche Voraussetzung 150 Tage Restanspruch auf Arbeitslosengeld einfach nicht erfüllt ist. Also insofern, ja, ist die Frage des Timings, sage ich jetzt einfach mal.
Nico Hildmann:Also ich finde es schön, dass du es auch nochmal so dargestellt hast, denn ich glaube auch, das Ideale ist ja, wenn man sagt, ich stelle mich dem Markt zur Verfügung, habe aber eigentlich auch vielleicht den Antrieb zu sagen, ich könnte auch die Selbstständigkeit probieren und lasse sozusagen das versuche es parallel zu sagen, ich bin zwar verfügbar für den Markt, super, aber gerne würde ich dann trotzdem noch den Gründerzuschuss versuchen, mit dem Vorhaben, wo ich mich vielleicht wirklich darauf konzentrieren wollen würde. Aber ich finde, irgendwie so ein Plan B ein bisschen sollte man immer schon ein bisschen im Hintergrund haben, ehrlicherweise.
Richard Paul:Ja, natürlich. Und ich sage mir mal, im Alltag ist die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, ja keine Spontan-Entscheidung. Die muss ja reifen. Das ist ein Prozess, der bestimmten Vorlauf braucht. Und ich sage, so erleben wir es auch, wenn unseren Beratern in den Gesprächen, dass jemand bei der Arbeitslosmeldung oder kurz danach einen Kontakt sagt, ich habe ja schon mal überlegt, Mensch, vielleicht machen wir ja selbstständig, das könnte ja auch ein Gedanke sein. Ich überlege das mal parallel. Und in einem zweiten Gespräch oder nach einer Überlegungszeit von zwei, drei, vier, fünf Wochen, geht man vielleicht nochmal aktiv auf den Vermittler zu und sagt, pass mal auf, ich habe mir jetzt überlegt, das ist eine ernsthafte Sache, jetzt vielleicht doch eher nochmal an die Selbstständigkeit zu denken, als an die Jobsuche. Ich stehe auch schon irgendwo mit jemand in Kontakt, wo ich Räume anbieten könnte, etc. Da wird der Berater wahrscheinlich sagen, okay, dann werde die bitte, lass uns das mal konkretisieren in dem nächsten Termin. Irgendwo, vielleicht kann er auch belegmäßig schon mal irgendwie was mitbringen, etc., aus dem hervorgeht, dass er dann den ernsthaften Willen hat. Also das muss halt irgendwie so nachvollziehbar sein, dass es keine Story ist, irgendwie, die so vorgeschoben wird, unter dem Motto, ich kann keinen Arbeitsstelle suchen, weil ich mich ja selbstständig machen will. Und zum Schluss klappt beides nicht, ja. Sondern es muss irgendwie so bei dem Gegenüber das Gefühl da sein, okay, da ist was dran und derjenige verfolgt es auch ernsthaft. Und da gibt es auch Fortschritte und da gibt es auch ein Ende der Arbeitslosigkeit des Ansichtes.
Nico Hildmann:Ja, also für die, die sich in der Situation tatsächlich jetzt befinden, die, die zuhören, ich finde schon mal richtig coole Insights einfach, wie so da vielleicht ein Wunschvorgehen oder eine gute Situation, die man daraus machen kann, ja, einfach vorgelebt werden könnte, wie ihr das sozusagen angehen könntet. Also echt spannend. Ich finde es richtig, richtig cool, wie gesagt, einfach mal die Perspektive zu hören, selbst. Vielleicht jetzt auch gegen Ende der Podcast-Folge noch zu der Gedanke mal auf die Situation der Region selbst. Arbeitslosigkeit. Ich glaube, saisonalbedingt ist es eben am Anfang des Jahres recht hoch trotzdem. Jetzt aber auch zum Thema der Staffel, ne? Mut zum Gründen oder insgesamt Mut. Was macht ihr denn persönlich Mut für die Zukunft auch der Region, trotz der aktuellen Zahlen?
Richard Paul:Ja, also wir hören natürlich im Moment überall, was Beschäftigungsabbau angeht. Wenn man so auf unsere Daten schaut, dann ist immer noch die Situation, dass wir eine deutlich unterdurchschnittliche Arbeitslosigkeit haben in unserer Region. Besser als Bayern. Und Bayern ist an der Spitze Deutschlands. Also insofern, glaube ich, ganz viele Regionen wären froh, sie hätten unsere Probleme, sage ich jetzt mal. Was mir ein bisschen Sorge macht oder wirklich Sorge macht, ist einfach der Beschäftigungsabbau. Wir verlieren halt von Jahr zu Jahr jetzt die letzten zweieinhalb Jahre Arbeitsplätze und die Zahl geht einfach deutlich zurück. Wir haben letztendlich fast 2000 Arbeitsplätze weniger als im Vorjahreszeitraum. Und wir haben schon wieder einige Ankündigungen, wo es jetzt mal in der Größenverhältnisse 50 bis 100 Mitarbeitern bei mehreren Betrieben was freigesetzt wird. Trotzdem muss man sagen, es gibt auch Branchen mit Wachstum. Wir haben nach wie vor die Bereiche Erziehung, Bildung, Pflege etc., wo ein Beschäftigungswachstum stattfindet. Wir hatten etwa 2500 Arbeitsplätze im sozialversicherungspflichtigen Bereich im produzierenden Gewerbe, die abgebaut wurden und hatten in der Summe aber nur 1500 verloren, weil einfach an anderen Stellen Gott sei Dank auch noch ein Wachstum entsteht. Es kommt dazu, dass durch die Demografie die nächsten Jahre mehr aus dem Arbeitsmarkt rausgehen als neu reinkommen. Das entspannt die Situation. Das heißt, die Arbeitslosigkeit wird jetzt nicht entscheidend durch die Decke gehen irgendwo, so wie es hier vor leider Gottes vor vielen, vielen Jahren schon mal war. Das sehe ich nicht. Nichtsdestotrotz fallen einfach hier bei uns in der Region sehr gut bezahlte, tariflich gut abgesicherte Arbeitsplätze weg. Und ja, es entstehen zum Teil Arbeitsplätze neu, die bei weitem nicht so gut bezahlt werden, die oft auf Steuermitteln öffentlich finanziert werden müssen und nicht aufs privatwirtschaftliche, sag ich jetzt mal, unternehmerische heraus erwirtschaftet werden. Und das ist, glaube ich, so ein bisschen das Sorgenkind. Aber es. Es gibt immer wieder Signale, wo es auch Betriebe gibt, die expandieren etc. Deshalb wird entscheidend wird sein, wie wir jetzt auch politische Rahmenbedingungen setzen. Ich glaube, dass sowohl die Selbstständigkeit, aber auch das Arbeitnehmertum und auch das Thema eher mehr in Teilzeit oder gar Vollzeit zu arbeiten ist, muss auch attraktiv sein. Und ich denke einfach, wir haben da sehr hohe Abgabelast, auch mit Steuern, mit Versicherungsbeiträgen, die ja viele Familien die Überlegung stellen, wie groß ist der Aufwand, fünf Stunden, zehn Stunden mehr zu arbeiten und wie größer ist der Stress, den ich mir damit mache. Und wie lukrativ ist es unter dem Strich? Was bleibt hängen? Was bleibt auch finanziell hängen? Und das ist, glaube ich, auch das Thema bei der Selbstständigkeit. Also ich muss sagen, ich habe es bei den Bekleidungen, die ich durchgeführt habe, hautnah gespürt. Wir haben Instrumente, aber so üppig sind die jetzt alle nicht. Also ich denke mal, es müsste noch lukrativer sein, sich überhaupt selbstständig zu machen. Es müssten meines Erachtens vielleicht noch günstigere Kredite oder überhaupt oder leichteren Voraussetzungen entsprechende Kreditvolumen geschaffen werden. Es müsste vielleicht auch finanziell nochmal irgendwie Anreiz geben im Sinne von Steuersparnis etc., die zumindest mal für eine Anfangszeit gewährt wird oder überhaupt das nicht so schnell ein Spitzensteuersatz letztendlich erleichtert oder erreicht wird.
Nico Hildmann:Finde ich ein super Schlusswort, Schlussgedanke, ehrlicherweise. Ich bin auch ganz gespannt, was so in Zukunft in der Region kommt. Das sind ja so Schlagwerter wie die Gigafactory oder sowas, was da so entsteht. Wir lassen uns überraschen. Wir bleiben gespannt.
Richard Paul:Strukturelle Spitzenvoraussetzungen auch sicherlich da in der ersten Welle keine Riesenanzahl von Arbeitsplätzen entsteht, aber da entsteht ein Speckgärtel drumherum und das ist das, was es dann ausmacht. Ich sage jetzt mal, die Botten fliegen zum Licht. Ja, absolut gut. Insofern wäre das natürlich eine Spitzenentscheidung, wenn sie wirklich so in der Form fahren würde, dass Schweinvertier ein Standort werden würde.
Nico Hildmann:Genau. Also wir gucken positiv in die Zukunft. Mich hat es wahnsinnig gefreut. Ich hoffe, es hat dir Spaß gemacht, weil ja deine erste Podcast-Aufnahme hat. Das ist ganz cool, genau.
Richard Paul:Ich höre ab und zu mal Podcast und selber hintermikro zu sitzen, ist dann trotzdem. Ich fand es auch locker vom Gespräch her. Ich hoffe, das kommt bei den Zuhörern auch spannend.
Nico Hildmann:Also mir hat es wirklich echt viel Spaß gemacht. Ich hoffe, euch auch als Zuhörer und Zuhörerin gerne bei dem Thema, wenn ihr Gedanken, Meinungen dazu habt, kommentiert gern die Podcast-Folge, würden wir uns auf jeden Fall sehr, sehr freuen. An der Stelle natürlich auch wie immer ein Riesendankeschön an unseren Staffelpartner, die VR-Bank Main-Rhön, die uns hier unterstützt und es so möglich macht. Und ja, dann bleibt mir eigentlich nur noch zu sagen, vielen Dank fürs Mitfliegen, Richard. Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Erfolg bei allem, was so kommt. Und nochmal vielen Dank, dass du da warst.
Richard Paul:Ja, gerne, Nico.