Startbahn27 Podcast – Innovation aus Mainfranken
Wir sprechen mit Gründer:innen, Unternehmer:innen und Visionär:innen aus Schweinfurt und Mainfranken. Persönliche Geschichten über Erfolge, Rückschläge und neue Chancen – echte Einblicke in die Welt der Start-ups und Innovationen.
Startbahn27 Podcast – Innovation aus Mainfranken
Folge #101 | S4 Mut zum Gründen – Hochschule: Gründerschmiede oder Karrieresortieranlage?
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Volker Bräutigam bringt Unternehmertum an der Hochschule in die Praxis – mit viel „Doing“, neuen Lehrformaten und einem klaren Blick auf das, was Hochschulen künftig leisten müssen.
Er ist Hochschullehrer und Forschungsprofessor für Gründung & Transfer an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt in Schweinfurt sowie Mentor und Coach für angehende Gründerinnen und Gründer. In dieser Folge geht es darum, ob Hochschulen eher Karrierepfade sortieren – oder wirklich zu Gründerschmieden werden.
Um was es in der Folge geht:
- warum Hochschulen sich gerade sichtbar verändern – und wie Hightech-Agenda & Hochschul- und Innovationsgesetz Gründung/Transfer zum Auftrag machen
- was eine Gründungsprofessur wirklich bedeutet und wie Entrepreneurship über das Genesis-Projekt in die Lehrarchitektur verankert werden soll
- wie unternehmerisches Lernen praktisch funktioniert: Pitch, Portfolio, Businessplan light statt „Bulimiewissen“
- warum Netzwerke, Ökosysteme und offene Türen entscheidend sind – und wieso „Scheitern & Weitermachen“ Teil einer gesunden Gründungskultur sein muss
Du interessierst dich für Startups, Unternehmertum und Innovation? Im Startbahn27 Podcast interviewt Nico Hildmann inspirierende Gründer:innen, Unternehmer:innen und Visionär:innen aus Mainfranken – mit Fokus auf Schweinfurt und der Region.
Ob Startup-Erfolg, persönliche Rückschläge oder frische Ideen – wir erzählen echte Geschichten aus der Gründerszene und liefern dir wertvolle Learnings und Insights für deinen eigenen Weg.
Neue Folgen erscheinen regelmäßig mit spannenden Gästen, die zeigen, wie vielfältig und lebendig Unternehmertum in unserer Region ist.
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Liebe Start-ups, herzlich willkommen. Wir freuen uns, dass ihr uns eingepackt habt. Unser Team bereitet euch nun auf den perfekten Start von Startet euch an.
Nico Hildmann:Hallo und herzlich willkommen an Bord des Startbahn 27 Podcasts. Diese Staffel wird präsentiert von der VR-Bank Main-Rhön, Partner für Gründer, Unternehmer und Zukunftsgestalter in unserer Region. Mein Name ist Nico Hildmann und heute bei mir zu Gast auf der Startbahn ist Volker Bräutigam. Volker ist Hochschullehrer und Forschungsprofessor für Gründung und Transfer an der THWS hier in Schweinfurt und zudem auch noch Mentor und Coach für angehende Gründerinnen und Gründer. Insgesamt hilft da eigentlich wahnsinnig vielen Menschen dabei, ihre Ideen weiterzuentwickeln, unternehmerisch zu denken und einfach in die Selbstständigkeit hoffentlich zu bringen. Immer auch mit einem Bezug auf die Praxis, also ins Doing kommen, was ja sehr, sehr wichtig ist. Ja und für mich sowieso einer der wichtigsten Personen hier in der Region, wenn es ums Thema Entrepreneurship vorantreiben geht. Deswegen freue ich mich sehr, dass sie hier ist und mit ihm über das Thema der Rolle des Unternehmertums an Hochschulen zu sprechen. Sind es Orte, die unternehmerisches Denken und somit auch Mut fördern oder einfach nur Karrierepfade sortiert werden? Bin gespannt, was er dazu sagt und sage herzlich willkommen, Volker, schön, dass du da bist.
Volker Bräutigam:Vielen Dank, Nico. Und ich freue mich auch, mal wieder da zu sein bei euch und bin ja fast schon regelmäßig bei den Events und es macht einfach Spaß. Und dass wir da zusammen alles hier in der Region auf die Beine stellen. Und ganz speziell haben wir ja auch erst letzte Wochenende wieder ein großes Event gehabt und ich glaube, die Personen, die dort waren, die haben schon gemerkt, wie Hochschule und unternehmerisches Denken, Handel und Tun zusammenpasst. Und um dann auf deine Frage einzugehen, ja, sie sind nicht nur Karrierepfade, aber sie machen auch doch eine Wandlung durch. Die berühmte Transformation, die bleibt nicht bei den Hochschulen hängen. Ganz speziell auch durch die bayerischen Anpassungen in den Hochschulen. Es gab die Hightech-Agenda, die jetzt auch bundesweit ja durchgezogen wird, die sehr viel Veränderungen vorangetrieben hat und das Bayerische Hochschule- und Innovationsgesetz. Und speziell dort wurde auch ein klarer Auftrag an die Hochschulen adressiert, für Gründung aktiv oder in der Gründung aktiv zu sein, sich sogar möglicherweise bei Ausgründungen zu beteiligen.
Nico Hildmann:Super, also das sind schon mal super Voraussetzungen, über die wir jetzt auch gleich nochmal mehr im Detail reden werden. Für mich freut es mich erstmal nochmal zu sagen, dass du hier bist. Du warst ja schon mal vor Ewigkeiten Gast, da war ich nur noch nicht Host. Deswegen ist es klasse, dass wir jetzt eine gemeinsame Folge aufnehmen können. Und bevor wir da in die Tiefe des Themas Hochschule und Unternehmertum eintauchen, würde ich aber nochmal natürlich gern erstmal auf dich als Person gucken und gerne mit der Frage starten: Was hast du denn gemacht, bevor du an die Hochschule gekommen bist?
Volker Bräutigam:Ja, das ist eine gute Frage. Ich gehöre noch zu dem Jahrgang, der auch sich anders einbringen durfte, nämlich bei der Bundeswehr. Also direkt nach der Schule bin ich zur Bundeswehr, daher kenne ich auch die Region etwas, weil ich doch ab und zu mal in Hamburg aufschlagen durfte. Dann ins Studium rein und habe dann am Ende des Studiums auch schon die erste Gründung gemacht, weil ich gemerkt habe, die Inhalte in dem Studienfach Verfahrenstechnik, die haben viel mit so Reibung, Oberflächen, Haftung und so zu tun und habe dann ein Ingenieurbüro gegründet, um Unternehmen dabei zu helfen, ihre Probleme zu verbessern. Und da bin ich dann auch so in diese Produktionsoptimierungsschiene reingekommen, wollte immer dann sofort in die Industrie, vielleicht sogar in die Beratung. Bin dann, das ist ein bisschen lustig, von meinem betreuenden Professor überredet worden zu promovieren, weil das eigentlich für mich gar nicht in die Frage, also in die Tüte kam. Hab das dann gemacht, auch im Industriekontext. Also das Thema Praxisbezug ist schon immer da und konnte dann auch das Ingenieurbüro weiterlaufen lassen in der Zeit. Und so hat sich dort schon Hochschulqualifizierung, Gründung und Industriepraxis schon zusammengefunden.
Nico Hildmann:Ja, cool. Also heißt schon relativ früh das Thema Unternehmertum ein stetiger Begleiter von dir, Berührungspunkte gehabt. Ja, umso cooler, dass es da ja dann auch als Professor diesen Fokus gab. Wie hat es die Stelle hergegeben, als du angefangen hast, oder hast du dir über die Zeit die Rahmenbedingungen geschaffen, damit es ein Fokus wird?
Volker Bräutigam:Ja, also es gab zu der Zeit 2013, als ich angefangen habe, diese Forschungsprofessuren noch nicht. Das kam aus der Hightech-Agenda. Und ich habe als ganz normaler Lehrprofessor angefangen. Da gibt es auch die Unterschiede zwischen der Universität und der Hochschule. Wir haben etwas höhere Lehr, eigentlich die doppelte Lehrverpflichtung und hatte aber immer so einen Traum auch mit den Studierenden andere Themen. Wir haben Praxisseminar und ich wollte eigentlich eine studentische Unternehmensberatung gründen. Aber da gab es schon eine in Würzburg und da die THBS oder damals FHBS, ja, Würzburg und Schweinfurt als Stadtstandorte hat, dachte ich, macht es ja eigentlich keinen Sinn, da nochmal was aufzuziehen und bin dann in ein Förderprojekt reingekommen, das hieß Best Fit. Und da gab es die LearnFab. Hab die dann als Projektleiter übernommen und haben da drei Jahre lang wirklich intensiv mit Studierenden in einer gegründeten GmbH gearbeitet und verschiedene Projekte durchgeführt, mit Stadt, mit Landkreis, mit Unternehmen. Die Schwierigkeit dort war, dass halt immer nur so sechs bis manchmal bei größeren Events vielleicht 10, 15 Studierende in diesen Prozess reinkamen. Und dann haben wir im Nachfolgeantrag überlegt, wie kriegen wir denn mehr Touchpoints mit den Studierenden und wie kriegen wir mehr von ihnen begeistert für dieses Thema und haben dann das Konzept angepasst. War das aber beispielsweise schon da als Förderprojekt oder hast du es geholt, sag ich mal? Das Nachfolgeprojekt habe ich mitgeholt. Das erste war schon da, das wurde beantragt, bevor ich kam. Der Kollege, der das mit beantragt hat, der wollte aber diese Learn Fab-Thematik nicht übernehmen.
Nico Hildmann:Okay, aber cool, dass es ja schon Anknüpfungspunkte gab, schon relativ früh für diese Thematik. Ich sage super. Jetzt bist du ja auch seit einiger Zeit, noch nicht lang, Gründungsprofessor. Magst du uns mal erklären, was das genau bedeutet, welche Aufgaben, vielleicht sogar Pflichten du hast?
Volker Bräutigam:Das versuche ich mal, weil diese Hochschulwelt ist eigentlich nicht vergleichbar mit der Industriewelt. Da gibt es andere Regeln. Also die Thematik ist die, dass wir die Möglichkeit haben, von unserer Verpflichtung, das sind Lehrstunden, einen gewissen Abschlag zu bekommen, um uns um Förderprojekte und Forschungsthemen zu kümmern. Das begründet die Forschungsprofessur. Um das zu bekommen, kann man einmal verschiedene Anträge schreiben und Projekte bearbeiten oder man sucht sich ein Thema raus, was man vollumfänglich bearbeiten möchte. Und in der Vergangenheit waren Hochschulen eher da, um für die Industrie, speziell Schweinfurt, junge Menschen zu qualifizieren. Jetzt gibt es aber auch ein Thema, einmal Industriestraucheln, auf der anderen Seite gibt es aber auch das Thema Nachfolge. Also wir brauchen Personen, die bereit sind, ein gewisses Risiko zu übernehmen. Und das heißt auch Unternehmertum. Das ist nicht nur das schnelle große Autofahren, sondern am Anfang ist es ganz viel Arbeit, viel Wochenends auch und auch Risiko und Verantwortungsübernahme, um das auch teilweise spielerisch auch mit in die Schule, in die Hochschule reinzubekommen. Unter anderem gibt es dann auch Businessplan, gibt auch schon digitalisierte Tools. Aber das Ganze ist sehr vereinzelt in den Studiengängen vorangetrieben worden, viel auch in Würzburg durch die Kolleginnen und Kollegen, aber auch in Schweinfurt. Aber es war noch nie so gebündelt. Jetzt haben wir einen ganz großen Forschungsförderprogramm gewonnen von der Stiftung Deutsche Hochschullehre. Die geht über fünf Jahre. Und dort haben wir ein Konzept erarbeitet, in dem wir das ganze Thema Gründen, Mindset in die Lehrarchitektur verankern wollen, weil es auch durch das Hochschulinnovationsgesetz ein Teil der Aufgabe einer Hochschule ist. Und da hat sich natürlich dann doch die Möglichkeit ergeben, das noch stärker auszubauen. Es gibt auch klassische Professuren für Unternehmensgründung und solchen Themen und Nachfolge und handwerksorientierten Themen. Aber dort ist es jetzt das Ziel, das übergreifend mit unseren ersten Fakultäten umzusetzen und dann komplett hochschulweit auszurollen. Und da macht es dann schon Sinn, da auch eine zentrale Position zu definieren. Wie gesagt, es ist möglich, dass die Hochschulen das machen und ich hoffe, es kommen auch noch ein paar nach.
Nico Hildmann:Klar, also du sagst schon zentrale Stelle, bist du der Einzige, der das macht? Oder wie bist du die zentrale Anlaufstelle einfach für so eine Thematik dann?
Volker Bräutigam:Also es gibt viele Anlaufstellen. Jetzt diese Forschungsprofessur Gründung und Transfer, habe ich verstanden, ist die erste. Es gab davor sogenannte Schwerpunktprofessuren. Da gibt es auch noch, glaube ich, zwei Kollegen, die das auch nachgezogen haben, aber jetzt diese auf länger mit Zielvereinbarung, du hast nach Pflichten gefragt. Also es ist nicht nur Hängematte und von Gründorträumen, sondern man hat auch eine Zielvereinbarung und Pflichten, die man vorantreiben darf. Aber diese Pflichten haben auch ganz viel Kür für die Veranstaltungen. Klar müssen wir die Voraussetzung für Lehre und das Reinbringen in die Lehrarchitektur einhalten. Da gibt es ein paar Rahmen, aber dadurch, dass ich auch im Senat bin, habe ich da doch die ein oder andere Erfahrung, wie diese Modulhandbücher und Prüfungsordnungen und so gestaltet sein sollen.
Nico Hildmann:Ja, sehr gut. Also du gehst schon richtig da über, wo ich auch gerne nochmal ein paar Insights vielleicht von dir hören möchte. Und zwar das System Hochschule an sich. Nur du hast ja gerade so im Nebensatz gesagt, es sollte eigentlich Nachkömmliche für die Industrie vielleicht produziert werden. Ich habe mich an meinem Vorfeld gefragt oder mich gefragt, habt ihr als Professoren spezielle Zielvorgaben, beziehungsweise was ist das primäre Ziel einer Hochschule für die Studierenden? Ist es, ein Angestellend-Dasein vorzubereiten?
Volker Bräutigam:Nicht unbedingt. Aber in der Vergangenheit, und das ist wieder ein Marktthema auch, wenn ich viele Stellen außerhalb habe und sie weggesaugt werden, dann machen das auch viele einfacher. Es gibt aber, es gibt Ziele für die Hochschule, für uns Professoren ist es so, wir müssen unsere Module, für die wir verantwortlich sind, auch sauber durchführen. Also das ist das Hauptziel, die Lehre. Müsst ihr euch an die Inhalte genau halten in so einem Modulhandbuch? Oder wie dehnbar ist das? Ja, das ist, es ist so geschrieben, dass es auch dehnbar ist, wenn man in die konkrete Inhalte geht. Okay. Aber wir vermitteln ja nicht nur Wissen, das kriegst du übers Internet schneller wahrscheinlich, sondern die Kompetenz, das gegebenenfalls auch anwenden zu können. Nicht nur zu kennen, sondern auch zu können. Und das ist schon auch wichtig. Und speziell komme ich ja da aus dem technischen Bereich, da ist es dann auch viel mit Ausprobieren. Oder im sportlichen Bereich, wenn ich nicht trainiere, dann werde ich auch nicht besser. Und so ist es ja im Lernen auch. Da geht manchmal vielleicht auch so ein bisschen die Zielsetzung zwischen Studierenden und Lehrenden auseinander, die ja eigentlich ihre Note möchten, ihren Abschluss. Und wir haben aber doch auch den Anspruch, dass sie was mitnehmen fürs Leben und ihre Kompetenzen, die sie erwerben, auch anwenden können. Und dann können sie auch in Unternehmen als Intrapreneure dann wirken.
Nico Hildmann:Also ich stelle es mir gerade so vor, es gibt im Endeffekt Leitplanken oder einen Rahmen, wo ihr Dinge machen sollt, sogar, aber auch gewisse Freiheiten habt, wie ihr das ausgestaltet.
Volker Bräutigam:Ja, wir haben viele Freiheiten. Also es sind relativ hohe Freiheiten. Okay. Es gibt Lernziele und Lehrziele, so muss man sagen, und eine Strategie dahinter, wie du die rüberbringen musst, die müssen schon auch erfüllt sein. Wir werden ja auch akkreditiert, also die werden geprüft, die Modulhandbücher, und auch die Studierenden und die Mitarbeiter werden befragt. Also das wird wie in einem Unternehmen Qualitätsprüfung würden, der akkreditiert, die ganzen Studiengänge. Also da ist schon sehr viele Themen dahinter, die das dann auch abbilden und auch die Inhalte weitergegeben werden.
Nico Hildmann:Heißt, wenn man dich jetzt mal so fragt, aus Sicht eines Professors, also du persönlich, wie starr empfindest du oder sogar flexibel empfindest du die Hochschule für dich?
Volker Bräutigam:Also in dem Bereich Wissen weiterzugeben, Kompetenzen zu verstärken oder vielleicht auch auszubauen, total frei. Ja. Es gibt andere Zwänge, aber ich glaube, das sind alle, die in der öffentlichen Verwaltung arbeiten, kennen die. Das geht manchmal nicht ganz so schnell, aber das kenne ich noch aus meiner Industriezeit. Auch wenn man denkt, das ist Industrie, da geht es auch nicht immer ganz schnell.
Nico Hildmann:Ja, weißt du, ich finde es gerade so spannend. Vor gut zwei Wochen kam er, oder vor zwei Wochen kam mir die Podcast-Folge raus mit Oliver Kunkel, wo wir über das Thema Unternehmertum und Schulen gesprochen haben. Und da war so die Quintessenz super starr, ganz schwierig, unternehmerisches Denken reinzubringen, weil der Lehrplan auch so dicht ist. Jetzt, wenn ich das so höre, ist es eigentlich, Hochschule ist schon next level mit viel, viel mehr flexibleren Anteilen.
Volker Bräutigam:Ja, absolut. Es ist nicht vergleichbar mit der Schule. Es war sehr verschult am Anfang mit den Klassen und Hoheklassen, aber mittlerweile haben sich die Lehrkonzepte deutlich gewandelt. Wissen wird meistens impulsartiger. Vielleicht muss man gucken, ob es in den höheren Semestern ist, vielleicht nicht im ersten und zweiten und in den Basisfächern, aber Wissen wird da auch ganz anders vermittelt und angewandt dann. Wir haben die Chance in diesen Querschnittsfunktionen, ich bin ja bei Wirtschaftsingenieurwesen, dass wir schon immer versuchen, verschiedene Ansichten des Ingenieursseins mit dem Betriebswirtschaftlichen, Volkswirtschaftlichen zusammenzubringen. Da ist es vielleicht auch noch ein bisschen leichter, weil man einfach auch beide Seiten kennt. Aber das ist Hochschule und Schule ist nicht so vergleichbar. An Oliver kenne ich ja auch, weil wir da Projekte zusammen machen. Auch da gibt es Überlegungen, wie wir das aufbrechen können. Also da sind die Schulen mittlerweile auch gesprächsbereit. Also wir haben jetzt einen neuen Förderantrag geschrieben, da haben wir auch einen Letter of Intent von den Schulen bekommen, speziell auch von der Schule, wo der Oliver ist und das ist super. Also wir können ja auch sozusagen dort die Schülerinnen und Schüler schon in unserer regionalen Hochschule, das muss man ja auch dazu sagen, bringen, obwohl wir in Schweinfurt ja über 60 Prozent international Studierende haben. Und das ist ein super Flair.
Nico Hildmann:Ja, da kommen wir auch gleich noch dazu, aber das ist eine super Grundlage oder Ausgangslage, die du da skizzierst, dass diese Thematik mehr und mehr Einzug hält. Man muss ja ehrlicherweise sagen, über die Jahre hinweg ist schon mehr in der Entrepreneurship-Lehre passiert. Ich weiß es ja selber aus eigener Erfahrung. Ich habe ja Master 2017, 18 angefangen in Karlsruhe zu studieren Technologie-Entrepreneurship. Und es war der erste Studiengang dafür. Ich bin auch offizieller erster Absolvent tatsächlich. Und ich habe mich in meiner Masterthesis mit der Entrepreneurship-Lehre in Deutschland auseinandergesetzt. Bin ganz ehrlich, es war nicht so schwer, sich da einen Überblick zu machen. Nicht so viel, aber es wurde ja mehr und mehr. Jetzt stimmt es mich ja schon super positiv, was du gerade schon so erzählt hast, mit es ist ein Auftrag einer Hochschule, jetzt schon mittlerweile dieses Thema zu fixieren, fokussieren. Wenn man aber mal ganz glatter drüber guckt über das Entrepreneurship-Angebot in Hochschulen, ist es ja meistens dann in Form von einem Wahlpflichtfach oder ein optionales Projekt. Also sprich, ein Randthema. Siehst du das auch so, beziehungsweise ändert sich es jetzt?
Volker Bräutigam:Ich sehe es teilweise so, eigentlich nicht. Warum? Wir hatten viele Inhalte auch schon in bestehenden Modulen und Studiengängen. Also da ist die Business School oder früher BWL bei uns sehr stark, Informatik, Wirtschaftsinformatik sehr stark, soziale Arbeit auch, also eigentlich in jedem Bereich Wirtschaftsinsegenieurwesen mit Businessplan schon, glaube ich, boah, ich habe jetzt mal einen Bewerber da gehabt, der hat, glaube ich, 2000 auch so 17, 2013 studiert bei uns. Da hat gesagt, ich habe auch einen Businessplan geschrieben. Inhaltlich hat es sich vielleicht auch ein bisschen gedreht, modernere Elemente reingebracht, aber eigentlich war es schon immer drin, aber nicht so wirklich institutionalisiert, indem das als ein großes Ganzen wahrgenommen wird auch. Es gibt Hochschulen, die nennen sich Entrepreneurship-Hochschule oder Gründungshochschulen. Da sind wir vielleicht noch ein Stück weg, aber das könnte ein schönes Ziel sein. Und das macht ja auch nicht eine Gründungsprofessur oder Forschungsprofessur für Gründung, sondern das ist ja voll das Team. Es sind ja mehrere Leute in dem neuen Projekt drin. Und wie gesagt, ich würde es mir auch wünschen, dass es noch mehr macht, weil wir da dann einfach schlagkräftiger sind, wenn wir da wie eine Leuchtfeuer gesehen werden. Und das kennst du ja auch in der Region. Wenn man viele Feuer hat, ist cool, aber wir müssen die ja irgendwie zusammenkriegen. Und da gibt es ja so viele Akteurinnen und Akteure, wo es einfach Spaß macht.
Nico Hildmann:Ja, ja. Wenn ich es jetzt so höre, klar, es muss in anderen Fächern oder Vorlesungen irgendwo diffundieren. So hast du Oliver vor zwei Wochen nämlich gesagt, das fand ich sehr, sehr cool, die Formulierung, weil was Isoliertes wäre in der Schule. Ich glaube, O-Ton war völlig Gaga, das fand ich auch gut. Deswegen so vielleicht die Frage an dich: wie in Karlsruhe war es, gab es einen ganzen Master für Entrepreneurship. Ist sowas absehbar sinnvoll an der THWS, dass sowas kommt? Oder sagst du, nee, isoliert wäre gar nicht so sinnvoll?
Volker Bräutigam:Also wir möchten es machen, isoliert, aber ein bisschen anderem Ansatz. Also wie gesagt, es gibt bestehende Elemente. Es gibt auch jetzt Elemente, die in den letzten Jahren in Pflichtveranstaltungen umgewandelt werden, speziell in den auch mehr technischen Studienrichtungen, Wasserstoff, Robotik, erneuerbare Energiesysteme. Da sind sogar Pflichtmodule drin für alle, weil wir sagen, das ist nicht nur, ich will nur gründen, sondern auch dieses, wie gehe ich da an Probleme ran, wie finde ich da Lösungen, auch für welche, die in Angestelltenverhältnisse gehen oder in eine Verwaltung oder so. Super. So, jetzt wieder zurück. Wir haben in diesem Genesis-Projekt, wo ja ganz viele Beteiligte. Das ist das Neue, ne? Genau, das ist das Neue mit den zwei Vizepräsidenten, die da mitbeteiligt sind, vielen Dekanen, Mitarbeitenden. Wir kriegen jetzt sogar Anfragen, wir wollen noch mitmachen. Also es wird so ein richtiger Schwung daraus. Und dort gibt es verschiedene Elemente, die wir gerade ausarbeiten. Eine Möglichkeit wäre so eine Education, Gründungs-Entrepreneurship Class, nicht Education, Entrepreneurship Class. Und die möchten wir aber mischen zwischen Studiengängen. Also es wird kein nur Business School oder nur Wirtschaftsingenieurwesen oder nur Ingenieurwesen, sondern es wird ein Mischthema werden. Das muss aufgebaut werden, damit die Voraussetzungen stimmen. Und dann wird es nochmal richtig spannend, weil wir dann alle Disziplinen sozusagen drin haben und die Ideen sich vielleicht ganz anders entwickeln, als wenn man sich nur in einem technischen Strand da Überlegungen macht. Es ist noch nicht alles ausgearbeitet da drin, das hat ja auch erst im Oktober angefangen. Wir müssen erstmal Leute onboarden und schauen. Aber das wird sehr spannend. Bis hin, was jetzt eigentlich theoretisch so wie. Die Rechtslage jetzt aufgebaut ist, ist, könnte man jetzt schon kooperative Abschlussarbeiten zum Beispiel machen, in dem sich verschiedene Disziplinen zusammentun. Was es auch schon gibt, ist, dass welche, die sich selbstständig machen und gemacht haben, auch ihre Bachelor- oder Masterarbeit darüber schreiben. Das geht auch. Man muss immer schauen, in welchem Fach dann. Also da gab es schon früher viele Möglichkeiten, aber jetzt ist es, glaube ich, so ein Netz, was alles zusammenfasst, damit es dann auch noch vielleicht stärker wirken kann oder größer, eine größere Menge wirken kann. Ja, also es hört sich ja richtig cool an.
Nico Hildmann:Also da können sich die THWS-Studierenden ja wirklich auf was freuen, was da so geplant ist. Echt super. Weißt du, was mir dann aber noch in den Kopf kommt, ne? Noch so das Thema Randthema Unternehmertum. Jetzt ist es natürlich schön zu hören, es wird mehr ein Fokusthema werden. Es gibt einen Auftrag. Ergo heißt es aber, davor war es ja wahrscheinlich nicht so wichtig. Sprich, ich frage mich, war einfach das Interesse seitens der Studierenden oder die Kenntnis als Option, ich kann mich selbstständig machen, nicht so wirklich da, weil ich übertraf es mal auf die Startup-Welt, wenn man sagt, ich mache das, was der Markt so will, oder was die Kunden fordern. Und wenn eine Hochschule sagt, meine Kunden, die Studierenden, wollen es gar nicht und biete ich es nicht an, könnte man das so salopp sagen oder wie nimmst du es wahr?
Volker Bräutigam:Nee, also ganz so ist es nicht, weil es gab ja ganz viele Gründungen auch schon im Vorfeld. Und wenn man schaut, speziell hier am Raum, welche Absolventen Firmen hochgezogen haben. Ich glaube, der Weg war vielleicht gar nicht direkt raus aus der Hochschule und dann das eigene Geschäft, sondern vielleicht erstmal in Angestelltenverhältnissen Defizit erkannt und dann rausgegründet. Also es war schon immer sehr stark an der Großindustrie hier entlang, aber haben ganz viele Satelliten, ganz viele wirklich namhafte Firmen haben sich da ja gebildet. Also das gab es schon immer. Die Masse war auch höher. Also wir haben eigentlich, also von, sag ich mal, wie sagt man ganz Inland. Wir haben das ein bisschen kompensieren können durch den hohen internationalen Antag, auch mit diesen englischsprachigen Studiengängen, wo ich Englisch starten kann, Deutsch aufhören und umgekehrt, die Twin-Studiengänge. Die haben schon einen Hype gebracht. Und da ist das Interesse eigentlich schon gefühlt immer da. Jetzt kommt noch so ein bisschen so ein Krisenmotus in der Industrie. Da merken wir auch, dass die Gewerbe- oder das Gewerbeanmeldesaldo nach oben geht. Also mehr Anmeldungen als Abmeldungen. Also man merkt schon, dass sich dann da welche überlegen, ja, wenn ich dann doch nicht dort arbeiten kann, ich kriege vielleicht auch eine gewisse Abfindung, dann probiere ich es jetzt einfach aus. Und das ist so eine unserer größten Themen ist, wie messe ich die Wirksamkeit dieser ganzen Aktionen. Die sind, als Studierende willst du deine Punkte, deine Noten, deine ECTS und deinen Abschluss. Es gibt ein paar, die sagen, ich verzichte auf meinen Abschluss und gründe, aber das ist der kleinste Anteil. Wenn, dann macht man es schon fertig. Ja, genau. Also es gibt Ausnahmen, muss man sagen, aber wenn, würde ich auch empfehlen, mach's fertig. Und wie wirkt es nach, was wir mit denen machen? Und das ist ja schwer zu messen. Wir müssten ja hier Supercrawler im Internet sein und gucken und die stalken, wo gehen sie denn hin und wann gründen sie denn endlich. Deswegen kann man auch, glaube ich, nicht gut sagen, weil die Hochschule jetzt zehn Gründungen mehr hat, ist sie besser, als wenn sie zehn weniger hat, sondern es ist einfach, ich glaube, die Zufriedenheit. Dann beim Thema Kunde, ist der Studierende wirklich ein Kunde? Ich bin mir gar nicht so sicher. Aber einfach mal so im Überzeugung. Im klassischen Sinne nicht, weil er bezahlt ja nicht dafür, also die kleine Studiengebühr, sondern wir haben ja in Deutschland ein recht günstiges Hochschulsystem für Studierende. Aber auf der einen Seite sind sie schon eine Zielgruppe, wo man seine Themen anpassen muss, dass man sie interessant macht. Auf der anderen Seite sind sie aber auch Lieferanten, nämlich Lieferanten von den Ideen, die in den Köpfen schlummern. Und ich würde es eher so eine Symbiose auf Zeit nennen.
Nico Hildmann:Ja, weil da gibt es ja genug Ideen, das merken wir auch immer, wenn wir die Veranstaltung zusammen machen. Ich habe es zumindest so gedacht, aus meiner Erfahrung auch, wenn ich mit Studierenden rede, die sagen, bis sie vielleicht zu mir kommen, hatten sie noch nie so die Option Selbstständigkeit im Kopf gehabt. Ich denke auch, klar, wenn du, für mich sind es zwei große Lebensphasen vor einer möglichen Hochschulphase, und zwar das private Umfeld, das dich ja eh mehr begleitet, und eine Schule. Und wenn du da keinen Berührungspunkt zum Thema Selbstständigkeit hast, in Lehrangeboten oder weil keiner in der Familie irgendwie so das dir vorlebt, dann hast du es nicht auf dem Zettel. Und deswegen ist es ja auch so wichtig, dass man dann an so Sammelpunkten wie eine Hochschule zeigt, es gibt frei auch diese Möglichkeit. Und das ist mir der Grundgedanke hinter der ganzen Staffel, das als eine mögliche Lebensoption zu zeigen. Mir ist ja auch klar, dass nicht jede Unternehmer oder Unternehmerin wird, aber ich finde, jeder hat Ideen, wir sehen das immer an den Veranstaltungen, ob die jetzt was wären oder nicht, aber dieses Ausprobieren, das möchte ich gerne, dass das einfach gefördert wird. Dass man selber sagen kann, das wäre was für mich oder eben nicht. Und du hast jetzt auch gerade, finde ich, schon schön angesprochen, die Twin-Studiengänge haben einen Hype gebracht. Wir haben sehr hohe internationale Studierendenzahlen. Ich weiß noch, mein allererstes Event mit euch, der Tageswochenend-Workshop, ne? 50 Teilnehmende aus 37 Nationen. Das fand ich unglaublich krass. Heißt aber auch, oder ich denke, du beobachtest das auch, wenn wir eine Startup-Veranstaltung zusammen machen mit der Hochschule, sind überwiegend Internationals dabei im Vergleich zu deutschen Studierenden. Da frage ich mich, haben die einen anderen Bezug zu diesem Thema oder ist es mangelnde Freizeitaltern beispielsweise?
Volker Bräutigam:Wahrscheinlich beides. Es sind einfach auch mehr. Ja, gut, das ist ein Thema. Sie sind sozial anders verankert. Das heißt, wenn wir da Veranstaltungen machen, sind sie vielleicht nicht beim Fußballverein, Handball, Tennis, Judo, was auch immer, sondern haben da keine Verpflichtung am Wochenende. Sie sind länger an der Hochschule. Ich glaube, da ist auch so das Thema Studierendenwohnheim und dann halte ich mich vielleicht doch zum Lernen an den Hochschulangeboten auf. Nationale Studierende, die habe ich gesehen, die düsen mit dem Auto wieder weg und dann daheim hinzumen. Also da gibt es auch noch keine richtige, glaube ich, ganz empirisch belastbare Untersuchung, warum das denn so ist. Was wir aber wissen, ist, dass wenn wir die antriggern, die schon kommen. Also es kommt ein bisschen immer aus Format an. Ich glaube, was immer zählt, ist gutes Essen. Ein paar Getränke. Nein, sagen wir mal. Da muss man nur aufpassen, dass er nicht nur wegen dem Essen kommt. Aber ich glaube, so wie du sagst, diese Gedankenstärke reinbringen, das haben wir gut geschafft. Also da gibt es viele Angebote, auch hochschulweit, das Brückenstudium, Zentria, die ganzen anderen Fakultäten, die was machen. Also da gibt es wirklich viel und ist auch aus diesen Wahl- und Freiwilligenfächern-Bereich raus. Also es sind auch einige Pflichtveranstaltungen, die diese, und dann hat jeder mal einen Berührungspunkt.
Nico Hildmann:Ja, kannst du vielleicht kurz für, das nehme ich nämlich auch immer wahr. Für externe außerhalb der Hochschulbubble ist es immer ein bisschen schwieriger zu verstehen, was so innerhalb dieser Hochschule passiert. Deswegen haben wir dich ja auch da, um da diese Insights mal ein bisschen zu erfahren. Was gibt es denn so für Angebote? Kannst du uns mal einen kleinen Überblick machen im Bereich Unternehmertum an der ganzen THWS?
Volker Bräutigam:Das ist gar nicht so einfach, weil es unendlich viel gibt. Ja, okay. Schon mal gut. Wir haben mit jetzt in dem Genesis-Projekt haben die Mitarbeitenden mal alle Modulhandbücher aller Fakultäten nach gewissen Schlüsselworten mit KI durchsuchen lassen und haben so eine Einteilung gemacht zwischen wo kommen direkt so die Begriffe aus Gründen Entrepreneurship, wo sind ähnliche Begriffe, Problemlösung, Innovation, was Neues machen oder so. Und wo ist es nicht drin? Und da kam raus, dass es echt viel gibt, was so reinpasst in die ersten zwei Kategorien. Die Frage ist immer, sind sie so kanalisiert, dass sie aufs Richtung Gründen gehen? Wahrscheinlich nicht. Da gibt es einige, aber nicht alle. Und jetzt geht es darum, dort noch zu analysieren, was sind denn Inhalte, die einmal gut ankommen und vielleicht doch eine Wirkung haben. Was sind Inhalte, die man vielleicht auch doppelt belegen und man sie zusammenbringen könnte, wieder so interdisziplinäre Themen. Und wo haben wir vielleicht noch ein bisschen weniger und können da noch etwas mehr Vorschläge machen? Weil grundsätzlich ist Freiheit von Forschung und Lehre und wenn ich mich an Modul halte, dann kann ich im Prinzip das machen, was im großen Rahmen da drin steht. Aber ich muss es ja nicht was Neues reinnehmen. Also da wollen wir schon auch überzeugen und nicht einfach reinpumpen, welche Themen, Formate da passen. Was wir auch immer feststellen, ist, da hat zum Beispiel auch ein Kollege drin promoviert, der da zentral mitwirkt, wie so spielerische, so Gamification-Anteile das einfach auch die Freude erhöhen, den Spaß erhöhen und wenn was Spaß macht, gehe ich ja ganz anders ans Lernen. Das hat der Oliver Kungl wahrscheinlich auch erzählt. Und wie man das reinbekommt und da wollen wir auch unterhelfen. Und wir haben ja auch Zentraleinheiten, die zum Beispiel Digitalisierung in der Lehre helfen, virtuelle Räume und so ein ganz Thema. Also es gibt eigentlich relativ viel. Jetzt ist die Frage, wie zind man da so ein Turbo, das sich das entwickelt und ja, unser Ziel ist schon auch, dann Entrepreneurship, Hochschule zu werden.
Nico Hildmann:Ja. Ist es so, dass dann diese ganzen Angebote nur für Hochschulangehörige ist oder dürfen extern irgendwie zugelassen werden, sodass man, was du schon sagst, dieser einfach Austausch dieses Ökosystems ist ja wichtig.
Volker Bräutigam:Ja, also zum Ökosystem können wir uns ja auch noch unterhalten, weil das ist ja super hier, auch wie die Industriepraxis damit einwirken möchte und helfen. Offiziell muss ich eigentlich Hochschulangehöriger sein, aber es ist jedem Lehrenden erlaubt, natürlich Gäste reinzubringen. Das heißt, man kann sich auch einschreiben lassen, ohne jetzt Studierende und dann kann man, glaube ich, zum Beispiel die Bibliothek nutzen und solche Themen. Also es gibt schon Möglichkeiten. Es gibt aber das ein oder andere Förderprojekt, wo man es nur für Hochschulangehörige die Events machen dürfen, weil einfach so der Förderzweck ist. Das versuchen wir aber auch stärker aufzuweiten. Du kennst auch den Werkraum, unser Studierendes Daten-WG fast schon, aber ja, mit Makerspace. Und dort haben wir jetzt einen Antrag gestellt, um dieses Thema Innovation und dieses Denken daraus aus solchen dritten Räumen in die Technologietransferzentren reinzukriegen, die ja über die Region verteilt sind, um dort Innovationsräume zu gestalten und auch jemanden, der Innovation dort mit den Mitarbeitern, aber auch mit den Firmen dort vor Ort regelt. Da sind wir auch gespannt, wann wir da starten dürfen. Also wir versuchen schon auch, uns sehr stark zu öffnen, dort, wo es möglich ist. Und es hat auch schon immer stattgefunden. Also wenn ich da dran denke, was wir bei WI mit Projektseminaren machen, schicken uns Firmen Ideen rein, Probleme rein und kriegen von Studierenden Ideen raus. Und das ist nicht nur bei uns in der Fakultät so.
Nico Hildmann:Ja, also sehr gut. Auch da zu sehen, da gibt es gute, flexible Anteile, wie man das sozusagen auch ermöglichen kann, immer in einem gewissen Rahmen, was ja auch völlig verständlich ist, ehrlicherweise. Was mir gerade auch noch, als du so gesagt hast, ihr seid ja Treiber, als die Professoren und es sind ja die, die die handelnden Personen, die diese ganzen Themen einfach vorantreiben, habe ich mich gerade gefragt, wie siehst du deine Rolle als Professor? Siehst du dich als Vorbild für die Studierenden? Ja, bist du immer. Weil du bist ja auch ein reales Beispiel für Unternehmertum, ne?
Volker Bräutigam:Also du bist immer, wenn du von einer Gruppe was machst, bist du, wirst du immer beobachtet, bist immer Vorbild zum gewissen Grad. Kenne ich aus dem Sport, kenne ich aus dem Geschäftsumfeld, ist eigentlich immer so. Meistens ist es auch so, dass man als Lernter etwas älter ist wie die, die gelehrt werden.
Nico Hildmann:Dadurch entsteht ja auch nochmal so ein Zimmer, habe ich gesagt, geh beim Professor, wenn der eine Mail schreibt, ist es relevant, alles andere nicht.
Volker Bräutigam:Ja, auch da gibt es Stufen, wenn es der Präsident schreibt, ist noch relevanter. Es gibt mittlerweile aber auch schon so Community-Themen. Also in WhatsApp hat die Studierendenfachschaft so eine Community aufgebaut, das ist fast noch besser, weil ich schreibe regelmäßig an Mails an die Studierenden für die Events. Manchmal landet, oder häufig landet man bestimmt auch im Spam. Ich glaube, das Wachrückeln, das stimmt schon, wenn wir die Professorinnen und Professoren hinkriegen, das in die Vorlesung reinzubringen und mit einem schönen Flyer. Ich glaube, das ist das Beste, weil dann hat es jeder direkt vor sich QR-Code und kann gleich sich das verlinken. Aber du wirst selber merken, wie viel pushes du aus Nachricht, WhatsApp, E-Mail, sonstigen Messagern-Dienstes bekommst. Das ist echt schwer, das alles zu machen.
Nico Hildmann:Absolut. Aber ich finde insgesamt auch zum Thema Entrepreneurship oder Unternehmertum, die meisten Professoren, mit denen ich dann zu tun hatte, auch schon in Karlsruhe, wenn viele Ideen sind ja für Studierende oder sowas, die sich da ergeben, die sind offen dafür, auch mal bei einer Vorlesung zu sagen, klar, dürfst du die ersten fünf Minuten ein bisschen was erzählen, um an diese Zielgruppe vielleicht zu kommen oder irgendwas bekannt zu machen. Aber da vielleicht auch nochmal die Frage, wie du schon gesagt hast, so der Gegensatz. Gibt es auch Kollegen, die negativ gegenüber dem Thema gestimmt sind? Also in Karlsruhe ehrlicherweise, um das noch zu sagen, es gab so zwei Lager, die Feuer und Flamme dafür waren und manche, die schon gesagt haben, das ist ein Scheiß, da lernen die nichts. Naja, das gibt es bei uns auch, glaube ich auch.
Volker Bräutigam:Also es kommt wenig an mich ran. Gut. Aber ich muss denen das ja nicht beibringen, von daher ist es alles gut.
Nico Hildmann:Ja.
Volker Bräutigam:Klar, manche denken, wir haben da nur Spaß und tanzen da unseren Namen oder was auch immer. Ich glaube, so war das tatsächlich auch so. Ihr lernt da nichts. So. Das war ich, glaube ich, das habe ich noch so gebrannt im Kopf. Du lernst mit Sicherheit keine Formeln und dieen auch nicht unbedingt auswendig. Aber ich glaube, du lernst schon was fürs Leben, wenn du solche andere Formate durchmachst, weil deine Persönlichkeit weiterentwickelt wird. Und von da sind wir alle überzeugt. Das ist aber auch wissenschaftlich und empirisch bewiesen, dass es so ist, dass man da was lernt.
Nico Hildmann:Weißt du, ich kann mich noch genauer daran erinnern. Ich glaube, wir hatten dann insgesamt zwölf Noten sozusagen in dem Master, 15, ich weiß nicht genau, aber 90 Prozent haben wir keinen Test geschrieben, also keine Prüfung geschrieben, sondern wir mussten immer pitchen, präsentieren, ein Projekt so machen. Das heißt, ich habe dann, da habe ich mich persönlich weiterentwickelt, indem ich ad hoc immer Stände jemandem erzählen musste und erklären musste. Und ich glaube, das war so dieser Dorn bei manchen Professoren im Auge, die bringen ja gar kein Wissen zu Papier. Das ist ja jetzt subjektiv, wie ich die Antwort finde. Und ich glaube, das war schwierig zu greifen.
Volker Bräutigam:Also das ist auch wieder fachabhängig. Aber diese Prüfungsarten, sonstige Prüfungen, haben sich sehr stark weiterentwickelt und auch ausgereift. Also von den Fächern, die ich verantworte, habe ich noch eine, glaube ich, die eine schriftliche Prüfung hat. Geht es um Materialwirtschaft. Darfst du das selber bestimmen? Ja, ja. Also nein, du kannst das ins Modulhandbuch und wenn das dann über die Gremien frage geht, dann gibt es da Variationsmöglichkeiten. Weil ich denke, ich muss mal Bestände ausrechnen können, bevor ich dir glaube, was im SAP oder im ERP-System steht. Deswegen gibt es auch noch eine, sag ich mal, eine Prüfung, schriftliche Prüfung. In den anderen haben wir sehr viel auf, zum Beispiel auch mündliche, auch mit dem ganzen KI-Themen. Mündliche Prüfung ist fast dann schwieriger noch als eine schriftliche, wenn du irgendwas abgeben kannst, was generiert wurde. Absolut. Das sind Überlegungen oder du hast so Portfolio über die Vorlesungszeit, dass die am Anfang ein Beispiel, was wir da machen, sie fangen an mit einer Stakeholder-Map und überlegen sich, was sind denn die Akteure bei mir in der Idee oder der Aufgabe, dann vielleicht auch Personas darstellen. Und dann, das mache ich bei Requirements Engineering, dann schreiben sie die Anforderungen für ihre Problemstellungen aus Sicht der verschiedenen Beteiligten. Und dafür gibt es immer Teilpunkte, Schräg-Schräg-Teilnoten und am Ende gibt es einen Abschlussbericht, der auch teilweise generiert sein kann. Das ist wie einen guten Taschenrechner benutzen, meiner Meinung nach. Aber es muss halt sinnvoll sein und geprüft. Wir nennen es dann verifiziert und validiert. Und dann geben sie einen Abschlussbericht und der zählt halt vielleicht ein bisschen größeres. Oder jetzt bei Robotik machen sie einen Businessplan am Ende. Zwar ein Businessplan Light, die müssen jetzt keinen, wo sie jetzt direkt zur Bank ihr Venture-Kapital kriegen, sondern einen Businessplan light. Und davor haben sie einen Pitch gemacht und da davor haben sie ein Business Model-Kernwass ausgefüllt und ein so das Portfolio aufgebaut. Also das sind auch schriftliche Ausarbeitungen, aber keine schriftliche Prüfung. Wir sprechen da auch häufig vom Bulimiewissen.
Nico Hildmann:Ja, absolut.
Volker Bräutigam:In drei Wochen später hast du sie nicht mehr drin. Manches bleibt hängen. Und ich glaube auch so, die Art, wie es rübergebracht wird, hat auch relativ viel damit zu tun, was in deinem Wissen hängen bleibt und nicht, ob du es nachher aufschreiben konntest.
Nico Hildmann:Genau, richtig. Also die Erfahrungen bleiben. Ich habe es auch vor zwei Wochen in der Folge gesagt, ich habe Referate gerne gemacht. Ich weiß jetzt noch so einen Teil, die Themen, die ich da gemacht habe in der Schule, weil das hat halt diesen Bezug gehabt, was dir ja auch wahnsinnig wichtig ist, macht, geht ins Doing und entwickelt euch persönlich weiter und angelt euch diese Erfahrungswerte. Ich finde es auch beispielsweise ganz cool, dass, ich glaube, es ist im Brückenstudium so, dass die Teilnehmenden auch Startup-Veranstaltungen besuchen müssen, weil ich muss schon mal irgendwo einen Servus machen, dass die da waren. Das finde ich ja eigentlich auch einen coolen Weg zu sagen, geht mal raus, auch wenn man jemanden da vielleicht erstmal zu zwingen muss im ersten Moment, aber dann merkt man schon, der Spaß, das Netzwerk, was da alles auf einen zukommt, und wie so die Situation ist, das befruchtet dann total und motiviert vor allem. Und das aus der Folge finde ich jetzt schon cool rauszuhören, dass es schon brutal viele Aktivitäten einfach gibt. Ich glaube, die wirklich die THWS-Studierenden und Inscam, die Region kann sich da auf brutal was freuen, auf was durch Genesis da jetzt dann kommt über die nächsten Jahre. Wenn man es jetzt mal vielleicht so als Abrundung hört, was ist so deiner Meinung nach, was sind so die wichtigsten Punkte für eine Hochschule, auch Gründerschmiede zu werden für die, die jetzt vielleicht noch nicht so weit sind wie eine THWS?
Volker Bräutigam:Ich glaube, man muss offen sein, sich auf Neues einzulassen, mal was ausprobieren, was vielleicht nicht dem klassischen Hochschulmodell entspricht. Also Campus Startup Night. Vergangenheit, man muss einen Nachtmarsch machen und am nächsten Morgen trotzdem fit sein und pitchen. Ich glaube, man muss auch fähig sein, dann Konzepte weiterzuentwickeln oder umzuentwickeln. Man muss sich öffnen, auch nach außen. Es kommen so viele positive Einflüsse rein in Kooperationen. Wir haben ja unsere Dachmarke, dann haben wir ganz viele Institutionen, wir haben dann regional verteilte Gründungszentren, die ihre Innovationen machen, wir haben private Themen, die, die da loslegen, wir haben sowas wie Aktivsenioren, Wirtschaftssenioren, die Kammern, sind ja alle daran interessiert, da voranzutreiben und wir haben private. Letztes Wochenende waren wir ja da drin, wir haben Verbände, also Verband Deutsche Unternehmerinnen ist sehr stark in der Region. Die Präsidentin ist ja aus der Region und auch für Nordbayern die Verantwortliche ist hier aus der Region. Und so geht es immer tiefer bis rein zu einzelnen Unternehmern. Und weil du gesagt hast, sind es mehr international, als am letzten Wochenende war es, glaube ich, fast ausgeglichen. Die Ideen waren spannend. Was ich so finde, und das kommen vielleicht auch die Probleme von außen, ist, es kam was mit dem sogenannten Impact Entrepreneurship, was habe ich für eine Wirkung auf die Gesellschaft. Es kam was Nachhaltiges und es kam was Technologisches. Also es ist schon sehr spannend. Wilder Mix. Ein ganz wilder Mix. Und da gibt es so viele Player hier in der Region. Und ich glaube, diese Netzwerke aufzubauen und das predigst du ja auch, ist für eine Hochschule auch wichtig.
Nico Hildmann:Und das bleibt halt, ne? Das ist das wahre Gold, was du dir mitnimmst, egal was du mal machst. Kontakte, Netzwerk, das nimmst du dir mit, ne? Also ich glaube, das Acht ist das eine A und O. Und ich würde, glaube ich, sogar nochmal die Rolle von den Akteuren selbst, also wie euch Professoren, unterstreichen, dass das doch super wichtig ist, dass daraus eine Gründerschmiede, habe ich es jetzt mal genannt, aber diese Denkweise reinkommt, oder?
Volker Bräutigam:Die Denkweise und es ist, glaube ich, für Personen hilfreich, ob sie gründen oder nicht. Also es ist, wir sprechen da auch vom Entrepreneurial Mindset. Ich glaube aber auch umgekehrt, wenn die Hochschule das so im geschützten Rahmen darstellen kann, könnten wir auch dann später, wenn die Generation in der Gesellschaft sind, auch vielleicht dieses Thema ausprobieren, machen und vielleicht auch mal scheitern und wiedermachen, höher bewerten, dass es nicht ein wirkliches Scheitern ist und die Person für immer verbrannt, sondern dass man da ausprobiert. Und ich möchte mal behaupten, dass viele der großen Firmen am Anfang vielleicht doch in der Garage am einen oder anderen auch gescheitert sind.
Nico Hildmann:Ja, genau. Es ist eine Reise, Schritt für Schritt. Und jeder Erfahrungswert prägt halt, ne? Ob auch mal, es gibt die Täler, ne? Absolut. Also sind noch gute Schlussworte, Volker. Also mir hat es wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich hoffe die auch. Ja, super.
Volker Bräutigam:Also macht weiter hier mit Podcast. Ich glaube, das hilft einfach auch, nochmal die Region aufzuklären und zusammenzubringen und Informationen zu teilen. Und wie gesagt, wir machen jedes Event mit euch immer sehr gerne, mit unseren ganzen anderen Partnern. Und da hat die Region da wirklich vieles zu bieten. Und ich glaube, da können wir einfach Vollgas geben.
Nico Hildmann:Absolut immer drauf aufbauen, auf jeden Fall. Also auch an euch Zuhörer und Zuhören. Ich hoffe, es hat euch auch Spaß gemacht natürlich, wenn ihr Gedanken zu dem Thema oder habt, kommentiert gerne die Podcast-Folge, würde man uns freuen, da mit euch auch vielleicht in eine Diskussion zu gehen. So soll das ja auch laufen, eure Gedanken dazu zu wissen. Riesendankeschön natürlich auch an der Stelle nochmal an unseren Staffelpartner, die VR-Bank Main-Rhön, die die Staffel 4 jetzt unterstützt und so möglich macht. Da freuen wir uns natürlich auch. Und ja, an sich, Volker, wenn du noch gerne irgendwie was sagen wollen würdest, hast du noch einen Event-Tipp? Willst du noch irgendwie was loswerden? Dann darfst du das jetzt gerne tun.
Volker Bräutigam:Das ist gut, ein bisschen überraschend, aber Event ist gerade keiner. Unterstützt uns von außen, fragt nach, kommt vorbei. Wir haben eigentlich auch die offene Tür, Philosophie, wenn wir im Büro sitzen, wie ihr, an der Stadtbahn 2.7 auch. Wir unterstützen mit unseren Institutionen. Ich habe Christina mit dem VDU schon genannt. Es gibt den Michael Bleicher mit seinem T3-Terminal, das ist vielleicht ganz interessant, der ein gutes Angebot für Startups hat. Und auch als 97er sind wir immer dabei zu unterstützen. Und ganz voran natürlich das ganze Team von der THWS.
Nico Hildmann:Super. Ja, also ihr hört, Zugänge sind da, es gibt genug Anlaufstellen, wenn man da starten möchte. Ja, vielen, vielen Dank fürs Mitfliegen, Volker. Ich wünsche dir auch weiterhin ganz viel Erfolg bei allem, was du planst, genau noch so in der Pipeline ist und freut mich sehr, dass es dir Spaß gemacht hat. Und ja, bis ganz bald, Volker. Auf jeden Fall, ich komme auch ein drittes Mal. Sehr gerne.