Startbahn27 Podcast – Innovation aus Mainfranken

#099 mit Karina Koberstein: Bundeswehr-Mindset für die Startup-Szene – lösungsorientiert und strukturiert

Nico Hildmann Season 3 Episode 99

Unser heutiger Gast im Startbahn27 Podcast: Karina Koberstein

Karina ist Projekt- und Marketingmanagerin im Starthouse Spessart, dem digitalen Gründerzentrum in Lohr am Main. Zuvor war sie 12 Jahre bei der Bundeswehr – perfekte Grundlage für Themen wie Struktur, Teamführung und Verantwortung für die Startup-Welt. Vor allem aber liebt sie es, Menschen und Ideen in der Region voranzubringen.

Um was es in der Folge geht:

  • Was nimmt Karina aus 12 Jahren Bundeswehr mit in die Startup-Welt?
  • Was macht das Starthaus Spessart genau?
  • Wie berät Karina Gründer:innen, ohne „Besserwisser-Tipps“ zu geben?
  • Warum empfiehlt Karina den „Wingman“-Ansatz zum Netzwerken?

Karinas Podcast-Gast Empfehlung:

  1. Lisa Straub von StellaVent Capital GmbH
  2. Christiane Herbst von Deutsche Rentenversicherung Bund
  3. Matthias Graeber von Impuls Reha- und Gesundheitszentrum GmbH

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Du interessierst dich für Startups, Unternehmertum und Innovation? Im Startbahn27 Podcast interviewt Nico Hildmann inspirierende Gründer:innen, Unternehmer:innen und Visionär:innen aus Mainfranken – mit Fokus auf Schweinfurt und der Region.

Ob Startup-Erfolg, persönliche Rückschläge oder frische Ideen – wir erzählen echte Geschichten aus der Gründerszene und liefern dir wertvolle Learnings und Insights für deinen eigenen Weg.

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Web: www.startbahn27.de
Mail: hallo@startbahn27.de
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Speaker:

Liebe Startups, herzlich willkommen. Wir freuen uns, dass ihr bei uns eingecheckt habt. Unser Team bereitet euch nun auf den perfekten Start voran. Bitte schnallt euch an. Wir heben in Kürze von der Startbahn 27 ab.

Nico Hildmann:

Ja, hallo und herzlich willkommen im Startbahn 27 Podcast. Mein Name ist Nico Hildmann und heute bei mir zu Gast auf der Startbahn ist Karina Koberstein. Karina ist Projekt- und Marketingmanagerin im Starthaus Spessart, dem digitalen Gründerzentrum in Lohr am Main. Und bin ganz ehrlich, für mich optisch das schönste Gründerzentrum, was wir hier in Mainfranken haben. Also wer noch nicht da war, unbedingt mal vorbeigucken. Richtig, richtig cool. Ich bin immer sehr gerne zu Besuch auf jeden Fall. Und ja, Karina hat dann natürlich die klassischen Aufgaben, die Gründerinnen und Gründer zu betreuen und zu beraten, zu unterstützen bei ihren Ideen und bestmögliche Bedingungen natürlich für den Staat zu bieten. Aber was viele vielleicht gar nicht wissen, Karina hat auch eine echt spannende Vorgeschichte. Unter anderem, nämlich beispielsweise, war sie zwölf Jahre bei der Bundeswehr und hat natürlich da echt viel Erfahrung gesammelt, vor allem so in den Bereichen Struktur, Teamführung, Verantwortung im Endeffekt. Also alles, was auch wichtig ist in der Gründerwelt. Und da freue ich mich super, jetzt mal mit ihr über ihren Werdegang zu sprechen und freue mich, dass er da ist und sage herzlich willkommen, Karina. Schön, dass du da bist.

Karina Koberstein:

Vielen Dank für die Einladung. Schön, dass ich heute da sein darf. Tolles Intro. Vielen Dank dafür.

Nico Hildmann:

Ja, natürlich. Also für so einen Gast. Du hast mir im Vorfeld auch gesagt, deine allererste Podcastaufnahme, ne?

Karina Koberstein:

Ja, tatsächlich.

Nico Hildmann:

Freut mich wirklich sehr, dass du die Erfahrung mit uns machen darfst. Das ist echt klasse.

Karina Koberstein:

Ja, wir haben natürlich im Starthaus auch eine Podcast-Ausstattung und so kleine Testaufnahmen hat man da vielleicht schon mal gemacht, aber so einen ganzen Podcast oder eine ganze Folge, die ist so nicht rausgekommen.

Nico Hildmann:

Sehr schön. Und dann wirklich mal wirklich Fokus, nur mal du, deinen Werdegang, finde ich richtig cool. Aber wie jeder Gast, darf sich zu Beginn auch nochmal gerne in deinen eigenen Worten vorstellen. Wer bist du so privat? Was machst du gern? Wer ist Carina?

Karina Koberstein:

Ja, ich fand es ja schon echt schwierig, bevor ich jetzt anfange, mich vorzustellen, man gibt dir hier so einen kleinen Cheat-Cheet ab, ne?

Nico Hildmann:

Ja, genau.

Karina Koberstein:

Sich selbst zu beweichern. Vielleicht habt ihr es auch gesehen, das ist meine erste Eintragung. War so, oh mein Gott, ja. Aber natürlich kann ich mich sehr, sehr gerne vorstellen. Ich sage oft, in meinem ersten Leben habe ich was ganz anderes gemacht und du hast es schon erwähnt. In meinem ersten Leben war ich nämlich Soldatin, war zwölf Jahre bei der Bundeswehr und habe dann einen Schwenk gemacht, habe nochmal studiert und habe mich dann auf die Reise gemacht, wirklich ins Gründerorbit, in meinen Franken Fuß zu fassen. Und so bin ich ins Status Bessert gekommen. Genau. Ich bin ein fränkisches Urgewächs, also ich komme aus der Nähe von Hammelburg. Und mich freut es natürlich total, dass ich, nachdem ich auch in Deutschland unterwegs war, also war in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel mal stationiert, auch wieder zurück sein kann im fränkischen Heimatland und dort mein Unwesen treiben darf.

Nico Hildmann:

Ja, also sehr, sehr cool. Das ist wirklich beeindruckend, was du davor so gemacht hast in deinem ersten Leben, wie du es gerade schon so schön gesagt hast.

Karina Koberstein:

Ich meine, ich habe auch spannende Hobbys. Also ich gehe zum Beispiel auf die Jagd. Auch nicht ganz typisch, einerseits das Hobby an sich, aber vielleicht nochmal on top als Frau. Also ich verbringe auch ganz viel Zeit in der Natur. Ich glaube, das ist auch ein wunderbarer Ausgleich zu dem, was wir tagtäglich sonst so treiben.

Nico Hildmann:

Definitiv. Also wirklich vielseitiger Mensch. Gehe mir auch auf alle Punkte irgendwo in der Podcast-Folge drauf ein, freue ich mich echt schon drauf. Und bevor wir das aber tun, weißt du ja vielleicht, du hörst ja auch ab und an den Podcast hoffentlich.

Speaker:

Natürlich.

Nico Hildmann:

Außerdem starte ich ja immer auch gerne mal mit dem Start unserer gemeinsamen Reise, wo wir uns dann kennengelernt haben oder das erste Mal die Berührungspunkte hatten, weißt du das noch zufällig?

Karina Koberstein:

Ich habe mir tatsächlich vorher Gedanken gemacht, weil die Frage, wenn ich die im Podcast gehört habe, habe ich mir gedacht, ja, wo habe ich eigentlich Nico das erste Mal kennengelernt? Und ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, es war während der Würzburger Webweek, hast du da mal einen Workshop gemacht oder so ein Webinar zum Thema Elevator Pitch und Pitchen?

Nico Hildmann:

Genau.

Karina Koberstein:

Dann habe ich dich da kennengelernt und du warst da, glaube ich, ganz frisch hier in der Region zurück und hast eingeladen auf ein digitales Käffchen. Und da dachte ich mir, ach, der Nico ist ja ganz interessant und das Angebot nehme ich doch mal an. Und so kam das. Und ganz amüsant ist, glaube ich, zu dem Zeitpunkt war ich selbst noch gar nicht in der Gründerbubble. Richtig? Also ich war selber, glaube ich, Campus Weiterbildung, richtig. Genau, an der Schlussleben in Würzburg angestellt, aber mich hatte schon so ein bisschen in die Gründerszene so reingezogen. Und deswegen war natürlich das Thema für mich interessant und klar, du natürlich als Persönlichkeit auch.

Nico Hildmann:

Ja, ist voll cool. Also ich wusste, wir hatten ein digitales Käffchen. Da konnte ich mich daran erinnern. Aber cool nochmal zu hören, ich wusste mal genau, aus was es resultiert ist. Da hat man natürlich, da fokussiert man sich auf den Vortrag und weiß gar nicht genau, wer da so dabei ist. Aber cool, ich kann mich erinnern. Und wir hatten da ein digitales Käffchen und dann weiß ich auch, dass du mich mit einer Kollegin hier im Krips besucht hast, einfach um Hallo zu sagen. Das war, wie gesagt, in dem Bereich Campus Weiterbildung. Und ich meine auch, so ein Aufhänger, glaube ich, könnte gewesen sein. Ich war da in der Planung von dem ersten Test mal, also unserer Testing-Session, und ihr hattet sowas auch.

Speaker:

Ja, genau, genau.

Nico Hildmann:

Und da gab es dann eben diese Schnittpunkte oder Berührungspunkte. Und so hat man das mal als Aufhänger genommen, dass ihr mal hier zu Besuch wart. Und ja, ich sag mal, der Rest ist Geschichte. Mittlerweile sehen wir uns ja sehr regelmäßig, arbeiten viel zusammen. Du bist Mentorin bei unserem Frei-Programm. Also richtig, richtig cool, wie sich das alles so entwickelt hat. Und freut mich auch sehr. Ja, und genau dann würde ich sagen, gehen wir direkt in deine persönliche und berufliche Reise rein. Wir hatten es ja, wie gesagt, schon mal. Also nochmal kurz, um es aufzudröseln. Echt über viele Jahre beim Bund gewesen. Dann aber wirklich einen cutten, einen Schwenk und Richtung Hochschulumfeld bis hin ins Gründerökosystem. Karina, nimm uns doch gern mal mit zu dem Beginn, wie man oder wie du die Entscheidung getroffen hast, ich gehe zum Bund.

Karina Koberstein:

Ja, ich glaube, dazu muss man vielleicht wissen, ich habe es schon mal erwähnt, wo ich herkomme. Ich stamme also aus so einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Hammelburg. Hammelburg ist ein großer Bundeswehrstandort. Dort findet viel Ausbildung der Bundeswehr statt. Auch internationale Kräfte werden dort ausgebildet. Und so hat man eigentlich schon von Kindesbeinen an einen positiven Bezug zu dem Soldatenberuf vielleicht. Und natürlich zu der Zeit, wo ich mich auch entschieden habe, zur Bundeswehr zu gehen, gab es ja die Wehrpflicht noch, also auch mein Bruder war bei der Bundeswehr. Und es waren immer positive Geschichten, die damit verbunden waren. Und so habe ich nach meiner Schulausbildung eine Ausbildung begonnen, zur Verwaltungsfachangestellten und tatsächlich damals in der Bundeswehr Verwaltung. Also ganz normale Angestellte bei der Bundeswehr im zivilen Bereich.

Nico Hildmann:

Okay, also sprich beim Unternehmen Bundeswehr in dem Bereich sozusagen einfach angestellt gewesen. Das heißt, du hast jetzt, weil um ehrlich zu sein, wenn man Bundeswehr hört, denkt man klassischerweise Soldat, vielleicht dann mal Waffe und hoffentlich nicht, aber man könnte sagen, irgendwann meinem Einsatz.

Karina Koberstein:

Genau, und das hat mich ja trotzdem dann, was es ereilt, nicht. Aber ich hatte einen befristeten Vertrag und nach meiner Ausbildung, der Vertrag ist ausgelaufen und dann habe ich so gedacht, was könnte ich denn machen? Und dann war so ein bisschen, naja, ich könnte doch auch Soldatin werden. Weil ich kenne die Bundeswehr jetzt schon, klar, den Verwaltungsapparat Bundeswehr, den kannte ich schon. Und ja, überspitzt sage ich manchmal, obwohl das natürlich nicht der Wahrheit entspricht, ich kann den gleichen Job machen wie vorher, nur dass ich früh nicht mehr überlegen muss, was ich anziehe. Es stimmt natürlich nicht, weil zum Soldatenberuf viele Dinge noch dazugehören, die über den normalen Verwaltungsberuf einfach hinausgehen. Und dann habe ich Ende 2006, ist mein damaliger Vertrag ausgelaufen und im Januar 2007 bin ich dann zur Bundeswehr und hatte mich verpflichtet für zwölf Jahre und war zwölf Jahre Personalfeldwebel.

Nico Hildmann:

Genau, Personalfeldwebel. Da habe ich mich nämlich gefragt, ist das diese, ist das eine klassische Laufbahn oder sind das so Nebenzweige? Weil was ist man sonst? Es ist so eine Offizierslaufbahn, also ich kenne mich wirklich nicht aus. Ich musste nicht, da war keine Pflicht mehr. Kannst du uns da ein bisschen abholen, was waren deine Aufgaben zum Beispiel da als Personalfeldwebel und wie muss ich es mir vorstellen in der Einordnung von der Bundeswehr selbst?

Karina Koberstein:

Also bei der Bundeswehr selbst gibt es verschiedene Laufbahnen, die sind auch vergleichbar mit den Laufbahnen, wenn man ein Beamtenverhältnis hat. Also ich war mittlerer Dienst, könnte man sagen, ich war eine Laufbahn der Feldwebel und war also dann in der Spezifizierung, wenn man so will, Personalfeldwebel.

Speaker:

Okay.

Karina Koberstein:

Ich habe also ganz normal meine Grundausbildung gemacht und bin danach fachlich ausgebildet worden zum Personalfeldwebel.

Nico Hildmann:

Aber hat es irgendwas mit HR zu tun? Das ist es sozusagen. Genau, ja. HR der Bundeswehr.

Karina Koberstein:

Ja, genau. Aber es gibt natürlich, wenn man jetzt im Personalbereich oder wenn man im HR bleibt, gibt sie Personalfeldwebel, es gibt auch Mannschaftssoldaten, die in dem Bereich tätig sind und es gibt auch Personaloffiziere und Personalstabsoffiziere, die jeweils eine Laufbahn höher sind.

Nico Hildmann:

Ja, okay. Und was waren da so deine klassischen Aufgaben? Was musstest du dann tun?

Karina Koberstein:

Ja, das ist ganz vielfältig, weil natürlich kann man jetzt sagen, klassisches Personalgeschäft, aber bei der Bundeswehr, ja, wie ich schon gesagt habe, es ist orientiert am Beamtenrecht. Und da ist natürlich auch viel Bürokratie im Hintergrund laufen, also ganz strikte Prozesse, die da eingehalten werden müssen, auch Fristen, die zum Beispiel eingehalten werden. Und so war ich über die zwölf Jahre hinweg, wie gesagt, in ganz verschiedenen Bereichen tätig. Es gibt zum Beispiel einen Bereich, der sich nur um Eingaben an den Werbeauftragten und um Beschwerden kümmert, dass die eben das Soldaten gehört werden. Und da habe ich zum Beispiel eine ganze Zeit lang verbracht, einfach mir so Ergebnisse aus Ermittlungen in Anführungszeichen zu eigen gemacht und dann Stellungnahmen darauf vorformuliert und einfach da unterstützt in der Recherche und dann einfach, wie man vielleicht dem Soldaten oder der Soldatin Abhilfe schaffen kann, dass das Problem gelöst wird. Aber es hat auch Personalplanung, also dass man auch Mannschaftsstellen ausgeschrieben hat. Zu der Zeit wurde das selbst noch in der Truppe gemacht, also dass man einfach geguckt hat, wie viele Stellen muss ich in zwei Jahren besetzen und hat die einfach zeitgerecht ausgeschrieben, dass die eben entsprechend nachbesetzt werden, aber auch Versetzungsanträge bearbeitet und, und, und. Und dann muss man ja sagen, tatsächlich ist es so, dass man einmal Fachmann oder Fachfrau in seinem Gebiet ist, aber es kommen ja viele andere Aufgaben noch dazu. Also in meiner letzten und längsten Verwendung zum Beispiel habe ich zusätzlich noch so einen sogenannten Dezernatsfeldwebel gemacht. Also in der Struktur gab es Dezernate und dort habe ich halt Dinge organisiert von manchmal rechte Hand des Dezernatsleiders und manchmal hat man. Eine Frau für alles, sozusagen. Ja, genau, genau.

Nico Hildmann:

Was halt so angefallen ist.

Karina Koberstein:

Und dann vielleicht auch Ausbildung. Also ich selber zum Beispiel hatte, ja, zu dem Zeitpunkt, als ich, als ich die Aufgabe übernehmen sollte, war ich so, oh mein Gott, wie soll das funktionieren? Aber tatsächlich rückblickend eine super Zeit und eine super lehrreiche Zeit. Also ich habe selber zum Beispiel mal Grundausbildung ausgebildet als Ausbilderin. Wo man halt in dem Moment, wo man es machen muss, denkt, oh mein Gott, wie soll ich jemandem erklären, wie es funktioniert. Aber natürlich lernt man manche Dinge auch nur so, indem man sie macht. Und wer kann heute von sich behaupten, er hat so eine Ausbildung selber aus, also sowas ausgebildet. Und das sind ja auch Dinge, die mich weitergebracht haben.

Nico Hildmann:

Absolut, ne?

Karina Koberstein:

Und von denen ich heute zehre.

Nico Hildmann:

Genau, und das ist der Punkt. Da will ich später noch drauf, was sich auch geprägt hat. Ich würde aber gerne nochmal nachfragen, noch so ein bisschen zurück, die Entscheidung zum Bund dann zu gehen. Ich habe mir im Vorfeld gedacht, wie hat denn so dein Umfeld darauf reagiert, auf diese Entscheidung? Ich denke mal, spontan im Bauch dachte ich, dass vielleicht Eltern sich denken, oh mein Gott, dann muss die da irgendwie fort oder sowas. Aber jetzt mit deiner Erklärung könnte ich mir auch vorstellen, dadurch, dass Hammelburg so nah ist, dass das immer irgendwie da war, so ein Thema und gar nichts Exotisches in dem Sinne für euch war. Voll.

Karina Koberstein:

Also wie gesagt, mein Bruder hatte da ja schon Erfahrungen gemacht und man muss ja sagen, also jetzt dein Vater vielleicht auch, natürlich war bei der Bundeswehr und es waren immer schöne Geschichten, die er erzählt hat. Also es war nie negativ oder nie, es gab Ärger, sondern es waren immer positive Geschichten und deswegen, glaube ich, gab es gar keine Angst. Bei mir war eher die Familie so, wo ich gesagt habe, zwölf Jahre verpflichte ich mich, die so, oh mein Gott, zwölf Jahre. Und dann habe ich gesagt, Moment, Moment, Moment. Du hast ja Ausbildung in einem Betrieb gemacht, du wurdest, also früher war das ja so, du hast ja Ausbildung irgendwo gemacht, da wurdest du übernommen, schwupps, waren 50 Jahre rum, du bist in den Renn gekommen. Und dann hab ich gesagt, naja, was sind dann zwölf? Also, und im Nachhinein war es auch so, dass du was?

Nico Hildmann:

Geht recht schnell rum. Wie geht's, ja? Okay, ja, aber das ist eine super Erklärung von dir, weil ich habe mir gedacht, ja, erst mal vielleicht erst mal skeptisch, beziehungsweise direkt kam mir noch so im Kopf, es ist ja doch ein männerdominantes Feld. Wie war das für dich? Warst du auch eine Exotin als Frau zu der Zeit? Wie siehst du es heute vielleicht, wenn du da noch einen Blick drauf hast? Also wie war das so für dich? War das eher so, ach, eine Frau beim Bund? Oder genau für diese Aufgabe, wo du warst, waren da vielleicht mehrere Frauen da, hat man ja öfters mal im HR, ne? Jetzt auch heutzutage.

Karina Koberstein:

Tatsächlich gibt es ja Soldatinnen seit 2001 in allen Bereichen. Vorher gab es eben nur im medizinischen Bereich Frauen und wie gesagt, seit 2001 in allen Laufbahn und in allen Bereichen. Und ich kam eben 2007 dazu und dann denken wir jetzt erstmal so, naja, komm, da ist ja schon überall Frau. In manchen Bereichen war das auch so, aber ich habe es auch erlebt, dass ich ganz vorsichtig behandelt wurde oder so, ah Gott, wie spreche ich jetzt mit der? Weil ich halt die erste Frau in der Einheit war zum Beispiel. Und dann war man natürlich auch mit Vorteilen konfrontiert und ja, natürlich, oder manchmal war man natürlich auch damit konfrontiert, so Macho-Gehabe.

Nico Hildmann:

Ich wollte jetzt sagen, Thema Respekt, wie war das so für dich? War das eher so von der Frau, lasse ich mir jetzt nichts sagen? Na, guck mal, jetzt, wenn man mal zurück, das sind 20 Jahre her.

Karina Koberstein:

Ja, also das gab es nie. Eher so Vorbehalte, schafft die das, kann die das wirklich? Und dann, naja, gut, dann muss man sich halt beweisen und man macht sie auch gerne. Also und dann bin ich auch gerne bereit, andere vom Gegenteil zu überzeugen oder einfach zu zeigen, hey, Frauen können genau dasselbe leisten wie ein Mann auch. Ganz einfach. Ich sag mal, insbesondere in den fachlichen Bereichen, ja. Also als Personalverwebel, es gab da überdurchschnittlich viele Frauen, würde ich jetzt mal meinen. Natürlich ist man dann auch einfacher irgendwo integriert. Aber es gab gerade, wo ich Grundausbildung ausgebildet habe, ich war die erste Frau in dem Bereich, da hat man natürlich gedacht, oh Gott, das klappt niemals. Und am Ende war so, ja, krass. Sie hat uns echt gesehen.

Nico Hildmann:

Genau, dieses Rezept erarbeitet oder diesen Zweifel widerlegt, den man vielleicht am Anfang hat. Aber ich finde auch, dass insgesamt sowas schleift dich ja dann auch dich durchzusetzen. Ich finde immer, ich verbinde auch Bundeswehr vor allem mit strukturklare Ansagen. Einfach auch, das ist jetzt so Punkt oder das wird jetzt gemacht, Punkt. Zieh's durch. Und ich glaube, das kannst du, glaube ich, dann auch ganz gut. Oder man hat sich dahin entwickelt, jetzt vor allem auch bei als Ausbilderin, du musst einfach klare Ansagen machen und es wird dann gemacht. Und das natürlich finde ich, glaube ich, auch vor allem dann in dem Bereich, ich bin eine Frau, ich mache eine Ansage an einen Jungen, der sich jetzt denkt, vielleicht wunderschwas, was er ist. Aber es wird jetzt halt durchgezogen. Glaube ich, ganz, ganz spannend. Dementsprechend auch, wolltest du auch sagen oder hast schon angeteasert, das hat dich natürlich auch nachhaltig geprägt. Ich meine, zwölf Jahre auch so schnell sie rumgegangen sind, vielleicht vom Gefühl her, ist es natürlich eine lange Zeit. Da gab es natürlich jetzt mit Sicherheit unglaublich viele prägende Ereignisse, aber hast du für dich, sowohl positiv als auch negativ oder sowas, so ein entscheidendes Ereignis oder eine Situation, wo du sagst, bis heute begleitet es mich oder hat mich dahingehend beeinflusst, irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Gibt's das sowas, was dir ad-hoc in den Kopf kommt?

Karina Koberstein:

So ganz ad hoc, ich würde eher lieber nochmal ein Schritt weiter vorgehen. Vielleicht, das spielt auch damit rein, wie die Entscheidung gefallen ist, nochmal zur Bundeswehr zu gehen. Ich hatte damals eine, also ich hatte eine Panne, wo ich angestellt war bei der Bundeswehr. Ich hatte eine Panne, Auto, Schwarzschrott. Und dann bist du ja schon so, oh mein Gott, was mache ich jetzt? Und ich war zwar nicht zu Hause, sondern in Baden-Württemberg. Und dann habe ich halt dort einen Haupfelwibel angerufen, der in der Instandssetzung gearbeitet hat. Und es war mitten in der Nacht und ich sage, ich habe jetzt hier eine Panne, was soll ich machen? Und der sagt, bleib, wo du bist, wir kommen. Und dann kam der und hat mich heimgebracht und hat auch Richtung das Auto gekümmert, die haben das dann schon mal in die Werkstatt gefahren und so. Und mich hat mega beeindruckt. Weil da war ich das erste Mal, glaube ich, mit dem Kameradschaft konfrontiert. Dass jemand nachts für dich aufsteht, ohne dass er eine Gegenleistung erwartet, außer ein Dankeschön, war da nicht notwendig. Sondern dass wirklich jemand sagt, natürlich, wenn du ein Problem hast, dann rufst du an und dann versuchen wir das zu lösen. Und das ist vielleicht auch eins, was mich über die ganze Bundeswehrzeit auch so getragen hat. Also einmal natürlich das Thema Kameradschaft und auch das, wir lösen auch Probleme.

Nico Hildmann:

Ja. Und noch zu darauf das Interpretieren, mach dir keine Gedanken so. Also es ist, man wird ja dann, glaube ich, sehr demütig auch. Und sagt, boah, krass, ne? Der erwartet ja gar nichts. Und genau das, glaube ich, nimmt man dann auch für sich so mit auf und sagt so, ey, wie du mir so ich dir oder jemand anderes. Absolut, absolut. Weil du warst ja selber auch in der Situation. Also ich glaube auch genau das, ne, das zielt ja vor allem drauf ab, was ich dich gerade frage. Ich glaube, bis heute ist das wahrscheinlich das, was dich so mitnimmt, wenn das einer der ersten Gedanken ist, was auch die Entscheidung bekräftigt hat, ich will da gern da bleiben und dieses Gefühl weiterhaben der Kameradschaft, ist ja Hammer.

Karina Koberstein:

Das ist ja auch, das ist ja auch irgendwo, da geht es ja, also nirgendwo kann man ohne das, wie auch immer man das nennt, ob es Kameradschaft ist oder Teamgeist, dass man füreinander einsteht. Das ist doch egal, in welchem Bereich super wichtig. Absolut, absolut. Und das ist vielleicht auch noch dann ein weiterer Schritt, als ich Grundausbildung zum Beispiel gemacht habe. Natürlich kommt man da mega oft an sein. Also ich kam relativ schnell, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich dachte so, ja, drei Monate vorher mit dem Training anzufangen, ein bisschen laufen zu gehen, das wird schon reichen. Ja, leider nicht. Und dann kommt man natürlich an körperliche Grenzen. Und das ist vielleicht was. Das kann man fast nirgendwo anders, glaube ich, erleben. Weil jede Phase deines Körpers schreibt, ich kann nicht mehr und ich will aufgeben. Und dann kommt auch wieder verschiedene Faktoren kombiniert. Dann zusammen. Einmal wieder natürlich die Kameradschaft, dass jemand sagt: Komm, Carina, wir ziehen es gemeinsam durch. Oder dass mal jemand sagt, gib mir mal deinen Rucksack. Ich trage mal eine Weile deinen Rucksack. Oder dass jemand dich mal am Rucksack festhält und dich ein Stück mitzieht. Und dass du das nur in der Gemeinschaft schaffst und dass du auf einmal so erkennst, gerade eben hat mein Körper noch gesagt, ich kann nicht mehr. Und dann passiert was. Und das ist Magie, weil du kannst das überwinden. Und du kannst noch viel mehr, wenn dein Körper also schreit, du kannst nicht mehr, dann sind die Reserven noch lange nicht aufgebraucht. Und vielleicht ist das auch ja auch wichtig, diese Erkenntnis auch für Startup Live, dass man sich mit Leuten umgeben muss, die im Zweifelsfall mal deinen Rucksack tragen und sagen, hey komm, wir ziehen das gemeinsam durch. Also natürlich soll man nicht blindlings in irgendwelche Dinge rennen, aber wenn man sich, egal ob im beruflichen Leben oder im Startup sich mit Leuten umgibt, die bereit sind, es zu tun, dann kann man ja gemeinsam alles schaffen.

Nico Hildmann:

Absolut, absolut. Finde ich ein ganz, ganz tolles Bild, was du da so auch malst im Kopf mit der Beschreibung. Weil genauso ist es einfach, dieses, das ist ja ein innerer Schweinehund bekämpfen, aber durch dein Umfeld, das dich dann trägt in dem Sinne. Ich kann mich, so ein Bild, was mir gerade in den Kopf gekommen ist, so ein kleiner Schwank. Wir hatten mal so einen kleinen Workshop von einer, die Social Entrepreneurship Professorin war und hat zu einer zu einem gesagt, klebt mal einen Post-it zu hoch, es geht an die Wand. Dann ist er hochgesprungen, hat ihn an die Wand geklebt, sau hoch. Tatsächlich. Und dann hat sie noch eins gegeben, und gesagt, jetzt mal drüber kleben. Und ich gesagt, okay, springt und natürlich hat es drüber geklebt. Also es geht immer höher hinaus. Und das ist so einfach eine Visualisierung, wo ich sage, ja krass, also es geht eigentlich immer weiter, auch wenn du denkst, es war schon das Maximum. Also super, was du da beschreibst. Jetzt kam aber dann ja irgendwann Cut. Erzähl mal, was waren da die Gedanken? Jetzt waren zwölf Jahre rum. Ja, wurde es einfach nicht verlängert, hast du gesagt, jetzt mal wieder was Neues oder genau, wie kamst du zu diesem Cut und die Uniform beiseite legen?

Karina Koberstein:

Ja gut, ganz beiseite gelegt habe ich sie tatsächlich gar nicht. Ja, es ist so, ich habe mich beworben damals zur Übernahme in die Laufbahn oder als Berufssoldatin. Und zu der Zeit gab es halt nicht so viele Stellen und verschiedene Faktoren haben da zusammengespielt. Also okay, es hieß, liebe Carina, wir wollen dich nicht als Berufssoldatin übernehmen. Okay. Und dann muss ich sagen, ganz, ganz viele hadern damit. Und ich habe gesagt, ja, munterputzen, weiter geht's. Also es wäre gar nicht ausgeschlossen gewesen, dass ich das nicht trotzdem hätte erreichen können. Aber ich habe dann für mich gesagt, nee, wer weiß, für was das gut ist, jetzt diese Entscheidung zu bekommen, auch vielleicht relativ früh und dann zu sagen, ich mache meinen Job hier zu 100%, aber ich habe Ressourcen, die ich einfach in andere Richtungen stecke. Und ich glaube, das kann ich, also da wird jeder meiner früheren Kollegen oder Kameraden genauso unterschreiben, dass ich immer 100% gegeben habe bis zum letzten Tag. Aber dass es ja auch gut ist, diese Entscheidung einfach vielleicht abgenommen zu bekommen, dass man sagt, ich springe nicht durch jeden brennenden Reifen, ich beende meine Dienstzeit und dann fokussiere ich mich neu. Und dann war für mich eigentlich relativ schnell klar, weil es gibt Berufsförderung bei der Bundeswehr. Dass ich also dann auch mal studieren möchte, ja, der Bereich war klar, irgendwie so Betriebswirtschaftslehre, weil damit machst du dann schon irgendwas so, ne?

Nico Hildmann:

Das ist eine gute Basis, ne? Irgendwo für was weiter. War es schwer für dich? Man sagt ja immer, es ist immer einfacher, nennen sie jetzt mal wirklich so gleich nach dem Abi oder sowas, dann, du bist ja noch im Lernen drin. War es dann schwer, da reinzukommen in so ein Studium oder ging?

Karina Koberstein:

Ich fand eigentlich, es ging, aber ich glaube, weil.

Nico Hildmann:

Du hast du 100% gemacht hast.

Karina Koberstein:

Nicht nur zu 100%, aber weil ich jetzt nicht zwölf Jahre denselben, also ich hatte, war zwar zwölf Jahre Personalverwebel, aber ich hatte nicht zwölf Jahre denselben Dienstposten. Sondern du musstest dich immer auf andere Dinge einstellen und neue Dinge dazulernen. Und deswegen warst du ja, ja, du warst okay damit, einfach Dinge neu zu machen. Also halt an oder anders zu machen. Und klar, jeder, der Studium beginnt, sagt er schon mal, oh mein Gott, wie soll ich das lernen? Und ich sagte zum Beispiel, ich hatte totale Probleme mit allem Mathematischen Food könnte mir gesagt, BWL ist dann nicht die richtige Geschichte. Aber ich habe gesagt, nee, ich nehme die Herausforderung auch an. Und ich hatte ja einen Top, ich habe ja kein Abitur. Also ich bin ja sogenannte beruflich Qualifizierte gewesen und konnte deswegen studieren.

Nico Hildmann:

Ah ja, okay. Ja, auch spannend, ne, tatsächlich. Aber natürlich dann eine ganz andere Seite der Medaille.

Karina Koberstein:

Und da muss ich erst sagen, das habe ich im ersten Jahr, vielleicht, wo ich studiert habe, du fängst, also du identifizierst dich ja mit dem Soldatenberuf. Also du bist mit jeder Faser deines Körpers, irgendwie bist du Soldatin, wenn du dich irgendwie vorstellst, bist du die Soldatin und so warst auch die ersten, das erste oder zweite, bis im zweiten Semester im Studium. Du hast dich selber identifiziert als ich bin die Soldatin Carina. Und dann ist es irgendwann gebröckelt.

Speaker:

Ja.

Karina Koberstein:

Und dann bist du, naja, irgendwie bin ich es aber ja nicht mehr so richtig. Und dann war es für mich eher so schwierig, also gar nicht mit dem Lernen oder mit dem Studieren, sondern du musst dich dann neu erfinden, fast schon. Du musst brauchst eine neue Identität, weil du dann sagst, ich fühl das nichts mehr so, die Soldatin, die gibt es noch. Und ich habe ja auch gesagt, ich bin's auch weiterhin mit der Welt.

Nico Hildmann:

Klar, oder die wird kleiner halt, einfach mit den neuen Erfahrungen.

Karina Koberstein:

Und dann musst du dir halt überlegen, okay, wer bin ich denn dann jetzt? Und was mir auch im Studium noch aufgefallen ist, dass ich natürlich innerhalb der Bundeswehr wunderbar vernetzt war, aber außerhalb des Studiums kannte ich keine Sau. Also weniger halt. Und dann musste ich mich so ein bisschen erinnern, an meinen Vater, der immer gesagt hat, unwichtige Leute kennst du genug. Müsst ihr noch ein wichtiger kennen. Und dann dachte ich, ja, okay, jetzt fängst du mal an, Klinken zu putzen. Und dass man halt sich ein Netzwerk aufbaut. Das ist, glaube ich, das ist super wichtig. Also das ist, glaube ich, auch der absolute Pro-Tipp, einfach sich zu vernetzen. Ich sage das auch immer, Gründern, die bei uns im Starthaus zum Beispiel sind. Treibt euch rum, geht in jedes Gründerzentrum, stellt euch vor, pitcht bei jedem Event, weil ihr lernt neue, ihr lernt neue Leute kennen, ihr erschließt euch ein neues Netzwerk, ihr kriegt neue Tipps und ja.

Nico Hildmann:

So wächst man. Genau. Definitiv.

Karina Koberstein:

Und das musste ich dann halt auch wieder machen.

Nico Hildmann:

Ja, war es aber schwierig, ja, wie soll ich sagen, also es war ja nicht bewusst, so ein bisschen diese Soldatenattitüde abzulegen. Also ich denke mal so, wie gesagt, das ist für mich so klare Ansagen, das war wahrscheinlich noch da, oder?

Karina Koberstein:

Ja, schon könnte auch sein, dass ich das ein oder andere mal angeeckt bin. Weil man, ja, man, man schwavelt nicht viel drum, sondern man spricht die Punkte an und wie so Sinn und fertig, ja. Also ich habe zum Beispiel auch im Studium ein paar Leute ermahnt, oder man kann ja sagt, darum gebeten, das stimmt ja auch nicht ganz, aber halt ihren Müll wegzuräumen. Und das halt unmissverständlich, weil ich brauche da nicht zu sagen, würdest du mal bitte und wärst du so nett, sondern räum deinen Scheiß weg. Also was ist da dran, also warum soll ich drum herum reden? Und natürlich gab es da auch, also ich hatte ein Erlebnis, da habe ich auch, ich weiß gar nicht, was ich da gesagt habe, und dann haben sich die Augen mit Tränen gefüllt, weil ich halt sehr deutlich war. Und ich habe es überhaupt, ich habe es null persönlich gemeint, mir ging es immer um die Sache. Und dann habe ich so festgestellt, uh, das könnte vielleicht zu viel sein. Und dann lernst du ja auch dazu. Absolut, absolut cooles Leben. Dann fragst du halt freundlich, wärst du so gut? Ich habe zum Beispiel auch immer gesagt, bist du böse, wenn du WhatsApp schickst, du schickst nie ein Smiley mit. Weil ich dachte, ja, hä, Smiley mitschicken, das ist doch vollkommen verschwendet. Aber ich habe dazugelernt, ich schicke jetzt auch Smileys und Herzchen und keine Ahnung. Das hat einen ganz anderen Ton irgendwie.

Nico Hildmann:

Also wirklich, eine ganz andere Wahrnehmung, wo man sagt, weil ich mach immer mit Smileys, ne? Merkst du ja. Und wenn ich mal nichts machen würde, ich glaube, das würde auffallen, wenn man so hat Nico Gehtzen dazu.

Karina Koberstein:

Also bei mir waren die Smileys, gab es praktisch gar nicht. War nicht notwendig, weil bam, bam, bam, da hat man einfach ganz klar rausgehauen und fertig.

Nico Hildmann:

Aber also wirklich, ich finde es so spannend, das ist ja immer dann so eine neue Eigenschaft dazu gewinnen. Oder die, die, die, ich meine, die war ja schon da, ne? Aber ich meine, also die ein bisschen bedeckt halt durch dein vorheriges Umfeld. Jetzt hast du ganz neue Menschen, wo du auch damit zu tun hast oder umgehen musst.

Karina Koberstein:

Du kriegt mir auch immer mal, ja, vorgeworfen ist vielleicht das falsche Wort, aber das kriegst du ja vielleicht auch gesagt, ah, ihr in eurem Startup-Slang. So, ne? Aber man ist halt in irgendeinem Kosmos oder in irgendeiner Community und dann spricht man halt so. Absolut. Und so ist es halt bei der Bundeswehr gewesen, dass man relativ deutlich und klar einfach rauskommen hat, was man wollte. Und so passt man sich ja auch in einem neuen Umfeld einfach entsprechend an, andere Sprachgebrauch zu machen, ne? Ja.

Nico Hildmann:

Ja. Aber weißt du, ich finde es dann spannend. Also du hast ja dann fertig studiert. Bist du dann direkt zur Hochschule dann gekommen oder hast du nochmal davor was anderes gemacht?

Karina Koberstein:

Ich habe einen kleinen Schwenk gemacht bei der Universität.

Nico Hildmann:

Ah, ja, okay.

Karina Koberstein:

Aber ja auch in der Personalstelle. Ich dachte so, hey, komm, Personalstelle, ja, das passt schon. Uni, ja, komm, sichere Bank. Aber hab relativ schnell gemerkt, also ich glaube, ich habe vier Tage gebraucht, um zu sagen, hier kann ich maximal meinen Vertrag erfüllen. Ein Jahresvertrag hatte ich damals. Und dann musste du dir was anderes suchen. Und das hat, das hat ein Vierteljahr gedauert und dann habe ich gesagt, nee, ich mach wieder was anderes. Ja, okay. Aber ich muss tatsächlich sagen, mich hat während dem Studium vielleicht das schon gepackt mit der Gründerszene, weil du wählst ja Schwerpunkte im BWL-Studium und dann gab es auch den Schwerpunkt Entrepreneurship. Und ich hätte das gerne auch gemacht, aber damals stand in den Beschreibungen, du brauchst eine Gründungsidee. Und ich hatte halt keine. Und dann war für mich so, ja gut, du hast keine Gründungsidee, dann kannst du den Schwerpunkt nicht studieren. Und dann habe ich, habe ich auch was Gutes anderes. Ich habe Personalmanagement und Organisationsentwicklung dann in den Schwerpunkten studiert. Aber dieses Gründen, das hat mich da eigentlich schon ein bisschen angefixt. Ich habe auch immer zu meinen Kommilitonen und Kommilitonen gesagt, habt ihr nicht eine Idee, weil ich würde all ingehen. Also wenn ihr eine Idee habt und die passt, ich springe mit drauf.

Nico Hildmann:

Ja.

Karina Koberstein:

Aber es hat sich nicht ergeben und dann war es eher so, naja, vielleicht könnte ich ja Gründerkosmos trotzdem bleiben. Und dann, ja, dass ich da falsch abgeboren bin zur Uni, ja, kann passieren. Aber dann hat es mich eigentlich relativ schnell gepackt, dass ich gesagt habe, jetzt suche ich mir genau dieses Umfeld, die mich da so oder was zumindest Gründerszene streift. Also dass ich dann an die Hochschule bin und war dort im Bereich Campus Weiterbildung eben tätig. Das war schon genau in die Richtung.

Nico Hildmann:

Genau. Und dann ging es ja wirklich in die Richtung mit deinem Start beim Starthaus in Lohr. Da vielleicht da auch die, ja, ich sag mal so, oder was mir auffällt vor allem, wenn man mal jetzt so deinen Werdegang so hört, ne, ich glaube, da zieht sich der rote Faden durch, dass du immer was mit Menschen gemacht hast. Dass das irgendwie so dein Mittelpunkt, dein Fokus begleiten, unterstützen, verbinden, was du ja auch schon ein paar Mal unterstrichen hast, was ja unser A und O ist, Netzwerk, ne? Aber das ist so ein roter Faden, oder?

Karina Koberstein:

Ich komme aus einer Gastrofamilie.

Nico Hildmann:

Ja, okay.

Karina Koberstein:

Also meine Großeltern hatten so eine kleine Gaststätte, später hat die meinen Onkel weitergeführt. Und da ist das vielleicht dieses Netzwerken und mit Menschen in Kontakt sein, das ist einem halt in die Wiege gemacht. Also das, was heute meine Nichten und Neffen, die rollen mit den Augen, wenn sie mit meiner Mutter unterwegs sind und die kennt halt jeden und dann muss sie überall anhalten und wird dann gefragt, wie sie geht und dann werden Geschichten ausgetauscht. Und wenn du halt damit aufgewachsen bist, dann kannst du gar nicht anders. Dann bist du leutselig, dann bist du Gastgeberin, dann bist du herzlich, dann lädst du Leute ein. Einfach das, ja, das ist.

Nico Hildmann:

Aber weißt du, das dann auch zu deiner Berufung zu machen, das zieht sich ja durch.

Karina Koberstein:

Das ist vielleicht eher ein Zufall.

Nico Hildmann:

Okay. So ein unbewusster Zufall, aber das mir direkt aufgehört, die macht immer was mit Menschen. Das ist immer der Mittelpunkt, dass du was für die anderen machst. Also das finde ich echt super spannend. Und dann aber auch genau das Spannende, du bist jetzt im Gründerbereich gekommen, ne? Von, ich sag mal, Struktur, Regeln hin zu dynamisch, flexibel, vielleicht auch ein bisschen chaotisch. Bewusst ausgesucht, weil du vielleicht davor so lange geprägt wurdest, hinsichtlich vielleicht Regeln und so weiter. Oder war das ein Schock für dich, sag ich mal, dann in die Szene zu kommen?

Karina Koberstein:

Ich glaube nicht, weil da muss ich dir so ein bisschen widersprechen. Natürlich ist die Bundeswehr ein riesen Verwaltungsapparat. Aber die Grundsätze des agilen Arbeitens kommen aus dem militärischen Bereich. Und ich habe zum Beispiel, solange ich bei der Bundeswehr war, nichts von agilem Arbeiten gewusst. Und hinterher, weil ich hatte mal einen Vorgesetzten, wir waren so ein kleines Fünfer- oder Sechser-Team und hat uns jeden früh zusammengeholt. Und dann standen wir bei ihm in Byron und es hat maximal zehn Minuten gedauert. And jeder hat Zoray umerzählt, was er heute zu tun hatte und was er abgearbeitet hat. And er, also auf der Vorgesetzte selbst, hat er gesagt, ja, und ich habe heute das vor und ich habe da dran und da habe ich noch ein Problem. Und du warst über alles informiert. And hinterher, also nach meiner aktiven Bundeswehrzeit war so, ha Moment immer, das war agiles Arbeit. Richtig. Also du warst in einem strengen Konstrukt, yeah, and natürlich überall da, wo militärische Entscheidungen getroffen werden müssen. Da brauchst du eine klare Ansage. Und da gibt es einen that. But ansonsten is aus meiner Sicht Bundeswehr immer lösungsorientiert. Ich hätte zuvor gesetzt niemals mit einem Problem kommen. Ich bin immer gekommen, I have a problem, but I had these Lösungen anzubieten. Also ich war immer so conditioned, wenn man so will, einfach mitzudenken and my lösungen mit zu präsentieren. Und nicht selten sind auch meine Lösungen genauso oder meine Lösungsvorschläge genauso umgesetzt worden. Also ja, einerseits Struktur, andererseits viel Freiheit, oftmals so da wollen wir hin, finde einen Weg. Und dann hast du das selber entschieden, wie du da hinkommst. Und da warst du ja frei in der Gestaltung.

Nico Hildmann:

Also sprich die Werte, die du so gelernt hast, super gut umsetzbar in dem Gründerumfeld auch. Klar, natürlich, spannendes Ding, weil du hast ja immer mit unterschiedlichen Menschen wieder zu tun, die einen Plan für sich haben. Aber man weiß ja gar nicht, ob das dann klappt oder nicht. Das ist ja dann, ich sag mal, auch unsere Aufgabe von Gründerzendern, die einfach zu begleiten, zu unterstützen.

Karina Koberstein:

Aber ich glaube, ich meine, ja, bei der Bundeswehr, oder ich weiß gar nicht, irgendjemand hat mir mal gesagt, der Personalfeldwebel hätte 1200 Prozesse, die er so können muss. Ja, Wahnsinn, ne? Aber vielleicht bringt das auch einen Vorteil für Gründer, jetzt, wenn du die berätst, weil viele Gründerteams kommen irgendwann an den Punkt, wo sie sagen, wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn ich jetzt wachsen will, dann brauche ich auch ich eine Struktur und dann brauche ich auch einen Prozess. Und natürlich habe ich dann auch die Erfahrung, das zu begleiten oder da mal einen Tipp zu geben, wie man das Thema angehen könnte. Also ich glaube, da ist es wieder gut, die Kenntnisse zu haben von wie geht eigentlich so ein Prozess. Oder wie schreibt man das jetzt auf?

Nico Hildmann:

Ja, also finde ich echt spannend, wie sich das dann alles so fügt, dass das alles wirklich doch irgendwie am ersten Moment denkt man, das passt ja gar nicht zusammen, aber doch irgendwie schon. Ja, also vielleicht, weil wir haben es ja schon ein paar Mal angesprochen, vielleicht kennen aber manche noch gar nicht Starthaus. Magst du nochmal kurz erzählen? Für mich, wie gesagt, optisch das Schönste. Und ich bin immer super gern zu Gast natürlich. Ist leider nicht halt so um die Ecke. Aber magst du nochmal erzählen, als digitales Gründerzentrum, für was seid ihr dann so zuständig? Was ist euer Fokus?

Karina Koberstein:

Ja, unser Fokus sind natürlich digital und innovative Gründer und Gründerinnen aus meinem Spessart. Und die begleiten wir von Idee bis zu Business, sagen wir so, ja, gängige Aussprache oder wie man so sagt, ne? Bei uns sind viele Startups oder Gründerinnen und Gründerinnen, die noch recht frühphasig sind. Aber das macht natürlich auch Spaß, mit denen zusammenzuarbeiten. Oder ja, da sind die Fragen noch so basic. Und da, glaube ich, kann man noch als Berater, Beraterin, ich bezeichne mich eigentlich nicht als Beraterin. Wir sagen im Status, wir begleiten Gründer und Gründerinnen. Aber natürlich sieht man da tollen Fortschritt und irgendwie, das ist, glaube ich, das Schöne, das wirst du wahrscheinlich bestätigen können, wenn so Gründer und Gründerinnen so frühphasig kommen und haben dann die ersten Erfolgserlebnisse, man fühlt es ja immer mit. Also man fühlt sich immer als Teil des Teams. Und das finde ich schon gut.

Nico Hildmann:

Weißt du, was ich sehr, sehr gerne mag, vor allem bei frühphasigen oder bei Gründungsinteressierten, die noch so am Anfang sind, dieser Mehrwert ist nochmal viel, viel mehr einfach so zu beginnen und das so mitzuerleben, wie die sich. Das finde ich richtig geil. Und dann, es ist aber, das sage ich auch immer, Leute, ihr müsst euer Unternehmen führen.

Karina Koberstein:

Aber irgendwann muss das dann auch mal funktionieren. Wir können ja keine Entscheidung treffen.

Nico Hildmann:

Genau.

Karina Koberstein:

Also wir können immer nur begleiten. Wir können vielleicht mal aufzeigen, was möglich wäre. Und ich tue mir auch schwer, wirklich jetzt Tipps zu geben. Ich versuche das eher immer so zu lösen, ich stelle Fragen, die Gründer und Gründerinnen beantworten, für sich selbst beantworten müssen und daraus selbst die Lösung finden.

Nico Hildmann:

Genau.

Karina Koberstein:

Weil am Ende ist es deren Business. Absolut. Und ich kann, ich kann die Entscheidung nicht tragen. Ich kann die Verantwortung nicht tragen, weil ich es, weil das geht einfach nicht.

Nico Hildmann:

Ja, richtig. Also dementsprechend super wichtig. Also ich unterstreiche es nochmal, guckt gerne mal vorbei, ist wirklich richtig, richtig cool. Ihr habt auch tolle Veranstaltungen, tolle Programme. Ja, also wirklich ein Besuch in Lohr ist es auf jeden Fall wert. Und ja, ich habe es ja vorhin schon gesagt, du bist ja auch super umtriebig, bist bei uns Mentorinnen, Programm, also die Teams, die sich dann für nächstes Jahr Flight bewerben. Da wirklich kommt, bewerbt euch, dann ist Carina auch wieder am Start.

Karina Koberstein:

Und zum Beispiel zuletzt, wo ich bei dir zu Gast war als Mentorin, das habe ich immer im Urlaub gemacht. Weil ich halt so, na ja, aber weil mir das auch viel bedeutet. So weil ich gerne einfach Teil des Ganzen bin. Und das finde ich hier zum Beispiel in Mainfranken super. Jeder ist bereit oder ganz, ganz viele sind bereit, ihr Wissen zu teilen. Und geben einfach da was zurück. Und so sehe ich es auch. Also ich gebe da auch gerne meine freie Zeit rein.

Nico Hildmann:

Auch so wieder ein bisschen Thema Kameradschaft. Man gibt es einfach wieder. Also das finde ich ein schöner Bogen gespannt dann letzten Endes zum Beginn. Bevor ich nämlich zu meinen obligatorischen letzten beiden Fragen komme, du siehst so eine kleine Tasse neben mir. Ich meine, ich habe, es sind doch ein paar Fragen geworden wahrscheinlich. Ich ziehe einfach mal, das ist so eine Art Quickfire gegen Ende der Podcast-Folge. Kannst einfach mal raushauen, antworten zu den Fragen. Hast du Bock? Ja, na klar. Sehr schön, okay. Dann schauen wir mal, was da so vorbereitet wurde. Okay, vielleicht ganz einfach mal gucken. In welcher Situation bist du? Du so richtig in deinem Element.

Karina Koberstein:

Puh. Das finde ich echt, finde ich echt schwer. Ich glaube, in meinem Element bin ich schon, du hast es schon gesagt, so unter Menschen.

Nico Hildmann:

Absolut, oder? Einfach gesagt.

Karina Koberstein:

Und vielleicht noch irgendwie so, ich bin, ich bin, ich sage immer, ich bin vielseitig interessiert, um nicht zu sagen, ich bin neugierig. Aber so hinter die Kulissen zu gucken, das ist auch, das finde ich auch. Da bin ich auch voll über dem Ding.

Nico Hildmann:

Finde ich sehr, sehr gut. Dinge ausprobieren, du hast ja gesagt, mit Podcast Studio schon mal gespielt, ne? Und jetzt heute zum ersten Mal die Aufnahme.

Karina Koberstein:

Also das ist auch sowas, gell? Also ich finde, ich sage Learning by pushing. Sag ich ja gerne. Ja, dass man Dinge einfach ausprobiert und was soll schon passieren, gell? Also einfach mal rumdrücken und dann wird man schon sehen was passieren?

Nico Hildmann:

Bin ich voll bei dir. Okay, wunderbar. Nächste Frage. Okay, habe ich schon des Öfteren gestellt, manche strugglen, ich bin mal gespannt, was du sagst. Was hast du im letzten Jahr über dich gelernt, was dich selbst überrascht hat?

Karina Koberstein:

Puh, was mich selbst, oh, das ist.

Nico Hildmann:

Gab es irgendwie vielleicht sowas wie eine Situation, wo du gedacht hast, oh, da bin ich ängstlich, aber war es da nicht? Also das war mal zum Beispiel als eine Antwort oder sowas, ne? Manche haben aber gesagt, ich hoffe, aber ich weiß es gerade nicht. Ich überlege mal oder sowas. Würdet dir spontan irgendwas kommen?

Karina Koberstein:

Nee, ich glaube, ich würde die Frage aber mitnehmen. Die nehme ich dir mit.

Nico Hildmann:

Die lege ich dir schon mal so raus. Alles gut. Ja, gar nicht so einfach, aber irgendwas muss ja sein, ne? Zwölf Monate, ist ja auch ein bisschen, was man da über sich so lernt. Aber ich glaube, ich kenne die Antwort, ich bin mal gespannt. Dein Lieblingsort, um den Kopf freizukriegen, wo finden wir dich da?

Karina Koberstein:

Ja, ganz klar, auf irgendeinem Hochsitz. Ich wollte es ganz schön. Am liebsten auf dem, den mein Papa für mich gebaut hat, wenn ich damals Jägerprüfung gemacht habe, hat es wohl den schönen Namen Carina. Oh, sehr schön. Oder hat mein Bruder damals so eingefräst und da sitze ich gerne. Am liebsten tatsächlich früh, wenn die Sonne aufgeht. Ich glaube immer, da bleibt ganz vielen Leuten so viel verborgen. Also echt ein absoluter Tipp, geht mal raus zu Sonnenaufgang, hört, wie die Vögel zwitschern oder wie die erst anfangen zu zwitschern. Vorher ist es vielleicht noch ganz leise. Und das ist Magie.

Nico Hildmann:

Vor allem aber dann wahrscheinlich Sommer, weil jetzt, was weiß ich, wann gehen die Sonne auf um 8.

Karina Koberstein:

Das ist doch super, da kann man einfach sauschlaufen.

Nico Hildmann:

Ja, leider muss man arbeiten. Aber ich denke mal so, so ein klassischer Jäger ist ja dann, was weiß ich, mal so zwischen, also vor der Arbeit auch unterwegs, vor der eigentlichen, oder? So fünf bis sieben oder sowas?

Karina Koberstein:

Ja, du könntest die ganze Nacht sitzen.

Nico Hildmann:

Ja.

Karina Koberstein:

Wenn du willst.

Nico Hildmann:

Aber es ist doch sauer. Oder hast du Nachtsicht? Ja, ja.

Karina Koberstein:

Bisschen Technik. Ja. Wärmebildtechnik habe ich.

Nico Hildmann:

Aber keine Technik, oder? Da bist du dann. Also nee, ich meine, für dich Technik, also wo ist dein Handy zu dem Zeitpunkt? Nee, mein Handy. Genau.

Karina Koberstein:

Ich hab's obligatorisch dabei. Kann ja immer noch was sein. Oder dass man auch selbst einfach erreicht werden muss, nicht, dass da irgendwas passiert, sondern dass man selbst erreichbar ist. Aber das ist dann wirklich auf dem Hochsitz, ist es in der Hosentasche oder im Rucksack. Weil das würde irgendwie auch den Sinn so verlieren.

Nico Hildmann:

Das, was du gerade gesagt hast, wäre paradox.

Karina Koberstein:

Guck mal, wie viele haben das Thema Achtsamkeit so auf dem Zettel. Können sagen, ja, ich mache Achtsamkeitsübung und ich mache das auf dem Hochsitz, weil du hast wenig um dich rum. Du hast nur einen Ausschnitt, den du siehst, du hörst irgendwas. Ganz oft hörst du auch, wie ein Stück wild anwechselt. Du hörst halt schon Rascheln oder auch die Maus, die im Laub halt rumflitzt, oder der Vogel, der da anfliegt und so, du hörst es und du bist so bei dir.

Nico Hildmann:

Ja, was du da alles siehst, ne? Also ich habe auch mal eine Zeit lang frühest vor der Arbeit, so um 6 Uhr bin ich gechockt eine Runde. Dann siehst du da die Rehe, die Hasen, die siehst du ja unter dem Tag so nicht. Also das ist einfach Schauspiel, was da passiert. Ja, absolut.

Karina Koberstein:

Aber wenn dich ein Vogel anfliegt, wie geil ist denn das? Nur du sitzt halt da total still und fliegt dich ein Vogel an.

Nico Hildmann:

Ja, cool. Dann startet der Tag echt schon wunderbar. Aber ey, bei der Frage hätte ich 100 Punkte für die Antwort bekommen, das hätte ich safe eingeloggt, Hochsitz. Okay. Ja, okay, der Klassiker. Ein bisschen anders formuliert, aber ein Klassiker die Frage. Du darfst mit deinem 20-jährigen Ich einen Kaffee trinken. Was würdest du dir sagen?

Karina Koberstein:

Ich glaube tatsächlich, sei selbstbewusster. Ich glaube, so Anfang 20, man struggelt schon mal mit sich selbst, ob man so richtig ist, ob man so in die Welt passt. Und ich glaube, mutig war ich schon immer. Aber vielleicht hat es mir manchmal doch am Selbstvertrauen gemangelt und ich glaube, das würde ich mir heute ganz laut zurufen.

Nico Hildmann:

Ja. Weißt du, die meisten Antworten sind tatsächlich Mut oder sowas, oder ich habe keine Angst oder sowas, siehst du durch, weil im Endeffekt ist doch immer so, ne, wir sitzen jetzt hier, es hat irgendwie alles, ist alles gut, ne, im Endeffekt. Deswegen waren die Entscheidungen, die man bis dahin getroffen hat, nicht schlecht, na augenscheinlich. Aber klar, wenn man so, ey, in manchen Situationen mehr Selbstbewusstsein oder vielleicht hättest du, vielleicht, ich hätte jetzt spontan gesagt, vielleicht sagst du, mach nicht den Schwenk zur Uni oder sowas, keine Ahnung, aber auch mit der Erfahrung nimmt man ja einiges mit. Absolut.

Karina Koberstein:

Also das Zeit an der Uni, das war echt doof. Wie gesagt, wenn du so am vierten Tag merkst, oh shit, das ist es nicht. Das ist schon ein doofes Gefühl, aber rückblickend. Das hat mir so viel gezeigt und das hat mir vor allem gezeigt, Dinge, die ich nicht akzeptiere und Dinge, die ich nicht möchte. Also das kann ja auch für was gut sein, dass man sagt, ich habe jetzt gelernt, was ich will, aber dort habe ich gelernt, was ich nicht will. Super wichtig. Und das ist drei Monate, mein Gott.

Nico Hildmann:

Also das geht ja wirklich wie im Flug. Alright. Also es sind tatsächlich nur noch drei Fragen, kommen super gut durch. Okay. Wenn du selbst gründen würdest, in welchem Bereich denn?

Karina Koberstein:

Superschwer. Da sind wir wieder genau bei meinem Problem aus dem Studium. Hätte ich damals eine Idee gehabt, würde ich heute als Gründerin hier sitzen. Ich habe sie tatsächlich nur nicht gefunden, aber ich glaube, weil wenn ich die Gründungsidee finden würde, dann würde ich auch den Mut aufbringen, das auf die Basis zu ziehen.

Nico Hildmann:

Das glaube ich dir tatsächlich. Du hast jetzt mittlerweile sehr viel Inspiration. Vielleicht kommt dann irgendwann mal der Zündende Gang, wo du sagst, jetzt. Aber so ein Bereich, jetzt ist nicht so offen. Okay. Alright. Okay. Wenn dein Leben ein Ausbildungskurs bei der Bundeswehr wäre, wie würde der heißen?

Karina Koberstein:

Huh, wie würde der heißen? Also der hätte irgendwas mit Mindset, mit innovativem Mindset, mit Growth Mindset zu tun. Also schon irgendwie, ja, vielleicht würde der heißen, wenn sich Türen aufmachen, geh ruhig mal durch.

Nico Hildmann:

Das finde ich mega geil. Krass und spontan. Voll geil.

Karina Koberstein:

Weil das ist irgendwie so, es gibt ganz viele Leute, das ist ja vollkommen richtig so, die so strategisch ihr Berufsleben planen oder ihre Karriere planen. Ich habe das eigentlich nicht gemacht. Ich habe so gesagt, ja, ich will, nachdem ich bei der Bundeswehr war, möchte ich studieren und mit so einem BWL-Studium, naja, da wird sich dann schon was tun, da findest du schon was. Und dann bin ich einfach losgegangen und wenn ich eine Tür aufgemacht habe, da habe ich mal reingeguckt, sieht interessant aus, gehe ich durch. Und so hat sich eine Tür nach der anderen aufgemacht.

unknown:

Ja.

Nico Hildmann:

Finde ich geil.

Karina Koberstein:

Also deswegen.

Nico Hildmann:

Also schicken wir mal der Bundeswehr, das wäre ein cooler Kursname. Auf jeden Fall. Sehr cool, finde ich echt super. Ja, und allerletzte Frage von der Random Fragen Section. Du darfst einen Tag zurück zur Bundeswehr. Was würdest du dort tun? Hätte ich einen anderen Bereich nochmal gereizt dann?

Karina Koberstein:

Nee, tatsächlich nicht. Aber wir hatten es vorhin so von Macho-Gehabe und tatsächlich glaube ich, ich war nie, also ich natürlich ist man vielleicht auch mal mit Dingen dann konfrontiert, die über Macho-Gehabe hinausgehen. Und ich habe ganz viele Dinge einfach, da habe ich gesagt, ja, scheiß Schwamm drüber. Ich baue schon nicht auf, aber es gab eine Situation, und da würde ich sagen, da würde ich gerne heute nochmal zurückgehen und würde denjenigen so richtig rund machen. Also es war jetzt nichts Dramatisches, aber dem würde ich nochmal gerne so rückblickend eine richtige Ansage machen.

Nico Hildmann:

Ja, das wäre da noch so ein E-Typchen an Genugton, glaube ich, wo man sagt, das würde ich machen. Finde ich gut. Also auch das ist einfach das Menschliche. Im Nachhinein denkt man sich immer, Mann, jetzt fällt mir was ein, was ich da hätte sagen können. Aber finde ich geil, dass du das dann so sagst, ey, das war eine Situation, die war nicht so in Ordnung. Jetzt wüsste ich es und jetzt, ne, jetzt würde ich da Feuer geben. Geil, finde ich cool. Super, also wirklich alle toppariert. Und jetzt tatsächlich die zwei letzten obligatorischen Fragen. Erst ist ja immer Podcast-Gast-Empfehlung. Hättest du ein paar Namen, die wir hier einladen sollten?

Karina Koberstein:

Also, ich glaube, wer super interessant ist und die hat wieder eine Verbindung zum Starthaus, wäre die Lisa Straub. Die kehrt jetzt natürlich zurück ins Gründer-Ökosystem einfranken. In Wirklichkeit hat sie ja nie, glaube ich, dem Ganzen den Rücken gekehrt, sondern sie hat es immer aus der Entfernung so ein bisschen beobachtet. Und ich glaube, sie wäre super interessant, also ich wäre neugierig drauf. Die zweite Lady im Bunde wäre die Christiane Herbst. Eine Mitstreiterin an der Hochschule tatsächlich von mir. Und ich sage manchmal so, mein Wingman, weil als ich zu der Erkenntnis kam, ich brauche mehr Netzwerk, ich brauche mehr Kontakte, dann war Christiane einfach jemand, die gesagt hat, komm mit, wir gehen auf Veranstaltungen, wir gehen da gemeinsam hin und das ist ja auch super, wenn man einen Mitstreiter einfach hat, Christiane kannte dann schon viele und die hat wirklich in so Wingman oder. Sieht man der Tür öffner, was du gerade so sagst. Kennst du schon Carina? Ah ja, super, ihr unterhaltet euch so schön, ich hol mal einen Kaffee. Also, und ich finde, wenn man jetzt selber, also mir fällt Netzwerken schon einfach, aber wenn man jetzt selber vielleicht struggelt mit dem Thema, ich weiß gar nicht, was ich da sagen soll, dann sucht man sich halt genau so jemanden aus, der so ein bisschen umtriebig ist, die soll einen mitschleppen oder der soll einen mitschleppen und soll dann Türöffner machen und soll sagen, hey, kennst du schon und hast du schon gehört das? Und das ist super wichtig. Also das ist da.

Nico Hildmann:

Toller Tipp, weil du hast immer einen für dich Anker in einem neuen Umfeld, wo du sagst, ey, wenn ich da jetzt mal gar keine Chemie mit jemandem habe, die ist da. Oder halt der Partner ist gerade da, mit dem du da hingegangen bist. Also super Tipp.

Karina Koberstein:

Wenn man sich halt alleine traut, also ich glaube auf alle unsere Events, jetzt sprechen wir für Gründerinnen Gründer in Mainfranken, wenn man da hingeht, da findet man immer Leute, die Bock haben, sich auszutauschen. Oder im Zweifelsfall auch mal jemand, der sagt, hey, wer bist denn du? Aber wenn man jetzt sagt, ach, ich struggle einfach damit, alleine loszugehen, ja, kein Problem. Dann nimmt man jemanden mit und.

Nico Hildmann:

Tolle Tipp, finde ich klasse.

Karina Koberstein:

Und der dritte Tipp wäre Matthias Gräber, Geschäftsführer von einem Reha-Zentrum in Würzburg. Ich glaube, der ist auch ganz interessant, weil er selbst eben diese Geschäftsführung irgendwann mal übernommen hat. Also von zwei Physiotherapeuten, die dieses Reha-Zentrum aufgebaut haben, die dann irgendwann festgestellt haben, na, so betriebswirtschaftlich könnten wir schon irgendwie so ein Level-Up gebrauchen. Und Matthias hat damals einen Masterabschluss gemacht an der Hochschule und kam so dann auf das Thema. Und ich meine, wir sagen auch manchmal Gründnis oder Nachfolge ist ja bei uns jetzt gerade eben auch überall ein großes Thema. Er hat jetzt keine klassische Nachfolge gemacht, aber schon so einen Schritt ja in die Richtung. Und deswegen glaube ich, könnte er ein ganz interessanter Gesprächspartner sein. Er gründet auch nebenbei nochmal, also hat auch nebenbei nochmal ein Business aufgebaut.

Nico Hildmann:

Das sind tolle Vorschläge. Ich hoffe, sie haben Bock. Wir gehen sie auf jeden Fall an. Vielen Dank dafür. Ja, genau. Ja, und dann sind wir schon bei der letzten Frage. Und das ist ja immer so die Frage nach dem Wunsch, ne? Wenn du dir irgendwas für unsere Region, Mainfranken, wünschen dürftest. Was wäre das?

Karina Koberstein:

Nachdem wir so viele frühphasige Gründer, glaube ich, haben, wobei, ne, das stimmt gar nicht. Wir haben auch richtig, also schon etablierte Gründer oder Startups, ne? Aber natürlich wissen wir alle, es scheitert oft am Geld. Und da wäre es schon schön, man würde andere Förderprogramme, neue Förderprogramme aufsetzen, einfach um Startups frühphasig schon zu unterstützen. Das wäre schon ein Wunsch.

Nico Hildmann:

Den unterstreiche ich absolut. Den lassen wir auch so stehen, weil da ist schon viel gesagt worden tatsächlich, viel gewünscht worden. Mal gucken, was sich so die Jahre ergibt oder hoffentlich die nächste Zeit. Aber ja, mir bleibt jetzt erstmal noch vielen Dank zu sagen, Carina. Ich hoffe, es hat Spaß gemacht, deine erste Aufnahme. Sehr schön. Also es geht auch, du merkst super schnell rum, die Zeit. Vielen, vielen Dank, dass du da warst. Ganz viel Erfolg weiterhin. Vielleicht für euch Zuhörer und Zuhörerinnen. Wir nehmen hier eine Woche vor Weihnachten auf, deswegen sage ich hier zur Carina frohe Weihnachten und einen guten Beschluss. Die Aufnahme kommt am 30. Dezember raus, also kurz vor Neujahr. Deswegen euch allen natürlich auch einen guten Start ins neue Jahr. Dir besonders Carina als Gast hier. Und ja, dann, wir sehen uns ja eh bald wieder, live und in Farbe, da freue ich mich schon drauf. Und ansonsten alles Gute weiterhin und vielen Dank.

Karina Koberstein:

Danke dir.